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Jüdische Rundschau · 1903-01-16 · Heft 3 (16.1.1903) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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So wie die Deutsclien während des grossen Krieges von 1870—71 erwartungsvoll nach jeder Nachricht von Paris lauschten und jeder Podbielskisclien Depesche mit der Frage: ״Was neues vor Paris?*‘ entgegenharrten, so hatten die alten Römer im Schrecken vor der machtvollen Gebieterin des Mittclinccres, der hebräiseb-semitischen Grossmacht Karthago, oft und lange die bange Frage auf den Lippen: ״Quid novi de Africa?“ So haben wir Juden heute atlc Veranlassung in gleieher Weise die bange Frage zu stellen: Gibt*s neues aus Afrika? Sind es doch in allererster Linie bei dem grossen Bürgerkrieg, der in Marokko ausgebrochen ist, die Juden, auf die sich die ganze Wut des wilden Krieges entladen wird und schon entlad. Sie, die Schutzlosen, die immer Verfolgten, die echten Nachkommen des marokkanischen Juden Abner, der nichts gesehen hat, nicht in seiner Pfiffigkeit, wohl aber In der Behandlung, die ihm allezeit zuteil wurde, sind wie alle Juden in gesetzloser Zeit der Plünderung und dem Mord schutzlos preisgcgeben. Auf ihr unschuldiges Haupt wird von beiden Seiten abgeladcn, was man nicht dem Gegner auswisclien kann. Sie sind unterdrückt und verfolgt, wie es alle Judenschaftcn immer waren, die in grosser Zahl ln einem Lande die bedeutsame Minorität bildeten, mit einziger Ausnahme der Türkei. Aber während am Nordrande des afrikanischen Festlandes sich immer schwerere Gewitterwolken über den Häuptern unserer Stammesbrüder zusammenballcn, während schon mancher zündende Blitz in die friedliehen Hütten einschlug und alles vernichtete, scheint am entgegengesetzten Ende des Kontinents sich wenigstens für eine kleine Zahl unserer gejagten Brüder ein gastliches Helm aufzutun. Wir haben gewiss inniges Mitgefühl empfunden, als das kleine, tapfere Heldcnvolk niederländischer Zunge . dem Britischen Weltreiche in einem, an makkabäischc Heldentaten erinnernden Freiheitskampfe unterlag. Unscrc Sympathien standen ungeteilt auf Seiten des kleinen, nur durch die Ueberzahl .endlich bezwungenen Heidenstammes, Das konstatieren wir, wenngleich wir heutzutage,in keinem als Qrossmacht gerechneten Lande 1' ’ * י'׳**- . * י*', r. Ä1 »**״» »"־״'*’* -•»•׳ .*'<**» .» ►*״* eine ebenso gerechte Behandlung erfahren, wie in Eng- Jand und seinen Kolonien. Und es kommt hinzu, dass wir es dem holländischen Volke nie vergessen werden, welchen Dank wir ihm schuldig sind, dass es uns die Freiheit gab, als eine Welt der Feindschaft uns verfolgte. Denn Holland und noch mehr das grosse Türkische Reich allein öffneten sich gastlich den verfolgten Juden, als Europa ihnen eine Mördergrube wurde. Und wir haben dem grossen Ringen in Südafrika zugesehen, indem wir zugleich unserer eigenen Väter gedachten, die hei den Vätern des unterworfenen und besiegten Burenvolkes eine gastliche Stätte gefunden hatten, als Inquisition und Spanicrtum ihnen die Welt zur Hölle machten. Durch die Beendigung des Krieges hat Südafrika politisch eine gänzlich andere Gestalt angenommen. Die unbedingte Herrschaft ist auf das mächtige England übergegangen, das in der Person des Statthalters Viscount Alfred M i I n e r repräsentiert wird. Aber die neuen Verhältnisse haben nicht, wie sonst es politische Veränderungen mit sich gebracht haben, den Juden schlimmere Tage und ungerechte Behandlung eingebracht. Im Gegenteil wird die unter der Burenherrschaft geübte religiöse Duldung weiter geübt und auch nationaler Hass und stammestümliche Befehdung ist wie unter den Holländern auch unter der neuen englischen Regierung ferugeblieben. England hat sich hier den Juden gegenüber als ein Land bewährt, das den Wehrlosen nicht verfolgt, und das den Schwachen nicht unterdrückt, und ihnen auch die bisher vorenthaltenen politischen Rechte ohne Einschränkung gewährt. Unter solchen freien Verhältnissen kann der Jude beginnen sich frei zu fühlen, und so ist cs nur naturgemäss, wenn die zionistische Bewegung, die sich als ein Freihcitsrmgen kennzeichnet, gerade in dem freien Lande sich am mächtigsten entfaltet. Unsere Südafrikanischc Zentrale ist eine der grössten Organisationen, die unsere Freiheitsbewegung zählt. Wie angesehen und mit welchem Vertrauen auch regierungsseitig die Zionistische Partei bedacht ist, davon zeugt allein am besten die Tatsache, dass seitens der vizeköniglichen Regierung der zionistischen Zentrale diejenigen Befug- Hisse hinsichtlich der Juden erteilt sind, die sonst nur Konsulaten zusteheu. Dafür möge nur ein sehr bezeichst*

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