Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ko. 5i. o iidiöcli© Rundschau. teite 98. Versammlung unter.Vorsitz des Apotheker Kammer einen Vortrag Ober den Zionismus. Er entwickelte aut Grund des Baseler Programms In übersichtlicher, leicht verständlicher Weise die Intentionen de« Zionismus und bemerkte, er sei nicht hier, um Zionisten zu machen, sondern nur solche zu entdecken. Den In jeder Beziehung vorzüglichen und geistvollen Ausführungen wurde wohlverdienter, lebhafter Beifall zu Teil. In der folgenden Diskussion wurden von gegnerischer Seite alle möglichen und unmöglichen Dinge vorgebracht, um dem Zionismus hierorts den Boden zu entziehen. Während von einigen Herren die Existenz einer Judenfrage und Rasse angezwcifclt wurde, hatten andere wieder Bedenken betr. der späteren Organisation des Staates etc. Auch der hiesige Rabbincr, Herr Dr. Frcudcnthal, sprach eifrig gegen den Zionismus. Vielfach wurde, da cs an stichhaltigen Argumenten gegen den Zionismus mangelte, zu sarkastischen Aeusserungcn gegriffen, um die ganze Sache ins Lächerliche zu ziehen. All diesen Anfeindungen stand Gronemann mit einer bewundernswerten Ruhe und Sicherheit gegenüber und es war ihm ein Leichtes, mit schlagenden Worten die Ausführungen der Gegner in sachlicher Weise zu widerlegen. Zum Schluss trugen sich in die ausgelegten Listen ca. 30 Mitglieder ein, wodurch die Gründung einer Ortsgruppe für Danzig gesichert ist. — Hoffen und wünscheu wir. dass die junge Gruppe wachsen und gedeihen möge und am Gelingen des gewaltigen zionistischen Werkes mitarbeite zum Wohle aller. — Dr. Gronemann sei aber noch an dieser Steile für seine vorzüglichen, klaren Ausführungen, wodurch jeder Vorurteilsfreie nur Sympathie für die zionistische Sache gewinnen musste, der herzlichste Dank ausgesprochen. Hugo Wittenberg. Köln, 14. 12. 1902. Die gestrige Wochen-Versammlung der Zionistischen Vereinigung, Ortsgruppe Köln, war derart stark besucht, dass ein grosser Teil der Anwesenden stehen musste, während ein anderer Teil im Saale selbst keinen Platz mehr finden konnte. Der höchst interessante Vortrag des Mit- «liedes Hoff m a n 11 über ״Hcrzls Judenstaat“ riei eine sehr lebhafte Diskussion hervor, welche bis spät in die Nacht hinein { dauerte und an welcher sich zwei Gegner beteiligten. Dieselben wurden von. dem Vorsitzenden. Rechtsanwalt Dr. Bodenlieimer, D. Wolfsohn, dem Vortragenden und andern Mitgliedern widerlegt. Die Versammlungen erircuen sich hierorts in letzter Zeit einer regen Teilnahme, sodass der Vorstand voraussichtlich einen grösseren Saal zur Abhaltung der Wochen- Versammlungen beschaffen muss. Strassburg i. E. Am 13. d. M. fand die Generalversammlung der Strassburger Ortsgruppe unter sehr starker Beteiligung statt. Der Vorsitzende. Ingenieur Pohl gab zu- ־ nächst eine Ucbcrsid.1t über das verlaufene erste Vereinsjahr, 1 dem wir folgende wichtigsten Daten entnehmen: Begründet wurde der Verein am 11. Dez. vor. Jahres mit 11־ Mitgliedern. I Diese Zahl wuchs Im Laufe des Jahres auf 104 Strassburger und 100 auswärtige Mitglieder an. Der Verein entfaltete eine rege Tätigkeit. Es fanden 5 grosse öfienliche Versammlungen. 32 Vorstandssitzung und 11 Vortrags- und Diskussionsabende statt. Es wurden 3 Ortsgruppen im Eisass gegründet, nämlich. Hagenau; Colmar und Zabern. Als wichtigstes Ereignis ist die Ernennung Strassburgs zum Biireau für El$a$s-Lothringen zu verzeichnen, welches sich im Sept. offiziell konstruierte. Zur Zeit ist hierüber bereits ausführlich berichtet worden. Das Distriktsbüreau hat jüngst einen Vortragsabend und eine Sammlung für die rumänischen Juden veranstaltet, welche einen schönen Erfolg zeitigten. Die nächste Arbeit wird die Gründung einer Gruppe in Metz sein. Der Zeitpunkt hierzu wird von dem Abschluss der nötigen Vorarbeiten abhängen, bestimmt wird der erste Vortrag jedoch .׳noch In diesem Winter stattfinden. Von der Gruppe sind für diesen Winter noch die Gründungen einer Lese- resp. Toynbeehalle, sowie die Errichtung von Kursen für Geschichte und Litteratur geplant. Eine grosse Makkabäerfeier findet am 27. Dezember statt. A11 diesen Bericht schloss sich der des Kassierers aus dein hervorging, dass trotz der grossen Ausgaben immer poch 150 Mk. ausschliesslich Schckelgelder an die Zentrale nach Köln abgeführt werden konnten. Sodann wurde ein Antrag des Vorstandes, den bisherigen Minimalbeitrag von 3 Mk. auf 5 Mk. zu erhöhen, angenommen. Nachdem noch dem bisherigen Vorsitzenden für seine Tätigkeit von mehreren Seiten anerkennende Worte zu Teil wurden, schritt man zur Neuwähl, bei welcher Ingenieur Pohl als 1. Vors.• und Leon Wolff als 2. Vors, einstimmig wieder erwählt wurden. Als Kassierer wurden Me iss, I. Schrift!'. Apotheker Manilok, Meyer 2. Schriftf.. als Beisitzer Dr. Dannenberg und Cccil Bickhardt gewählt. .Der Antrag des Vorstandes, die auf dem Mannheimer Deieglcrtentag für den Garantiefond gezeichneten 100 Mk. unter der Bedingung anzuerkennen, dass bei Inanspruchnahme auch sämtliche Vereine und Gruppen Deutschlands ihren Verpflichtungen betreffs Zahlung der statutenmässigen Beiträge nachgekommen sind, wurde angenommen. Die übrigen Verhandlungen waren von weniger Interesse. Der Vorsitzende schloss die Verhandlung mit der Bitte, sich in Zukunft mit gleichem Interesse dem Verein zu widmen und für den Zionismus eifrig tätig zu sein. mp. Strassburg i. Eis. Hier hielt der Zionistische Verein Strassbürg seine erste Winterversammlung ab. für die Rechtsanwalt Dr. f3 o d e n h e i m e r aus Köln a. Rh׳ das Referat über-, nommen hatte. Der Saal war von einem auserlesenen Pubükum weit ftberiülit. Das Thema war: ,Die Entwickelung des Zionismus vom 1. Kongress bis heute“. In bekannt gediegener und sehr ansprechender Weise behandelte der Redner, der seit Beginn der Bewegung als einer der tatkräftigsten Führer wohl bekannt ist, bezugnehmend aui den I. Kongress das Basler Programm. Es gelang dem Referenten in vorzüglichster Weise die Zwecke und Ziele des Zionismus dem aufmerksam Zuhörenden und oft Beifall bezeugenden Publikum klarzulcgcn, so dass auch nicht das geringste .Missverständnis aufkommen konnte. Obergehend auf die Tätigkeit des II. Kongresses wies Redner aui die Gründung der jüdischen Kolonialbank sowie auf deren Ent-, Wicklung und Tätigkeit bis auf den heutigen Tag mit grosser Sachlichkeit hin. Im weiteren Verlauf des Vortrages wurde beiten. Die mit grosser .Liebe geschriebene Einleitung über! Sprache und I.itteratur der osteuropäischen Juden muss auch Nichtphilologen interessieren und sollte von keinem gebildeten Zionisten ungelesen bleiben. Die Grammatik kann als erstes Werk auf diesem Gebiete natürlich nicht erschöpfend sein, wohl aber eine Grundlage für spätere Forschungen abgeben. Bei der ungeheuren räumlichen Ausdehnung des Jüdisch deutsehen tind seiner Zerklüftung in Untcrdialektc bleibt hier noch ungemein viel zu tun übrig. Da sieb Dialcktgrammatikcn am besten von solchen Leuten schreiben lassen, die den Dialekt selbst von Kindheit an gesprochen haben, so wäre es in hochstem Grade wünschenswert, dass einzelne begabte Osteuropaische Juden, von denen sich ja vieic philosophischen oder sonstigen theoretischen Studien widmen, auch einmal griindlieh deutsche Philologie au deutschen Universitäten studierten, damit jeder von Ihnen über den von ihm gesprochenen jüdischdeutschen Spezialdiaickt wirklich wissenschaftlich arbeiten könnte. Dann erst hätte Gerzons Buch seine 'beste Frucht getragen. R. L. Grunwald Max: Juden als Rheder und Seefahrer. Berlin: M. Poppelauer 1902. 13 S. 8 °. An der Klaue erkennt man den Löwen. So zeigt sich auch in diesem kleinen Schriftchen, das nicht besondere Be- 1 achtimg beanspruchen will, die exakte Art des Arbcitcns, wie sie Grunwald auszeichnet. Unsere Leser haben kürzlich über ein ähnliches Thema zur Handcisgeschichte der Juden im früheren Mittelalter an dieser Stelle näheres gefunden, und die Gefallen an der populären Arbeit gefunden haben, werden gewiss gelegentlich gern und mit Vorteil auf Grunwalds Arbeit zurückgrcifen. Wir werden uns auch ferner nicht scheuen, Grunwalds Bedeutung auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiete uneingeschränkt und wahrheitsgetreu anzuerkennen, wenn w׳ir uns auch gelegentlich wieder einmal gewärtigen lassen müssen, dass die ״Oesterreiehische Wochenschrift“ unsere Kritiken missbraucht. Moses, Julius: Referat über die geistige, ethische und soziale Fürsorge für die jüdische schulentlassene Jugend, geh, auf der 1. süddeutschen Logentagung. 9 S. 8°. Ohne Druckvermerk. Das sehr interessante Referat unseres verehrten Gesinnungsgenossc» sollte wegen seiner sozialen Anregungen nicht auf den engeren Kreis der U. O. B. BLogen beschränkt bleiben, es wäre zu wünschen, dass seine wichtigen Beobachtungen und Vorschläge in weiteren Kreisen gewürdigt würden. .