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Jüdische Rundschau · 1902-12-12 · Heft 50 (12.12.1902) · p. Seite 88

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 50 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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Seito 88. Jlidiftohe Ruadsehau.. No. BO. hinsichtlich der Russinnen verschärften Zulassungsbcdlngungen zurückrarührcn. Gegenwärtig bis zum 9. Dezember finden die Wahlen zur akademischen Lesehalle der Universität statt. Die Zahl der berechtigten Wähler betragt 1600. Kandidaten werden 1 auigcstellt von vier Parteien, der nationalen Partei, unter \ Funrung des V. D. St, den katholischen Korporationen, dem j Verein Jüdischer Studenten und der jüdischen freien j wissenschaftlichen Vereinigung.“ Die ״Morgenpost“ ist über ן den Verdacht erhaben; antisemitisch zu sein. Da wird sic ן wohl von den Zionisten gekauft sein, dass sie die F. W. V. I so schlank weg als jüdische Verbindung bezeichnet Nicht t wahr, Herr Weiss? — Berlin. Ueber antisemitische Wanl- } Vorbereitungen wird ferner folgendes bekannt: Die Antisemiten j aller drei Gruppen stellen, wo nur irgend möglich, ihre Kan- י didaturen für die nächsten Rcichstagswahlen schon jetzt fest. ן Vom ״Deutschen Volksbund“ wird Prof. Dr. Paul Hörster, mit Unterstützung der Dcutschsozialcn im Wahlkreise Hnlberstadt- Aschersieben, Hans v. Mosch in Stettin kandidieren. Beide Bewerbungen haben die Bedeutung von Zählkandidaturen. Die j Deutschsozialc Rciormpartei beabsichtigt, den früheren Reichstagsabgeordneten und jetzt in den hessischen Landtag gewülilten Geschäftsführer des hessischen Bauernvereins Hirscliel, in dem z. Z. durch den nationalUbcralcn Abg. Krämer vertretenen Wahlkreise Wctziar-Altcnkirchen aufzustellcn. Die bereits erwähnte Kandidatur Zimmennanus, in dem z. Z. durch seinen Parteigenossen Qräie vertretenen Wahlkreise Bautzen stösst bei den Konservativen auf Wider stand. Das ״Kamenzcr Tageblatt“ bestreitet nämlich, dass Herr Zimmcrmann in Bischoiswerda einstimmig als Kandidat der ״Ordnungsparteien“ aufgestellt worden sei. An der betreffenden Versammlung hätten Vertreter der Konservativen überhaupt nicht teilgenommen und die Konservativen hätten auch keineswegs die Absicht, für Herrn Zinnnennann einzutreten, für Herrn Gräie haben aber j im Jahre 1S93 wie 1S9S die Konservativen gestimmt. Und sie werden auch wieder iür den Antisemiten stimmen, j ferner .beschloss die deutschsoziale Rciormpartei in Chemnitz! eine eigene Kandidatur aufzustellcn. Die Deutschsozialen wollen | sich in Köln eine eigene Kandidatur leisten und zu diesen j Zweck die Unterstützung der Chrlstlichsozialen nachsuchen. ׳ Bern. Unsere Leser erinnern sich des empörenden Artikels eines Dr. J. Seliger im ״Israelit" gegen die ״Demokratisch-! zionistische Fraktion" und zwar insbesondere gegen den Berner Akademischen Zionistcnvcrcin. Dieser Verein (gez. der Vorsitzende D. Sch. Jocheimann) bringt jetzt in der ״\V c 11" eine { Berichtigung der angeblichen Tatsachen, die der Artikel Seligcrs : angab. Damit fallen die Angriffe gegen den Verein, die man in J Voraussetzung eines wahrhaftigen Berichts gemacht hatte, ebenfalls in sich zusammen". Es muss nicht nur Jedermann, sondern auch jedem Zionisten unbenommen sein, nach seiner Facon selig zu werden. Nur soll man sich von beiden Seiten hüten, Andersdenkende in ihren Gefühlen zu verletzen. Jedenfalls hätten wir Dr. Scligers Angrifie noch viel energischer zurückgewiesen, als dies bereits geschehen, wenn wir damals I schon den wahren Sachverhalt gekannt hätten. Hat er viel- 1 leicht gedacht: ״Semper aliquid• haeretl?“ — St. Petersburg.! Wie erst jetzt amtlich bekanntgegeben wird, hat der russische Finanzminister bereits am 25. August die Einführung von Aktien und Interimsscheincn der Jüdischen Kolonialbank in London j (The Jewish Colonial Trust) verboten. Die Aktien dieser Bank j haben in Rusland u. Polen unter den Zionisten grosse Verbrei- \ tung gefunden. In Lodz allein sollen für 100000 Rubel, in der; Umgegend von Lodz für mehr als 50 000 Rubel Aktien verkauft worden sein. Das Verbot ist die erste Anwendung einer kurz j vorher erlassenen Bestimmung, die dem finanzministcr das ־ Recht einrüunit, nach Uebercinkunft mit dem Minister des; Aeussern diejenigen Aktien und Obligationen zu verbieten, deren Einfuhr den Staatsintcrcsscn zuwiderlauft. Dieser Schade für unsere Bank muss durch um so eitrigere Arbeit für unsere : Bank in freieren Ländern wieder wett gemacht werden. '! — Die Stadt Antab (Türkei) wurde vor kurzem durch eine : Feuersbrunst vollständig vernichtet. Dabei sind •100 Juden um ihr Hab und Gut gekommen. Auch die Schule samt allen ׳ Büchern Ist zugrunde gegangen. Die jüdischen Bewohner befinden sich in einer traurigen. Jeder Beschreibung spottenden \ Lage und sind genötigt, von Zwiebeln ihr Dasein zu fristen. 1 Auch mangelt es ihnen an Kleidern und Schuhen. Der Gross-; Rabbiner Saul David Sitton wendet sich daher im Namen der 1 unglücklichen Bewohner an unsere Stammesgenossen mit der I Bitte um hilfreiche Unterstützung. Spenden nimmt der Präj sident der türkisch-sephardischen Gemeinde, Herr Bankier Markus Russo, Wien, IX.. Türkenstrassc 33. entgegen. Haifa. ׳ Der hiesige deutsche Vizekonsui erwähnt die jüdischen Kolonieen im Lande Israel in seinem letzten Jahresbericht mit folj genden Worten: Obwohl das Jahr 1901 eines der ungünstigsten; in letzter Zeit war, gingen in den Ian4u/irts:h21:!icher. Vorj häitnisscn grosse Veränderungen vor. Die ,.Jewish Colon. Assoc.", an welche die von Bsroo E. von Rothschild in Pa- 1 Itrstina gegründeten Kolonieen abgetreten worden sind, ist be müht, durch rationelles Vorgehen und Ankauf weiterer LSndcrcien. vorwiegend bei Safed und Tibcrias ihr Unternehmen nicht allein zu vergrössern, sondern auch Nutzen daraus zu ziehen. Ackergerätschaften modernsten Systems werden verwendet und mit der Bebauung in systematischer Weise vorgegangen." — Tasehkend (Zentral-Asicn). Die Wellen des Zionisirus haben nun auch die Juden von Tasehkend mächtig ergriffen. Die jüdische Gemeinde von Tasehkend. deren Mitgliederzaht 1700 beträgt, hat sich unlängst der zionistischen Bewegung gänzlich angeschlosscn. Dor gegründete Zionisten- Verein hat bereits eine rege Tätigkeit entwickelt Im Besitze der offiziellen Erlaubnis zur Abhaltung von öffentlichen Vorlesunge« über Palästina, veranstaltete der Verein kürzlich den ersten Zionisten-Abcnd, der ausser st stark besucht war. Es wurden Vorträge über die Bedeutung und die Erfolge des Zionismus und über Palästina gehalten, welche den Enthusiasmus der Zuhörer entfesselten. Vorlesungen über Jüdische Geschichte finden wöchentlich statt. HHerleL Im kaukasischen Museum in Tiflis haben wir einen Grabsieiti mit hebräischer Inschriii aus Alzchet. Der Charakter der Buchstaben weist auf eine Zeit, die längst vor Christi Gehurt gelegen hat, und doch ist dieses nur ein Stein aus einer grossen Reihe ganz gleicher Gräber. Das sieht fast aus• wie eine Bestätigung der Ueberlieferung der georgischen Chronik des Prinzen Wachuscht, die Juden im Kaukasus angesicdclt sein lässt seit Ncbukaduezars Zeit, speziell bei Mzchet lind am Tscwan. Noch im Mittelalter wird die wenige Werst von Mzchct auf der Strasse nach Wladikawkas gelegene Burg die Judenfestung genannt. — Es ist bedauerlich, dass die hebräische Inschrift, von der ich hier sprach, bis heute noch nicht herausgegeben und wissenschaftlich untersucht ist. Jedenfalls beweist sie die Anwesenheit von Juden im Kaukasus für eine Zeit, die vor der Gehurt des Heilands liegt. — Anders liegt die Sache in! östlichen Kaukasus. Dort hat eine jüdische Firma!:- ifcrung erst etwa im 1. Jahrhundert nach Christus s taftgehabt. Ais: P. Eduard von Bergmann: D.'.s Chns׳.er,?um im Kaukasus. tn: Der Christliche Orient. Jg II. H. 7, S. 100-116. Der Bruder des verstorbenen Münchener Generalmns:kdirektors H. Lcvi. Prokurist in einem Mannheimer Bankhause, wollte früher Sänger werden und la-.tie t’. •n Namen Linceck als Künstlernamen angenommen. ׳ Als Herma!!!! Levi die Festspiele in Bayreuth leitete, war auch* so erzählen die ״Münch. Neuest. Naehr.". sein Bruder ״Lindcck" dort. Levi stellte ihn mit der üblichen Handbewegung und mit den Worten ״mein Bruder" vor, und bald darauf rief Jemand mit erhobenem Glase: ״Herr Levi, ich gestatte mir..." Der Angcrcdetc erwiderte: ״Ich heisse Lindeck!" Erstaunt und fragend schaute der Herr den Dirigenten an, der den Vorgang verfolgt hatte. ״Ja Wissens", rief Hermann Levi über den Tisch herüber, ״i hab’ ja früher aa Lindcek g’Jieiss’n, i bab’ mi aber umtaufn lass’n." flatlonalfond. H. Sä 11 >׳c1 0,30 mk. Lazarus Barth anstatt Telegranun für Hochzeit Leo Gottes man!!־Petersburg 1 Mk*. Sammlung Pariser 12 Mk. Dr. F. in Chemnitz 1 Mk. W. Weigert- München beim Eislauf gesammelt •J Mk. Bel Gelegenheit des Vortrags von Dr. Kahn von Dr. Littmann in G I c i w i t z gesammelt 5 Mk. Für die Notleidenden In Palästina. Hermann Struck 5 Mk. Frau Albertine N e u m a r k - Posen 3 Mk. ßrkfhalten der MalUton. Barth. Für Ihren Zweck sind empfehlenswert: K. Baed c k c r: Palästina und Syrien. 5. Au fl. 1902. Anke!: Grundzöge der Landesnatur des Westjordanlandes. ISS7. V. Cu inet: Syrie, I.iban et Palestine 1897. Tristram: The Fauna and Flora 01 Palestine. London 1SS-I. (Gehört zum Survcy). Post: Flora oi Syria, Palestine and Sinai. Beirut 1896. Am geeignetsten ist freilich Baedeker.

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