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Jüdische Rundschau · 1902-12-05 · Heft 49 (5.12.1902) · p. Seite 73

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 49 (5.12.1902)
Date
1902-12-05
Page
Seite 73 (sequence 1)
Language
German
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. Abonnementspreis (Zusendung fnbegrilfen) Vierteljährlich« 1. daroh dlo Expedition: a) in Berlin M. — ,Wl b) nach auswSrts M 1,— €) für das Ausland M. 1.50. 0. Im Postabonnement M. 1,25 1■ boi Sammelbezug duroh die Ortsgruppe M. —jW. Postzeitungsliste No. 8703. Inserate d‘־ viergespaltenc Peritrcilc 25 Pf. tnsoratonbcliagen 15 M i Organ Q der Zionistischen Vereinigung für BeuiscMattä. Krselieint jedeu K-^reiteg־. Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Verlag 3üdlsdte Rundsrfum, E. G. rn. b. H. Berlin 6 22, Huguslslrasse nr. 49a. Sprechstunden: 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich üoewe, Berlin IU9* 40« tiehrtersf rosse 14/15. Sprechstunden: Montag turf Doanmüg ♦—öU1& : No. 49. Berlin. 5. _ Dezember 1902. ■rugiTTH-- ■ -1--8K=u»*sss*»a«*»־.זר-■• .-w*fc׳*s^f=snsw*.!!׳»:■׳—■יj* Unnötige Sorgen. Eine Erwiderung auf den Artikel des Herrn E. Auerbach. In No. *iS der ״Rundschau“ hat Herr A. einen Autsalz, den ich in der ״Welt“ über das Verhältnis des j Judentums zum Zionismus veröffentlicht * habe, zum j Gegenstand einer kritischen Besprechung gemacht. 1 Wenn schon Herr A., der meinen Artikel selbst gelesen, ן diesen in wesentlichen Punkten missverstanden hat, so j ist es doch wohl nötig, dass auch ich nochmals meinen Standpunkt den Lesern dieses Blattes darlege und verteidige. Vor allem konstatiere ich, dass ich nicht von der Frage ausgegangen bin: warum will der Zionismus in Deutschland keine Fortschritte machen? — und dass j deshalb die Gegenfrage des Herrn A.: aber macht denn ן hier der Zionismus keine Fortschritte? ganz deplaziert ist. Meine Fragestellung ist im ersten Satz ganz deutj lieh enthalten: ״Während wir die Schar unsrer Anhänger 1 in aller Welt stetig und beträchtlich, zunchmcn sehen, | ist in Deutschland noch immer weiten jüdischen Kreisen vom Zionismus nicht viel mehr als der Name bekannt.“ j Kann Herr A. da widersprechen? Der Angelpunkt mei- 1 ner Betrachtungen ist nicht das Fehlen, sondern das langsame Tempo unserer Fortschritte; der aktive und passive Widerstand, dem wir auf Schritt und Tritt begegnen, das Widerstreben der deutschen Juden gegen unsere Idee. Und wer möchte in Abrede stellen, dass | wir hier auffallend langsam vorwärts kommen, wie niN I gends in den Ländern mit erheblicher jüdischer Bevölkerung! Dass wir auch in Deutschland an Boden ge- י winnen, seit dem 5. Kongress sogar merklich rascher als zuvor, das könnte ja nur ein blinder, fanatischer Pessimist bestreiten. Pessimismus! Natürlich stehen auch die Anhänger einer grossen Bewegung ihr sehr verschiedenartig j gegenüber: Die einen mit unbegrenzter Honntingsselig- ן keit und zweiielsfrciem Enthusiasmus, andere mit kühler 1 Kritik und ruhigem Abwägen, einige mit retardierender j Skepsis. Und alle drei Gruppen gehören zu einer jungen ן Bewegung, sichern ihr im Parallelogramm der Kräfte j am ehesten den geraden Weg. Nimmermehr aber passt | Pessimismus in eine ideale Strömung, die der Befreiung t 5. Kislew 5663. V1I. Jahrgang. und Aufrichtigkeit dient, mancherlei Hoffen und Seimen eriftlien will. Jedenfalls kann man auch aus meinem Auisatz alles eher als Pessimismus herauslesen; es entspricht vielmehr einem durchaus ungebrochenen, ebenso kampfesirchen wie siegesgewissen Optimismus, wenn ich zum Schlüsse aus meinen Betrachtungen nun nicht die Berechtigung zur Mutlosigkeit und Untätigkeit folgere, sondern im Gegenteil darauf hinweise, dass der Erkenntnis ungewöhnlicher Schwierigkeiten ein besonderer Sporn zu deren Uebcrwindung innewoime, dass vermehrten Hemmnissen auch erhöhter Eifer entsprechen müsse und diesem eine besonders köstliche Frucht winket Die deutschen Juden, wenn sie auch langsamer als andre unsrer Idee zu gewinnen seien, würden dereinst unsere vorzüglichsten Kerntruppen bilden! Also unnötige Sorgen utn mich, verehrter Herr Auerbach! Weder bin ich Pessimist, noch viel weniger habe ich die trüben Nebel des Pessimismus um miefi verbreiten wollen. Leitende Absicht bei Niederschrei■ bung meines Artikels war die Klarstellung der einzelnen Momente, die Zusammenwirken bei der von ausserdeutschen Zionisten so oft mit vorwurfsvollem Kopfschütteln, von deutschen Genossen mit Unmut oder Verzweiflung konstatierten Erscheinung: Dass das deutsche Judentum, das in der ideellen Entwicklung der •Juden Jahrhunderte hindurch eine führende Rolle gehabt hat, gerade im Zuge des Zionismus so weit zurückblcibt. Zu dieser Analyse reizte mich ebenso sehr ein abstrakt psychologisches wie ein praktisch organisiertes Interesse. Gewiss massc iclt mir nicht an, in Fragen der Völker- Psychologie mehr als unmassgcblichc, ganz subjektive Meinungen zu produzieren. Ich lege auch keinen bcsonderen Wert darauf, dass ich für meine Parallele zwischen deutschem und jüdischem Volkseharakter nachträglich in Heine einen Eidcshclfcr fand, da dieser allzu sehr von flüchtigen Stimmungen und Sentiments beeinflusst war. Dagegen möchte ich Herrn A. auf die Nordau’schc Rede ״Der Zionismus und seine Gegner“ hinweisen, wie ich denn überhaupt bei Aufstellung jener Parallele wohl von Rcminisceiizen au diesen Vortrag unbewusst geleitet war. Gegenüber einem geistvollen Analytiker wie Nordau dürfte Herr A. doch nicht ״so rasch fertig mit dem Wort“ sein! Iclt habe nun gerade in den mancherlei Aehnlichkeiten des deutschen und

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