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Jüdische Rundschau · 1902-11-21 · Heft 47 (21.11.1902) · p. Seite 64

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
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Seile 64. «Jiidfetclie R11nd8c)1au. Ko. 47. Zwischen dem Verein und der Gesellschaft wurde . ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem sich der Verein ״auf 6 Jahre verflichtet, im Umfange seiner verfügbaren Mittel die Bodenkultur-Gesellschaft m. b. H. bis zur Höhe von 3000 Mk. jährlich zu subventionieren, wogegen sich die Gesellschaft verpflichtet, für je 750 Mk. der Subvention einen der von dem Verein ihr empföhlenen und von ihr für tauglich befundenen Eleven unentgeltlieh in Pension zu nehmen und auszubilden.“ Besondere Anerkennung fand die ausserordentlich verdienstvolle Tätigkeit des Herrn Rosenthal, der als Geschäftsführer im Ehrenamt seine ganze Kraft und Begeisterung in den Dienst der Sache gestellt hat. Ueber- Haupt wurde die umsichtige Leitung des Unternehmens hervorgehoben, die mit äusserster Vorsicht gchandhabt wird und so für eine ruhige und sichere Entwickelung die Gewähr bietet. ine ßljronik. Berlin. Dem Reichstage ist eine von über hundert im öiientlichen Schuldienste stehenden jüdischen Volksschullehrern Unterzeichnete Petition überreicht worden, der Reichstag wolle dafür eintreten, ..dass die jüdischen Lehrerseminare, die zur Abnahme der Volksschullehrerprüiung und zur Ausstellung des Betähigungszeugnisses zum Lehramt berechtigt sind, auch das Recht zur Ausstellung des Zeugnisses über den Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung zum einjährig-freiwilligen Miliiärdienst erhalten, dass ferner dieses Befähigungszeugnis ar.ch denienigen jüdischen Lehrern und Schulamtskandidaten zu teil werde, welche ihre Prüfung vor der Prüfungskommission eines staatlichen Seminars ablegeu. Sollte die Gewährung dieser Bitte wider Erwarten nicht angängig erscheinen, so wolle der Reichstag den Herrn Reichskanzler zu einer Anweisung veranlassen, die den jüdischen Schulamtskandidaten Mittel und Wege eröffnet, wie sie auch unter den obwaltenden Verhältnissen die Berechtigung zttrn einjährig-freiwilligen Militärdienst sich erwerben können.“ Posen. Rechtsanwalt Piaczek erzählt in der ״Posener Zeitung", dass zur Zeit wieder in der Stadt Posen zahlreiche Ausweisungen zu verzeichnen sind, ״welche sich gegen ganz unbescholtene junge Leute aus Oesterreich, England und Polen richten, nur allein, weil sie jüdischen Glaubens sind". Anfang vorigen Jahres sei es gelungen, einigen mit der Ausweisung bedrohten Familien die Genehmigung zum Aufenthalt in Posen auszuwirken. ״Jetzt wird aber wieder mit grösster Strenge gegen harmlose junge Leute mit Aus- Weisungen vorgegangen, obwohl sie sich nicht die geringste, sei es sittliche, sei cs politische Verfehlung haben zu Schulden kommen lassen. Ein junger Mann zuin Beispiel ist in seinem 10. Lebensjahre aus England zu Verwandten in der Provinz gekommen, hat die Volksschule bis zum 14. Lebensjahre besucht, ist dann in die Lehre getreten und in einem kaumüinnisehen Geschäft tätig gewesen, bis er sich zur Ableistung des Militärdienstes meldete. Erst bei dieser Gelegenheit wurde iestgestcllt, dass er Engländer sei. und deshalb seiner Wehr- Pflicht hier nicht genügen könne: er war dann weiter mehrere Jahre in Posen bei gutem Gehalt als Reisender tätig, bis er vor einigen Wochen die Aufforderung erhielt, Posen innerhalb drei Monaten zu verlassen. Vergeblich wurde darauf hingewiesen, dass der junge Mann, der sich tadellos geführt hat, doch fast sein ganzes Leben in Deutschland zugebracht hat; die Ausweisung wurde aufrecht erhalten." Fälle, in denen Kinder von 14 bis 15 Jahren, welche in kaufmännische Geschäften als Lehrlinge eingetreten waren, ausgewiesen wurden, weil sie jüdische Ausländer seien, können, meint der genannte Rechtsanwalt, mehrfach genannt werden. — Unter der Spitzmarke ״Mischehen" bringt das ״Jüdische Volksblatt" in Breslau fol- ״ende Mitteilungen: Vermählt: Zcitungsverl. Otto F c r n b a c 11 ev., Bunzlau nt. Rosa Borinski jüd., Haynau. —• Erna Ncumann, F'rciburgcrstr. 34 nt. Dr. Tsclteusc luter ev., Bern. -- Breslau. Am 11. November fand hier die Beerdigung des Schwiegervaters des Herrn Rabb. Dr. Maybaum-Berlin, (Vorsitzenden des Rabbiner-Verbandes) des Herrn Landsberg, statt. Ein anderer Schwiegersohn ist der bekannte cvangcl. Prof. Dr. Kurd Lasswitz in Gotha. Von den hiesigen Rabbinern war keiner auf dem Friedhöfe erschienen. — Frankfurt a. M. Folgendes bezeichnende Heiratsgesuch findet sich in der ״Frankf. Zeitung" Nr. 301: ״In welche freisinnige jüdische Familie, sehr vermögend, könnte ein Fürst Zutritt erhalten, behufs Ehe. Offerten unter M. N. 6228 beförd, Rudolf Mosse, München." -- Wien. Der Gymuasialsupplent Doktor Friedlich Hirsch schickte, nachdem er einen jüdischen Abiturienten zur Maturitätsprüfung vorbereitet und von den Eltern des Schülers sein Honorar nicht rechtzeitig erhalten hatte, an die Mutter eine Postkarte, auf der unter andern folgende Sätze geschrieben standen: ״Hat Ihr Mann eppes wegen der hohen Feiertage nix Zeit zu bezohlen? Gott, wie talentvoll 1 Ihrem Bübchen sollte man das Höschen hcruntcrlasscn und fünfundzwanzig gehen." Das ״Bübchen“, das derzeit bereits die Technische Hochschule besucht, verklagte den Lehrer wegen Ehrcnbclcidigung. Der Angeklagte wurde zu fünfzig Kronen Geldstrafe verurteilt. Der Herr Supplcnt Hirsch ist eben Jener noch nicht lange Zeit getaufte Jude, der im P r o g r a m m d e s G y m n a s i u m s in der Wasagasse ausdrücklich seine Mitarbeiterschaft an dem antisemitischen ״Volksblatt" hervorhob. — In Warschau fand die erste Zionistenvcrsammlung siatt. Sic war von mehr als 700 Zionisten besucht, darunter bezeichnender\\ eise auch Chassidim. Rechtsanwältc und Studenten waren die Hauptredner. Jn hebräischer Sprache gehaltene Reden entfesselten den besonderen Enthusiasmus der Menge. Die meisten Redner brandmarkten die schädlieben Folgen der Assimilationsbewcgung. die in keinem Lande so rjell in die Erscheinung treten, als in den Ländern des chemaligen Königreichs Polen. Es zeigt diese Versammlung, dass auch in Russisch-Polen, wo bisher vom Zionismus an! wenigsteil zu verspüren war, die Bewegung sich spontan Geltung verschafft. Aus Plack, Miala und andern Städten Polens erhalten wir regelmässig Beweise des lebendigen Fortschreitens der organisierten nationaljüdisclicn Partei. — Petersburg. Der ..Welt“ zufolge bat der Senat die folgende Entscheidung getroffen: ״Juden, welche das Handwerk von Strassenpilasterern, l »ammgrähern. Zimmerlcuten und Stukkateuren ausiiben, und von den Zürnten diesbezügliche Zeugnisse besitzen, dürfen sieh fürder ausserhalb des jüdischen Niederlassungsgcbictcs weder iiicdcrlassen noch zeitweilig auihalten.“ Damit ist wieder ein grosser Teil jüdischer Handwerker der Freizügigkeit beraubt und in das grosse Rciehsghetto eingesperrt. Der Beschluss der Provinzialverwaltung von Kiew, jüdische Handwerker genar.iitcr Kategorien aus Kiew ausztiweiscii, wurde vom Senate als dem Gesetz entsprechend gefunden. — Aus Orjechow wird mitgcteilt. dass der Inspektor der städtischen Schule keinen Juden, sei cs wer es wolle, zur Ablegung von Prüfungen für den Grad eines Volksschullehrers zulässt, während er andererseits jedem Niciitjuden ohne weiteres das Recht zur Ablegung solcher Prüfungen einräuuit. — In dem im Gouvernement Minsk gelegenen Städtchen Sasslawl wurde bei der diesjährigen Einberufung der Rekruten, wie wir ebenfalls der ..Welt“ entnehmen, die jüdische Bevölkerung von de.11 russisehen Rekruten überfallen, misshandelt, ausgenlündcrt und ihr Hab und Gut, so weit es nicht geraubt wurde, zerstört. Zwei Juden wurden schwer verletzt. Da cs sielt nur um Juden handelt, so kräht kein Hahn danach. — flatlonalfond. Siegfr. Nothmann. stud. lur. Breslau anstatt Telegramm וו1יי Hochzeit des Herrn Bruno Peckokowski mit FrL Schott 0,50 Mk. Vom Kaffee tisch in Sandhausen 1,SÜ Mk. Von Felix Jacobsohn unter dem Motto: ״Es wird weiter spekuliert" 6,50 Mk. Sammlung des Herrn S. Pariser 6,10 Mk. Beim musikalischen Abend bei Schön wald in Gleiwitz gesammelt 7,50 Mk. F.riedmann in Glciwitz 1,50 Mk. Dr. Kahn in München für den Erlös von Ansichtskarten 6,15 Mk. B. S c l i g m a n n in Ebcrbacli a. N. statt Telegramm zur Hochzeit von Dr. Fclsenthal in Mannheim mit Frl. Paula Reis 1 Mk. Referendar S. Groncuiaiin in Hannover ״aus Freude über Sud er mau ns Artikel Vermahnung der Theaterkritik“ 5 Mark. Riilffond. P h. Sachs, Charlottcnburg, Kantstr. 160, 3 Mark. Beric1)tigung. Verschiedene entstellende Druckfehler sind in voriger Nummer leider stehen geblieben. Das sonderbare Latein in der Korrespondenz aus Glelwltz hat in solchem Druckfehler seinen Grund. Auch das Thema, über das Dr. Theodor Zlocisti dort sprach, lautete nicht ״Moderne Störungen...“, sondern ״Moderne Strömungen im Judentum“. — *SSK«**

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