Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1902)
- Date
- 1902-11-21
- Page
- Seite 57 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Abonnementsprefs (Zusendung InbegrKen) Vierteljährlich t t. daroh die Expedition: а) In Berlin M. -.«X б) nach auswärts M 1,— C) für das Ausland M. IÄ* 11. im Po»«abonnom״nt M. 1^5 3. bol Snmrnolbozug daroh die Ortsgruppe M. —,6a PoiUoItungsllsto No. 3703. Inserato d:' viergespa'.tenc Petiizello 25 Pf. Inseratonboilagon 15 M f I f i f Organ der Zionistischen Vereinigung li^rsclieint jedeii F1*eita״. Adresse für Geldsenduögeu und Bestellungen! Peilag 3üdisd1e Rundschau, E. G. m. b. H. öerifn 622, flugusfslrasse Ilr. 49e. Sprechstunden: 4—5 Uhr nachmittag«. Redaktion: Dr. Hcfntlii üeewe, Berlin flf?. 40, tiehrterströsse 14/15. Sprechstunden: Montag und Donnerstag 4—6 Ute No. 47. Berlin. 21. November 1902. 21. Cheschwan 5663. vn. Jahrgang. Eine indische Hochschule. Der Jüdische Nationaifor.d wurde zuerst angeregt : durch einen Antrag unseres leider zu jung verstorbenen Gesinnungsgenossen und Vorkämpfers Prof. Dr. Hermann Schaplra. Seine mathematischen Kenntnisse wollte er dazu nutzen, einen Plan zu schaffen, wonach ein ׳ Fond entstände, der sich gewissennassen aus sich selbst; vermehren sollte bis zu der Höhe, welche ausreiche, den! Grund und Boden für alle Zeiten zum Gesamtbesitz der; jüdischen Nation zu machen. Derselbe Prof. Sehapirn. war es, der den Antrag stellte und seine Annahme vom , ersten Kongresse erreichte, den Schekel wieder einzu- י führen. Kr war es, der alle Mühe aufwandte, um das Zustandekommen seiner Pläne für den Zionismus und ' das •jüdische Volk durchzusetzcn, und den der plötzliche j Tod inmitten seiner zionistischen Arbeit ereilte, ein i Kämpfer auf dem Felde der Klirc, ein Soldat seiner Nation im Kampfe für Volk und Freiheit. Einen Lieblingsplan hatte Prof. Schapira, den er hegte und pflegte wie seinen Augapfel. Es war der Plan, eine jüdische Hochschule im Lande unserer Väter zu begründen. Der Mann, der mit eigenen Händen die feinsten Uhrwerke konstruierte und der Erfindungen auf dem Gebiete der Uhrmacherkunst gemacht hatte, die er ge- 1 heim hielt, und von denen er sich versprach, durch sic eine lohnende Uhrenindustrie bei den Jerusalemer Juden ins Leben rufen zu können; dieser selbe Mann wollte ein; Zentrum der jüdischen Nation durch Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem schaffen. Er liebte diesen Gedanken wie ein einziges Kind, und träumte Zukunft, wenn er daran dachte, einmal seinen Lehrstuhl an der Heidelberger Universität mit dem an einer jiidisehen Hochschule im jüdischen Lande vertauschen zu können. Es war der letzte Punkt des ersten Zionistenkciigrcsscs, der nicht weiter zur Verhandlung kommen : konnte, als nur durch die Stellung seines Antrages und! durch die kurze Begründung seitens des Antragstellers.; Es ist gewissermassen ein Werk der Pietät gegen . .unsern früh verstorbenen Schapira, wenn jetzt von andej; rer, jüngerer Seite der Plan wieder aufgenommen wird, den er leider nicht weiter verfolgen konnte. Es sind j drei in zionistischen Kreisen wohlbekannte Namen, die unter einem Aufruf in der Form einer eingehenden Broschüre״) stehen, und sich an die Zionisten und alle andern ihrem Volke treu gebliebenen Juden wenden, um den Gedanken Schapiras in wenig modifizierter Gestalt in die Wirklichkeit umzusetzen. Da ist zuerst Martin Bube r. der frühere Redakteur der ״Welt“, der seine ganze Kraft in den Dienst juiigjiidischer Kulturbestrebungen stellt, da ist der Dichter iierthold F e i w e I, der ebenfalls unser Zentralcrgan zeitweilig als Redakteur geleitet hat, der tieffiiche Uebcrsetzer Rosenfeidsclter Dichtung und end* lieh unser lieber Cb. W e i z m a n n. der jetzt Privatdezent in Genf ist. Alle drei Personen, die den Ernst ihrer Bestrebungen verbürgen, zugleich alle drei im Gegensätze zu uns Mitglieder und Führer der Demokratisch-zionistischen Fraktion. Die uns vorliegende Broschüre, die inf höchsten Masse den Anspruch erheben darf, dass jeder Zionist wenigstens sic gelesen haben sollte, entwickelt die Gründe und den Plan zur Gründung einer jüdischen Hochschule in einsichtiger und klarer Weise. Gleichwohl können wir nicht umhin, Ausstellungen dagegen zu erheben. Es ist wahr, dass die Gesetzgebung und Praxis der verschiedenen Länder darauf ausgeht, dem Juden die Quellen zur Bildung zu verlegen. In Russland und Ru-!minien ist es den wenigsten Juden möglich, sich eine Bildung anzucigncn, geschweige denn sich einem Studitim zu widmen, und was dieser Bildung dennoch sich bestrebt, muss ausser Landes gehen, wo ebenfalls die Zulassung von ausländischen Juden immer mehr cingeschränkt wird. Der osteuropäische Jude findet tatsächlich mir noch an wenigen Punkten Einlass und Aufnahme in europäische Hochschulen. Andererseits hat er das Bedürfnis zu studieren, und es ist eine Notwendigkeit für die Krafterhaltung: unserer Nation, dass ihre begabten Elemente ihre Begabung für ihr Volk nutzbar machen können. Auf die Dauer würde das Jüdische Volk es nicht ertragen können, wenn man seinen intelligenten Söhnen die Wege zur höheren Bildung ahschnittc und ihnen höchstens gestattete, sich die gefährliche Halbbildung anzueignen. Und doch müssen wir, wenn wir ehrlich sein Wir empfehlen diese Broschüre unsern I.csern aufs Angelegentlichste.