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Jüdische Rundschau · 1902-11-14 · Heft 46 (14.11.1902) · p. Seite 49

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
Seite 49 (sequence 1)
Language
German
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In einem bemerkenswerten Artikel4') der ,,Rivista critica di Cliniea Medica“ macht Dr. Ludwig S i 1 v a g n i Mitteilungen über Unterschiede in der Empfänglichkeit für Krankheiten zwischen Juden und Nichtjuden. Es dürfte unsere Leser interessieren, einige3 aus diesem Artikel, soweit dies für niclilärztliehe Mitglieder geeignet erscheint zu erfahren. Von Interesse erscheint zunächst die Tatsache, dass die Juden überall eine längere Lebensdauer als die übrige Bevölkerung haben. So ist z. B. in Budapest die mittlere Lebensdauer bei den Christen 2G, bei den Juden 37 Jahre; für London sind die entsprechenden Zahlen 3G und 49. Aehnlicho Verhältnisse gelten überall, für Preussen, Holland, Nord-Amerika, selbst für Rumänien, trotz des. Elends, in dem dio Juden daselbst leben. Aach gogenüber Mohamedanern, 80 in Algier, ist dio Sterblichkeit bei den Juden geringer als bei der Bevölkerung von anderem Stamme. Für sein eigenes'Vaterland konnte Silvagni einen derartigen Unterschied * nicht nachweisen; in Italien wird nämlich in den Sterbelisten kein Vermerk über die Religion des *Verblichenen aufgenommen, nur für die Stadt Rom liegen aus der Zeit bis zum Jahre 1870 Angaben vor, die ebenfalls dio längere Lebensdauer der Juden gegenüber den Christen bestätigen. Die niedrige Sterblichkeitszifier der Juden erklärt sich zunächst darau9, .dass bei ihnen die Kinder- Sterblichkeit s*br gering ist. Silvagni führt hierlür Zahlen aus London und aus Amsterdam an. In London starben 14 % der im Alter von 1 bis 5 Jahre stehenden christlichen Kinder, dagegen nnr 10 0fo bei den Juden; in Amsterdam 111/2 % der christlichen, 9 % der jüdischen Kinder. Auf der anderen Seite aber ist die längere Lebensdauer der Juden eine Folge des Umstandes, dass sie den schweren Infektiönskrankheiten, welche die Bevölkerung dezimieren, wenig unterworfen sind. Gerade *) La patologla comparata aegli Ebr«I (Rom August 1901). für die gefährlichsten und verbreitetsten Infektionskrankheiten, wie Tuberkulose, Lungenentzündung, Typhus, Wechselfieber u. 8. w. sind sie weniger empfänglich als die Christen. Diese Beobachtung wurde schon in früheren Zeiten gemacht. So wird bekanntlich berichtet, dass die Pest im Jahre 1340 die Juden nicht befiel; der Unterschied gegenüber der christlichen Bevölkerung war so auffällig, dass daraus die Anklage entsprang, die Juden verbreiteten im Aufträge des Teufels die Pest, eine Behauptung, infolge deren Hundeite und Tausende von Juden ihrer Habe beraubt oder getötet wurden. Aus verschiedenen Typhus- und Ruhr-Epidomieu wird berichtet, dass die Juden von der Krankheit verschont blioben. Bei den Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts in Budapest, London, Algier, u. 8. w. war der Prozentsatz der erkrankten Juden erheblich geringer als der der Christen. Für die Tuberkulose liegen aus Nordamerika, aus Tunis u. 8. w. Angaben vor, wonach auch diese Krankheit unter den Juden viel weniger Opfer fordert, als unter der übrigen Bevölkerung. Als Grund dieser auffälligen Widerstandsfähigkeit der Juden gegenüber schweren und tödlichen Erkrankungen führt Silvagni ihre Enthaltsamkeit gegenüber dem Alkohol und die geringere Verbreitung der Syphilis unter ihnen an. Die Massigkeit der Juden im Genüsse geistiger Getränk© ist bekannt . . . . Silvagni giebt dafür genauere, zahlenmässige Belege aus New-York, woselbst dio Trunksucht unter den Juden bei weitem weniger Opfer fordert, als unter den Irländern, Deutschen a.. a. ein anderes *) So gern wir zugeben, dass der Alkohol ein Gift ist, dessen verderblichen Folgen der Jude durch seine bekannte Massigkeit in weit geringerem Masse als der Nichtjude unterliegt, so sollte man niemals vergessen, darauf hlnzuwcisen, dass dafür das Nikotin eine Ähnlich verhereende Wirkung bei den Juden ausübt, wie der Alkohol bei den Niohtjuden. Gerade bei der grossen Neigung des jüdischen Stammes zu Nervenschwäche Ist es doppelt wichtig, dass man dem übermässigen T&bakgenussc bei Juden um so entschiedener entgegen tritt. Es wäre wichtiger, Vereine gegen den Tabakgenuss zu gründen als Heilanstalten für jüdische Nervenleidende, womit übrigens nicht die Notwendigkeit auch gerade solcher Anstalten in Abrede gestellt werden 80U. (Die Redaktion).

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