Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1902-10-22 · Heft 43 (22.10.1902) · p. Seite 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 43 (22.10.1902)
Date
1902-10-22
Page
Seite 25 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2651274-2651279--00034-2656800
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

n WÜV Abonnementsprefs (Zusendung inbegriffen) Vierteljährlich! 1. durch die Expedition: a) in Bcriin M. —,90. , b) nach auswärts M 1,~ c) für das Ausland M. 1.50. 2• Im Postabonnemont M. 1,25 8. bei Sammelbezug duroh die Ortsgruppe M. —,60. Postzoitungsllsto No, 3703, Innornto die vicrgespaUenc Petitzcile 25 Pf. Inseratonbellagen 15 M. O Organ O §@fi&tscSs!sn&• Erselieint jeden Freitag. Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Perlag 5üdisd1e Rundschau, E. O. m. b. H. Berlin Z 22, Bugustsfrasse llr. 49 a. Sprfdjstundcn: v. 4—5 L'hr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich üeewe, Berlin I1W. 40, behdcrslrasse 14 15. Sprechstunden: .Montag und Donnerstag 4-6 Uhr. No. 43. Berlin. 22. Oktober 1902. 21. Tischri 5863. vn. Jahrgang. Der ״Kleine Kongress?^"™ Am 29. Oktober tritt in Wien der ״Kleine Kongress“ zusammen. Die Mitglieder des weiteren Aktionskomitees, die Vorsitzenden der ständigen Kongresskommissioii, die Leiter der Bank und einige andere Funktionäre werden sich vereinigen, um den Bericht des Aktionskomitees und der Bankleitung entgegenzunehmen, über den Stand der Bewegung in den einzelnen Ländern zu reierieren, neue Anregungen zu erteilen wie zu empfangen. Der ״Kleine Kongress“ verdankt seine Entstehung den Erwägungen deutscher Gesinnungsgenossen, der Herren Dr. Bodcnhcimer und Gustav G. Cohn, die schon in London mit Lcbhaftigeit den Gedanken vertraten, den allgemeinen Zionistenkongress nur jedes 2. Jahr einzuberufen und in der Zwischenzeit eine Vertretung gleich der jetzt einberufenen zu schaffen. Sie waren mit Recht der Ansicht, dass die Bewegung nach Überwindung der ersten Schwierigkeiten besser fahre, wenn man Geld und Kräfte der Einzelnen für die heimische Agitation aufspare und dass man den Kongress vor der Gefahr schützen müsse, , eine alltägliche Erscheinung zu werden und so an Anj sehen zu verlieren. Die jüdische Nationalversammlung muss grosse Aufgaben beraten und von grossen Gesichtspunkten geleitet werden. Darum ist es zweckmässig, nur dann an die Öffentlichkeit zu treten, wenn Arbeiten von wirklicher Bedeutung der Erledigung harren. So hat man denn die neue Institution geschahen, nun wird •sie sich zum ersten Male bewähren müssen. Einen wichtigen Punkt der Beratungen wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Kritik des ablehnenden Verhaltens Dr. Herzls gegenüber den letzten türkischen Anerbietungen bilden. Für uns Zionisten besteht heute kein Zweitel, dass die konstantinopeler Reise kein Misserfolg war, dass im Gegenteil unsere Wünsche ihrer Verwirklichung sehr nahe gekommen sind. Indessen, die ״Welt“ ist in ihrer bezüglichen Veröffentlichung nicht glücklich gewesen und wir haben zahlreiche Miss- Verständnisse zu beseitigen. Gewiss kann ein Diplomat nicht die Offenheit der Sprache besitzen wie ein gewöhnlicher Zeitungsschreiber. Aber man braucht auch nicht durch eine übertrieben nüchterne Sachdarstellung die eigenen Anhänger zu entmutigen. In den ersten Wochen• nach dem Erscheinen des offiziellen Coinmuniques ist tatsächlich eine Beunruhigung durch die zionistischen Reihen gegangen. Wir wünschten deshalb, dass der Bericht des Aktionskomitees in dieser Richtung so oiien und deutlich wird, wie die notwendigen Rücksichten es zulassen. Eine erfreuliche Tatsache ist aber bei dieser Gelegenheit von neuem zutage getreten; das ist das rückhaltslose Vertrauen, das Herzl heute von allen Seiten gleicherweise entgegengebracht wird. Auch die, welche einen Misserfolg in Konstahtinopel annahmen, haben lediglich den Verhältnissen die Schuld gegeben. Die sachliche Kritik lebt und wir würden bedauern, wenn sie jemals eingestellt würde. Die persönliche Gegnerschaft aber ist tot. erstorben, weil heute die Lauterkeit der Motive und die grossen Führereigenschaften Herzls keinem Zwei- ־ fei mehr begegnen. Heine sagt einmal, bei der Bekannt- Schaft mit grossen Männern gehe es wie mit dein Besuch j des Strassburger Doms: Man sicht ihn schon aus der Ferne aufragen, in der Nähe scheint er ztisamnicnzu-! schwinden, weil ihn rings Häuser umgeben und erst unmittelbar vor dem Portale gewahrt man, wie iinposam er wirklich ist. Es hat früher unter uns Zwerge gegeben, die sich vergeblich mühten, ihre winzigen Leiber über die Häuser zu recken und deshalb meinten, das Münster sei nur eine Mythe — diese Zeiten sind vorüber und wir freuen uns dessen. Nicht weil wir einen verdienten Mann überflüssig loben wollen, sondern, weil seine Person unserer jungen Bewegung die notwendige Stabilität verleiht, weil er der feste Po! ist, den der Kampf der Meinungcr! nicht erschüttert, über den Parteien zu stehen und das Gleichgewicht zu wahren. Aber auch mit uns selber dürfen wir zufrieden sein. Es ist aller Orten mit Hingebung gearbeitet worden und die Landeskonferenzen haben gezeigt, dass die Idee mit Windeseile die Länder erobert. Wir deutschen Zionisten, die wir den Anfang miterlebt haben, empfinden heute ein Gefühl der Freude und Dankbarkeit gegen die Schicksalsfügung. Vor 10 Jahren waren wir Rufer in der Wüste: Nun leben und gedeihen rings umher kräftige Organisa« tionen, folgt eine begeisterte Jugend der blatiweisscn Fahne, rüstet sich eine wiedererwachende Nation zum Kampf, unrein Land, das den Wehrlosen und Verfolgten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.