Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Hugo Blum in Halberstadt. Dr.. med. Batnfcerger. Hermann Gabriel in Berlin. Dr. 1.. Goldberg in Frankfurt a. Main. Rechtsanxv. Dr. A. Hantkc in Berlin. Familie II. Kikoler in Berlin. Dr. Alfred Klee in Berlin. Rechtsanwalt Albert Lcvy j in Hagenau. Siegfried Lcvy, Einjahrig-Freiwilliger in Hannover. Dr. Hein- J rieh Locwc und Familie in Berlin. Familie Majcrowi'.sch in Berlin. Apotheker 1 .Mamlock in Strassburg i. E. I'arLcr in Berlin. S. I’reczcp und Familie in Leipzig. Familc Tauber in Berlin. Ignaz Tiinar in Berlin. D. Wolffsohn und Frau in Cöln. fioscI)^a$clj*scl)anat). Es giebt verschiedene Zeitrechnungen, und wir haben kein Recht, zu sagen, dass wir die allein richtige Zeitrechnung haben.; Warum sollen wir gerade besser wissen, wo man mit der Rechnung beginnen soll, und warum sollen wir gerade allein am besten wissen, was die Glocke der Geschichte geschlagen hat? Aber wenigstens das eine können wir getrost für uns in Anspruch nehmen, dass wir auch keine schlechtere Rechnung von der Zeit haben als andere. Es giebt eben verschiedene Arten von Jahresanfängen. Auch die Art, die Jahresanfänge zu feiern, ist so verschieden, wie die Berechnung der Jahre und Jahresanfänge. Der eine feiert mit Branntwein und lautem Jubel, was den andern zur Andacht stimmt, und was ein dritter in stillem Gebet und ernster Beschaulichkeit begeht. So verschieden, wie die Menschen, sind die Neujahrsfeiern, und so verschieden wie die Nationen, die Neujahrsrechnungen. Für uns Juden ist der Tag des beginnenden neuen Jahres ein Tag, an dem sich die jüdische Gesamtheit in ihren Gemeindehäusern vereinigt, um in der überlieferten Form ernst und streng einen Jom haz-zikaron, einen Tag der Erinnerung zu begehen. Wenn aber alle Feste und Gebete, alle Freuden- und Trauertagc des jüdischen Volkes nicht dem einzelnen Individuum gelten, sondern das ganze Israel als eine untrennbare Einheit auffassen, so ist auch das betende ״Ich“ und ״Wir“ gerade an unserm Neujahrsfeste kein anderes als das ganze Jüdische Volk. Nicht der einzelne betet, dass er in das Buch des Lebens ein- Oktober 1©0S. VH. Jahrgang. geschrieben werde, sondern der ganze Stamm Jakobs. Nicht der Einzelne bittet um Vergebung seiner Sünden, sondern die ganze Nation. Scheinbar das individuellste Pest ist Rosch-hasch-schanah in Wahrheit ein Tag, an dem das jüdische Volk mehr als an einem andern Tage sich als eine grosse Nation von Brüdern fühlt, in der der einzelne in der Gesamtheit auigeht. Darin liegt ein Teil der nationalen Bedeutung dieses in religiösen Formen ausgestalteten Festes. Unser Rosch-hasch-schanah ist ein Tag des Gedenkens. Er wendet sich an das jüdische Gedächtnis. Aber nicht an das Gedächtnis des einzelnen Juden allein, und das sogar am allerwenigsten. Denn wenn wir auch unserer persönlichen Leiden und Freuden trauernd an solchem Tage gedenken und ihrer gewiss nicht vergessen sollen, so ist doch die Feier in den Häusern unserer Gemeinden dem Gedächtnis dessen geweiht, was unser Volk in seiner Gesamtheit interessiert. Das ist ja eben die besondere jüdische Zeitrechnung, dass wir unserer jüdischen Vergangenheit gedenken. Ob wir das Jahr 5663 oder irgend wie anders nennen, ist eine Frage der Benennung und nebensächlich. Das Wesentlichste ist, dass wir an dieser Zeitrechnung einen Masstab haben für die jüdische Vergangenheit. In dem ״Zikarön” in dem Gedenken liegt das wesentlich Jüdische. Wir gedenken nicht nur, was unser Volk im vergangenen Jahre erlebt und erlitten hat, wir erinnern uns auch, dass das vergangene Jahr mit allem Guten und Bösen, das es uns bot, nur ein kleines Glied in der Kette unseres historischen Lebens ist, dass dieses Glied aber in nichts Wesentlichem von der langen Reihe von Jahren abweicht, die die Kette der jüdischen Geschichte ausmacht. Am Tage des Gedenkens sehen wir auf die jüdische Geschichte zurück und erhalten den Eindruck, dass sich die letzten achtzehn Jahrhunderte für unser Volk in stetiger Entwicklung doch immer gleich geblieben sind. Wie wir in vergangenen Jahren sahen, dass man unsere Brüder in Rumänien von Haus und Hoi treibt, so haben wir das schon seit zweitausend Jahren in allen Ländern der bewohnten ״Kulturwelt“ gesehen. Und in aller Zeit hat man zu gleicher Zeit die Liebe im Munde lind das Schwert in Händen geführt und hat Erbarmen gepredigt und Feuer gesät. In allen diesen Jahren konnte die Judcnheit am Beginn ihres neuen Jahres die Rechnung des alten dahin abschliessen, dass es einer kleinen, im Verhältnis zum Volksganzen unendlich geringen Zahl