Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 6 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 96 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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der jüdischen Studierenden an allen bayerischen Hochschulgattungen den tiefsten Stand erreicht haben. Im Sommersemester 1930 betrug ihre Anzahl an der Münchener Universität nicht mehr als 37,6 % der im Maximalsemester des Sommers 1921 gezählten jüdischen Studierenden. Gleicherweise betrug die Zahl der jüdischen Studierenden an der Universität Würzburg im Sommer 1930 nur noch 37,8 % gegenüber 1921, in Erlangen 48,0 %. Läßt sich in Preußen eine Zunahme der jüdischen Studierenden im Vergleich mit der Vorkriegszeit feststellen, so ist in Bayern im Sommer 1930 eine Senkung um 55,0 Prozent durchschnittlich gegenüber 1913/14 erkennbar. Nur Würzburg zeigt für beide Zeitgrenzen den gleichen Stand. Sämtl. Hochschulen Universitäten Insges. Juden proz. lnsges. Juden proz. 1919/20 ..... 16045 964 6,1 10 506 807 7,7 1920/21 ..... 19 280 1257 6,5 13 519 1 111 8,2 1921/22 ..... 21480 1 163 5,4 14106 998 7,1 1922/23 ..... 21038 935 4,4 14374 785 5,5 1923/24 ..... 19 409 609 5.1 12 017 501 4,2 S. 1930 ..... 18 832 470 2,4 13 522 426 3,2 1930/31 ..... 19 233 458 2,4 13 810 419 3,0 Diese Rückbildung der jüdischen Studentenschaft in Bayern ist die Folge verschiedener Ursachen. Zum Teil wurde sie durch den Antisemitismus ausgelöst, der besonders in der Zeit um 1921/22 aggressive Formen an den bayerischen Hochschulen annahm. Eine wesentliche Rolle spielte ferner der Abfluß der inländischen jüdischen Studierenden nichtbayerischer Staatsangehörigkeit. Wenn auch dieses Moment teilweise im ersten bereits involviert ist, so wurzelt es doch im wesentlichen in Ursachen wirtschaftlicher Art. Es kann aber nicht geleugnet werden, daß der Ruf und die Anziehungskraft der bayerischen Universitäten in der letzten Zeit, einerlei aus welchen Gründen, eingebüßt haben. Diese Annahme findet eine Bestätigung durch die Vergleichung der Frequenzzahlen der bayerischen und preußischen Universitäten. Diese betrugen: 1914 1930 Zuwachs in Preußen ....... 52869 57130 73,8% in Bayern........ 9 904 13 522 36,5 % Die Technische Hochschule in München, die vor dem Kriege zahlreiche Ausländer und auswärtige Inländer unter ihren Zöglingen zählte, wies 1930 nur 3721 Hörer gegenüber rund 2 400 im Jahre 1914 auf, was eine Zunahme von 55 % bedeutet, während die Berliner Technische Hochschule in der selben Zeit einen Frequenzanstieg um 110,8% erfahren hat (4 739 gegen 2 248). Vor dem Weltkriege war die Hörerschaft der bayerischen Hochschulen (1018 Personen im Jahre 1915/14) fast zur Hälfte aus Norddeutschen und Ausländern zusammengesetzt. Die Münchener Universität zählte 1914 allein 288 jüdische Studierende aus Rußland. Im Sommer 1950 beziffert sich die Gesamtzahl aller ausländischen jüdischen Studenten auf 157. Die Münchener Technische Hochschule wies im Jahre 1914 allein aus Rußland 78 jüdische Studenten auf, während im Sommersemester 1930 alle ausländische jüdische Studenten zusammen nur noch 12 ausgemacht haben. Läßt sich die Entwicklung der jüdischen Studentenschaft in Preußen und Bayern aus den allgemeinen Verhältnissen und gesetzlichen Bestimmungen erklären, so werden wir bei der Betrachtung der jüdischen Studentenschaft 96