Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-06-01 · Heft 6 (Juni 1931) · p. Seite 94

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 6 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 94 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2650397-2650424-2650429--5853-2651264
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Längenkurveii zuungunsten der Juden. Bei den höheren Schulen ist genau das Gegenteil der Fall: Kongruenz der Längen, aber starke Divergenz der Gewichts werte zuungunsten der Nicht juden. Betrachten wir genauer den Verlauf der Längenkurve bei den jüdischen Volksschulkindern, so bemerkt man eine Knickung nach abwärts in der Alterslage 10—12 Jahre. Es liegt die Mutmaßung nahe, daß in diesem Alter ein wesentlicher Teil der wohlhabenderen jüdischen Kinder die Volksschule verläßt und in die höheren Schulen abfließt, weshalb der Durchschnittswert der Länge eine Verschlechterung erleidet. (Die Angaben für das Alter von 15 Jahren sind nicht brauchbar, da die Anzahl der Volksschulkinder dieses Alters nur sehr klein sein konnte). Wir brauchten aber auf keine Mutmaßungen angewiesen zu sein, wenn wir über eine Verteilung der Schüler auf soziale und wirtschaftliche Klassen verfügten. Das Fehlen dieser Rubrifizierung verringert äußerst beträchtlich den Wert dieser amtlichen Statistik.* Das Hochschulstudium bei den Juden in Preußen und Bayern Von Dr. Karl Rainer, Berlin In der vorigen Nummer konnte gezeigt werden, wie die ungewöhnliche Lichtung der jüdischen Studentenschaft der thüringischen Hochschulen sich als direkte Folge der rechtsgerichteten Politik des Bildungsministeriums dieses Staates ergeben hat. In den anderen Ländern läßt sich kein so eindeutiger Zusammenhang zwischen Wirkung und Folge erfassen. Die mannigfaltigen Momente, die die Stärke der jüdischen Studentenschaft in den letzten Jahren beeinflußt haben, lassen sich nicht restlos erschließen. Bei genauer Betrachtung der statistischen Angaben über die jüdischen Studierenden an den preußischen und bayerischen Hochschulen kommen bald zwei entgegengesetzte Richtungen zum Vorschein. In Preußen zeigt sich eine ausgesprochene Aufwärts bewegung, die in den ersten Jahren nach der Inflation nur langsam fortschreitet, in den späteren Jahren aber ein beschleunigtes Tempo gewonnen hat. Im Wintersemester 1924/25, als die Bearbeitung des statistischen Materials nach Konfession erstmalig nach dem Kriege wieder eingeführt wurde, zählen die preußischen Universitäten 1901 jüdische Studenten; im Wintersemester 1926/27 nahm ihre Zahl auf 2019 zu und schnellte 1950/51 auf 5004 empor. Auf diese Weise betrug die Zunahme für den Zeitraum 1924—26 6,2 Prozent, während sie für die Zeitspanne von 1926 bis 1950 eine Höhe von 48,8 % erreicht hat. Dieser starke Nachwuchs wurde überwiegend von den Reichsinländern zugestellt. Nach der Auszählung, die das Preußische Ministerium für Kunst und Volksbildung besorgen ließ, belief sich die Zahl der ausländischen jüdischen Studierenden der preußischen Universitäten im Jahre 1925 auf 467 Personen und nahm im Wintersemester 1926/27 bis auf 446 Personen, d. h. um 4,5 % ab, um später, im Wintersemester 1950/51 rasch auf 629, d. h. um 41,0 % gegen 1926/27 anzusteigen. Am absoluten Gesamtzuwachs der jüdischen Studierenden an den preußischen Universitäten im Jahrfünft 1926—50 partizipieren die Ausländer nur mit 18,6 Prozent. Dabei ist es von Wichtigkeit zu bemerken, daß Die Angaben beireffend die Mädchen unterscheiden sich in dem gegenseitigen Verhalten der Gruppen kaum wesentlich von den Knnbenwerten und werden hier nicht besonders erörtert. 94

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.