Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 4-5 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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der erzielte Geburtenüberschuß auch bei den Juden gering. Die in der Zeit von 1784 bis 1801 erfolgten 1080 jüdischen Geburten überwogen die 1036 Todesfälle nicht allzusehr. Der Zuwachs betrug also nur 44 Seelen. Die Ursache hierfür liegt in der gewaltigen Seuchensterblichkeit, die gerade in den größeren Städten immer wieder ungeheuere Opfer forderte. Dementsprechend ist die Höhe der Sterblichkeit eine recht labile, sie schwankt zwischen 38 und 85 und überschreitet in der Berichtszeit dreimal die Zahl von 80. (Erst viel später nach den hier in Frage kommenden Zeiten, etwa von der Mitte des XIX. Jahrhunderts an bekommt die Sterblichkeit eine gleichmäßige, konstante Entwicklung). Die Schwankungen der Geburtenzahlen sind demgegenüber geringer. Sie umfassen Zahlen zwischen 54 und 86 und gehen sichtlich langsam in die Höhe. Der Anstieg der Geburtenziffer mag von einer Vergrößerung der jüdischen Einwohnerschaft Breslaus herrühren. Daß sich bei den Jahren mit starker jüdischer Ubersterblichkeit um Seuchenjahre handelt, dafür spricht die Ubereinstimmung der hohen Uebersterblichkeit auch bei den Katholiken. Aber während in den gezählten in Frage stehenden 16 Jahren bei den Juden in 6 Jahren die Sterblichkeit überhaupt überwiegt, ist es bei den Katholiken in 14 Jahren der Fall. Die Gesundheitsverhältnisse bei den Katholiken waren also allgemein so ungünstig, daß sie auch in gewöhnlichen Jahren keinen Geburtenüberschuß zuließen. Die Seuchenjahre verdoppelten die Zahlen der katholischen Gestorbenen, das Jahr 1795 bringt sogar dreimal so viel Tote mit sich wie das Jahr 1785. Wenn wir die katholische Sterblichkeit vom Jahre 1785 günstigenfalls mit etwa 25°/oo veranschlagen, so bekämen wir für das Jahr 1795 eine soiche von ca. 75°/oo. Leider besitzen wir keinerlei absolute Bevölkerungsziffer der katholischen Bevölkerung, um diese Sterblichkeitsquote exakt geben zu können. Die Anzahl der jüdischen Bevölkerung Breslaus steht für die ganze Zeit nicht fest. Unter dem schlesischen Provinzialminister Graf Hoym erließ Friedrich Wilhelm II (1786—1797) eine judenfreundlichere Verfassung, die 24 vollprivilegierte und 160 halbprivilegierte Familien für Breslau vorsah. Danach wären ca. 200 Familien der Aufenthalt und Heirat gestattet gewesen. Nach einer bei Silbergleit (Die Bevölkerungs- und Berufs Verhältnisse der Juden im Deutschen Reich, 1930) zitierten Statistik von Rönne und Simon gab es im Jahre 1791 in Breslau insgesamt 2484 Juden (1167 männlich und 1317 weiblich). Inwieweit die Fruchtbarkeit der Juden durch die Heiratsbeschränkungen gehemmt wurde, läßt sich nicht feststellen. Die Durchschnittsfruchtbarkeit würde, auf 2484 jüdische Seelen berechnet, einer Fertilität von ungefähr 27%» im Jahre entsprechen und die Sterblichkeit käme ungefähr auf 28°/oo, woraus ein jährlicher Zuwachs von 1 pro Mille resultiert. Diese Verhältnisziffern dürften auch einer Kritik Stand halten, dagegen ist wahrscheinlich die für die damalige Zeit niedrige Geburtenquote, bedingt durch die vorher schon berührten äußeren Einflüsse und ist nicht der objektive Ausdruck des Fortpflanzungswillens der Breslauer Juden jener Zeit. Auffallend groß ist auch das Uberwiegen der weiblichen jüdischen Bevölkerung Breslaus. (113 Frauen auf 100 Männer). Silbergleit beziffert den damaligen Anteil der Juden an der ganzen Einwohnerschaft auf etwa 4 %. In ganz Schlesien wurden im Jahre 1791 9066 Juden gezählt. 1816 — also genau 25 Jahre später — ergab eine neue Statistik 75