Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 4-5 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 61 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Maße zu. Gegenwärtig dürfte man den Anteil des Beamtentums auf rund ein Viertel der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung des Landes bemessen. Während für die nichtjüdische Bevölkerung sich durch diese Entwicklung der Verhältnisse" neue Erwerbsquellen erschlossen haben, verkümmerten und versiegten die alten Verdienstquellen der jüdischen Einwohnerschaft je weiter» je mehr. In erster Linie war es die Folge davon, daß der Handel und die Industrie, in welchen die Juden früher eine hervorragende Rolle spielter, ihre Absatzmärkte, insbesondere in Rußland zu einem großen Teil eingebüßt haben, ohne einen halbwegs gleichwertigen Ersatz finden zu können. Die Wirkung dieses historischen Faktums wurde und wird verstärkt durch die übertriebene, von einseitigen nationalistischen Motiven getragene etatistische Wirtschaftspolitik der Regierung, die den Betätigungskreis dts Privathandels und der Privatindustrie immermehr abdrosselt. Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass die Frage nach der Einreihung in den Regierungsapparat heutzutage für das polnische Judentum keine bloß prinzipielle staatsrechtliche Frage mehr ist, sondern ein aktuelles Problem von eminenter wirtschaftlicher Bedeutung. Es ist kein Zweifel, daß das polnische Judentum heutzutage ein ausreichendes Maß geeigneter Arbeitskräfte für den Staats- und Kommunaldienst besitzt. Denn nicht nur im galizischen Judentum, daß vor der Entstehung des polnischen Staates eine ansehnliche Zahl höherer und mittlerer Beamten für die Verwaltung dieses Landesteiles zustellte, sondern auch in der jüdischen Bevölkerung der ehemals russischen Gebiete finden sich zahlreiche Intellektuelle, die über die nötigen Qualitäten zur Bekleidung von Beamtenposten verfügen. Theoretisch betrachtet hätte die jüdische Bevölkerung ein Anrecht auf einen höheren Anteil am Beamtentum als es ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung des Landes entspricht. Denn nicht dieser, sondern der Prozentsalz der Juden im Verhältnis zur städtischen Bevölkerung ist, da die Juden fast ausschließlich Städter sind, für die Beurteilung dieser Frage maßgebend. In Wirklichkeit ist indes die Beteiligung der Juden am Beamtentum sehr weit sogar von ihrer landesdurchschnittlichen Quote entfernt, die sich nach der Zählung 1921 auf 10,8 % beläuft (in Kongreß-Polen auf 14,3%, in Galizien 9,9%, in den Kressen 10,2%), während sie in den Städten 51,2 % ausmachen (in Kongreß-Polen 37,2 %, in Galizien 34,2 %, in den Kressen 50,2 %). Uber die konfessionelle Zusammensetzung der staatlichen Zivilbeamten in Polen gibt es eine bisher unbeachtete amtliche Statistik als Ergebnis der Sonderaufnahme im Jahre 1925. Insgesamt wurden in die Listen 432 283 Per-> sonen eingetragen, von welchen 249 025 auf das Personal der staatlichen Betriebe und Unternehmen und 183 260 auf die staatliche Verwaltung im eigentlichen Sinne entfallen. Die Veröffentlichung des polnischen Statistischen Hauptamtes gibt die konfessionelle Zusammensetzung dieser letzten Kategorie, mit Ausnahme von 9 759 Beamten der Eisenbahnverwaltung, bekannt.* Die jüdische Beamtenschaft müßte dabei fast restlos erfaßt sein. In der nachstehenden Tabelle bringen wir den konfessionellen Aufbau von 173 713 Beamten und vergleichshalber die Anteilsquoten der entsprechenden konfessionellen Gruppen an der gesamten und an der städtischen Bevölkerung des Landes. * Fonciionnaires de l'Etal du service civil — Statistique de ta Pologne, publice par l'Officc Central de Stalislique de la Rcpublique Polonaise. VI Volume. Varsovie. 61