Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 4-5 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 55 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Drittel der deutschen Juden, welche durch Betätigung in Landwirtschah, Gärtnerei und Tierzucht ihren Lebensunterhalt finden, ist selbständig. Diese verhältnismäßig große Zahl wird aber nur dadurch ermöglicht, daß nahezu 50 % aller Erwerbstätigen mithelfende Familienangehörige sind. Arbeiter sind knapp 18 % und Angestellte nur 7 %. Da der Erwerl: und die Bewirtschaftung von Grund und Boden höhere Ansprüche an Kapitalkraft stellt und ein stärkeres Verwurzeltsein mit dem Heimatlande voraussetzt, ist die Gesamtzahl der Ausländer in dieser Wirtschaftsabteilung recht niedrig. Nahezu 60 % sind als Arbeiter beschäftigt. Es wäre wichtig gewesen zu erfahren, in welchen Betrieben die 200 ausländischen Arbeiter tätig sind. Leider gibt hierauf die Statistik keine Auskunft. Geht man in dieser Wirtschaftsabteilung der Erwerbstätigkeit der einzelnen sozialen Schichten nach, so sind in der a-Gruppe In- und Ausländer gleichmäßig stark erwerbstätig, d. h. die Selbständigen haben für eine verhältnismäßig gleich hohe Zahl von Ehefrauen ohne Haupterwerb und sonstigen Angehörigen gleicher Art zu sorgen (57 und 58). Bei den Angestellten liegen die Dinge so, daß die Belastung der Inländer nicht unerheblich geringer ist als der Ausländer (86 und 78). Umgekehrt verhält es sich bei den Arbeitern (81 und 84). Hier greifen bei den Ausländern die Frauen etwas stärker iu das Wirtschaf tsltben ein. Da die absoluten Zahlen gering sind, lassen sich für diese Wirtschaftsabteilung Schlußfolgerungen nur mit großer Vorsicht ziehen. Insbesondere ist es die große Zahl der mithelfenden Familienangehörigen, welche das Gesamtbild wesentlich beeinflußt. Läßt man sie außer acht, dann ergibt sich, daß in der Abteilung A die Ausländerinnen ein höheres Kontingent von Erwerbstätigen stellen als die Inländerinnen. In der Wirtschaftsabteilung B, welche die Industrie einschließlich Bergbau und Baugewerbe repräsentiert, ist die Gliederung nach der sozialen Stellung bei den In- und Ausländern eine ganz andere als in der Wirtschaft«- abteilung A. Darüber gibt die nachstehende Tabelle Auskunft. Inländer A u s l ander abs. °/o abs. °/o . . 15 986 42,05 4 515 39,95 b....... 2 502 22,14 7 542 19,84 3 864 34,1» m....... . . 2135 5,62 422 3,73 Zusammen . . 38 015 100,00 11303 100,00 Bei beiden Gruppen sind die Selbständigen fast gleich stark vertreten, die mithelfenden Familienangehörigen spielen eine ziemlich geringe Rolle. Zur Aagestelltenschaft stellen die Inländer vergleichsweise ungefähr ein so hohes Kontigent, wie die Ausländer zur Arbeiterschaft. Da die Wirtschaftsabteilung «Industrie» naturgemäß kein homogenes Gebilde darstellt, sondern eine Fülle von Wirtschaftsgruppen heterogenster Natur umfaßt, ist es von Wichtigkeit sie in die einzelnen Gruppen zu zerlegen und zu analysieren. Die prozentuale Verteilung der Selbständigen gibt an sich noch keine Vorstellung von der Bedeutung, welche die eine oder andere Wirtschaftsgruppe im Wirtschaftsleben der In- und Ausländer spielt. Dazu wäre eine spezielle Untersuchung jeder einzelnen Wirtschaftsgruppe und jedes einzelnen Wirtschaftszweiges erforderlich, ganz abgesehen davon, daß die rein statistische Methode hier völlig versagt. Wir können nur aus der Zusammenstellung schließen, in welchem Umfang diese oder jene Wirtschaftsgruppe den In- bzw. Ausländern Ernährungsmöglichkeiten gewährt. Sowohl 55