Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 27 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-2650424-2650426--5777-2651185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Fast noch bedeutungsvoller als der demologische Teil des Werkes ist die Veröffentlichung der Ergebnisse der Berufszählung nach Wirtschaftsabteilungen, -Gruppen und -Zweigen sowie nach der Stellung im Beruf. Hierfür gab er überhaupt keine Publikation soweit Preußen in Frage kam, sodaß man über die berufliche und soziale Schichtung der Juden im größten Bundesstaate Deutschlands nach dem Kriege jeder sicheren amtlichen Angaben entbehrte. Mag auch auf Grund der neuen Erfassungsmethoden und des neuen Berufsschemas ein Vergleich mit der Zählung von 1907 sehr erschwert sein — Silbergleit hat im Text aus diesem Grunde jeden Vergleich unterlassen, — so ist doch schon die Tatsache, daß wir über die jüngste Vergangenheit in so eingehender Weise orientiert werden, ein großer Gewinn. Besonders wertvoll sind die Tabellen, welche die soziale Schichtung behandeln. Sie gewähren einen tiefen Einblick in das Gesellschaftsleben der deutschen Juden. Der Text ist knapp und vorsichtig gehalten und logisch aufgebaut. In einem Einleitungskapitel ist die geschichtliche Entwicklung des preußischen Judentums bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts — für einzelne Teilgebiete sogar bis ins 18. Jahrhundert — zurückverfolgt. Es werden in diesem Kapitel die Grundlagen geschaffen, ohne deren Kenntnis das Eindringen in die Bevölkerungsvorgänge der Gegenwart unmöglich ist. Besonders aufschlußreich in dieser Beziehung ist die mit großer Mühe hergestellte Tabelle 8, welche eine Bilanz der gesamten sowie der jüdischen Bevölkerung Preußens in den drei-, vier-, und fünfjährigen Volkszählungsperioden von 1816 bis 1910 enthält. Auch der statistisch nicht geschulte Leser kann sich durch diese klar und übersichtlich aufgebaute Tabelle ohne weiteres über das Schicksal des preußischen Judentums im 19. Jahrhundert orientieren. Das zweite Kapitel behandelt die räumliche Verteilung. Sehr instruktiv ist die Tabelle 10, welche über die Verluste der Gesamtbevölkerung und der Juden durch den Versailler Friedensvertrag Aufschluß gibt. Nach einer kurzen Schilderung der Bevölkerungsentwicklung seit der letzten Friedenszählung, wobei die Bedeutung der Ausländer für die Erhaltung des Judentums gewürdigt wird, beträchtet Silbergleit die Differenzierung des preußischen Judentums nach Geschlecht, Altersaufbau, Familienstand und Beruf. Jedes einzelne dieser interessanten Kapitel zeigt die Vorzüge des gesamten Werkes — scharfe Herausarbeitung des Wesentlichen und Bedeutungsvollen, eine objektive und die inneren Zusammenhänge überschauende Betrachtungsweise, einen klaren anschaulichen Stil. Wir müssen es uns an dieser Stelle ersparen, im einzelnen zu den Ergebnissen der Silbergleit sehen Forschung Stellung zu nehmen, da wir uns bei der geplanten Darstellung der Lage des deutschen Judentums der Nachkriegszeit auf Schritt und Tritt mit dem Tabellenmaterial und den Feststellungen werden beschäftigen müssen. Nur das Eine hoffen und wünschen wir, daß es dem Verfasser vergönnt sein möge bald das großangelegte Standardwerk durch Veröffentlichung des zweiten Teiles zum Abschluß zu bringen. 27

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.