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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · p. Seite 26

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 26 (sequence 11)
Language
German
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Jedwede, Anspruch auf Gewissenhaftigkeit erhebende, Darstellung der Bevölkerungs- und Wirtschaftsverhältnisse der Juden in Deutschland scheiterte von vornherein am Mangel zuverlässigen amtlichen Materials. Es existierten zwar für Preußen und eine Reihe von anderen Bundesstaaten Angaben über den Verlauf der Bevölkerungsbewegung, ihre Projektion aber auf das Substrat dieser Bewegung, die jüdische Bevölkerung der entsprechenden Länder mußte ein Torso bleiben, solange man lediglich die absolute Zahl der jüdischen Bevölkerung, vielleicht mit Unterscheidung nach dem Geschlecht, auf Grund der Volkszählungsergebnisse kannte, nicht aber auch die Gliederung nach dem Alter und Familienstand. Wohl hatte Preußen im Jahre 1910 auch für die jüdische Bevölkerung den Altersaufbau nach einigen großen Altersgruppen (unter 18, 18-45, über 45 Jahre) ausgeschieden, diese Unterscheidung ist aber viel zu grob und schematisch, um einen tieferen Einblick in das so feine Gewebe der Bevölkerungsmasse zu gewähren. Nur der Freistaat Hessen hat zweimal, nämlich 1905 und 1910, die Alterszusammensetzung der jüdischen Bevölkerung nach Jahrfünften mit Unterscheidung nach In- und Ausländern veröffentlicht. Die geringe Zahl der Juden in Hessen konnte aber nicht ohne weiteres als Prototyp der Gesamtjudenheit Deutschlands angesehen werden. Diesem schwerwiegenden Mangel ist nun gründlich abgeholfen. Den Kernpunkt der Silbergleit'schen Publikation bilden im Tabellenwerk die Tabellen über die jüdische Wohnbevölkerung am 16. Juni 1925 nach Altersjahren und Familienstand für den Freistaat Preußen, die einzelnen Provinzen, 28 einzelne Großstädte und für die Großstädte zusammen. Im Textteil spitzt sich die Darstellung ebenfalls auf die Behandlung dieses Teiles zu, erhebt sich in den betreffenden Kapiteln wissenschaftlich und sprachlich zur vollen Höhe und ist von besonderer Bedeutung durch die Aspekte, welche für die zukünftige Entwicklung des deutschen Judentums aufgestellt werden. Der Altersaufbau einer Bevölkerung kann naturwissenschaftlich mit einem Querschnitt durch die Erdformationen verglichen werden. Die Schicksale jeder einzelnen Epoche sind für den Forscher aus den Resten deutlich ablesbar. So auch im Altersaufbau die Lebensprozesse ganzer Generationen. Je feiner differenziert nun die Altersgliederung ist, umso klarer und der Erkenntnis zugänglicher ist der Werdegang der Bevölkerung. Es ist daher der Hauptvorzug des Werkes, daß ohne Rücksicht auf die zweifellos sehr erheblichen Kosten der Auszählung und Drucklegung der Altersaufbau nach einzelnen Altersjahren durchgeführt worden ist. Jetzt wird man in der Lage sein, für die einzelnen Landesteile, die sich in wesentlichen Beziehungen hinsichtlich der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse von einander unterscheiden, den Grundcharakter des jüdischen Bevölkerungsteiles herauszukristallisieren und dann aus dessen Mosaik ein Gesamtbild der jüdischen Bevölkerng in Deutschland zu entwerfen, das der Wahrheit so nahe als möglich kommt. Eine wesentliche Unterstützung der statistischen Forschungsmethode bildet die von Silbergleit für das ganze Tabellenwerk bis ins einzelste durchgeführte Unterscheidung nach In- und Ausländern. Sie ermöglicht uns den Einfluß der zugewanderten Bevölkerung innerhalb der Gesamtjudenheit, soweit es statistischer Erfassung zugänglich ist, zu erkennen. Ihre volle wissenschaftliche Auswertungscheitert leider daran, daß eine entsprechende Unterscheidung in der Statistik der Bevölkerungsbewegung nicht existiert. 26

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