Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 24 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2650397-2650424-2650426--5774-2651182- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Verdrängung des selbständigen Handwerkers durch die emporgeschwungene Industrie und der verringerte Nachwuchs der Handwerksarbeiter hatte die Schrumpfung des Handwerkssektors in der jüdischen Bevölkerung zur Folge. Innerhalb dieses eingeschrumpften Sektors hat sich der relative Umfang der Bekleidungsbranche, die ja von der Industrialisierung weniger betroffen wurde, vergrößeren müssen im Verhältnis zu den stark reduzierten anderen Fächern. Eine ähnliche relative Zunahme dürften die mit dem jüdischen Ritus verknüpften Zweige, wie Fleischereien u. ä. erfahren haben. Daß die jüdische Industrie- und Handwerksbevölkerung sich in der Richtung der Industrialisierung entwickelt hat, läßt sich u. E. durch das Verhältnis der Zahl der Selbständigen zur Zahl der Angestellten beweisen. Je konzentrierter und kapitalisierter eine Branche ist, desto höher wird in ihr der Anteil der Angestellten sein müssen. Da nun die jüdischen Angestellten in ihrer überwiegenden Mehrheit bei jüdischen Arbeitgebern tätig sind, so darf das Verhältnis der Zahl der jüdischen Unternehmer zu derjenigen der jüdischen Angestellten als Kriterium zur Beurteilung des Grades der Industrialisierung der jüdischen Unternehmungen gewählt werden. Unter den 108 Wirtschaftszweigen läßt sich eine große Liste solcher herausholen, in den die Anzahl der Angestellten bei weitem diejenige der Unternehmer übertrifft. Es sind dies: Wirtschaftszweig haber Leiiende II Beamie | u Wirtschaftszweig haber ilende :amle cstellle - < — •j83 < W 20. Glasindustrie .... 32 12 69 W 42. Wirkerei u. Strickerei 156 22 270 W21. Gro&eisenindustrie . 32 26 210 W 53. Hochdruck, Flachdruck 311 37 238 W 22. Metallhütten usw. . . 33 24 162 W 55. Herstellung von Leder 80 23 105 W23. Eisenwaren usw. . . 363 59 524 W59. Kautschuckwaren usw 47 11 107 W 27. Maschinenbau . . . 146 88 584 W74 Klav.u. Harmoniumbau 25 1 22 6 1 21 WÖ2. Kakao. Schokoladenw. 95 11 165 W 31. Landfahrzeuge usw. . 45 21 130 W 06. Pflanz. Ole usw. . . 35 9 91 W32. Eisenbahnwagenbau . 7 18 100 Wö9. Kaffeerösterei usw. . 5 1 19 W 33. Elektrotech. Industrie . 272 104 959 W 80 Stärkeindustrie usw. . 13 6 35 W 35. Chemische Industrie . 389 166 993 W 92. Hersiell. v. Zigarren . 142 9 165 W56. Seid-u. Kunstseid. Ind. 20 7 65 W 93. Herstell, v. Zigaretten 151 22 370 Die Zusammenfassung ergibt 2 405 Betriebsinhaber, 678 Direktoren und sonstige leitende Beamte und 5 404 jüdische Arbeiter. Da überdies in den jüdischen Betrieben auch nichtjüdische Arbeitskräfte beschäftigt sind, so erscheint die wirkliche Industrialisierung dieser Betriebe noch bedeutend hochgradiger. Die Ausnahmestellung der Bekleidungsbranche, die ihre handwerkliche Färbung am wenigsten eingebüßt hat, läßt sich am besten veranschaulichen, wenn man die Gliederung der ostjüdischen Einwohnerschaft Berlins 1907 und 1925 vergleicht. Betrachten wir die vier bedeutsamsten Fächer: Bekleidung, Nahrungs- und Genußmittel, Maschinen und Apparate und Metallverarbeitung, so ergibt sich, daß von je 100 der der Industrie und dem Handwerk zugehörigen erwerbstätigen Ostjuden Berlins beschäftigt waren in: 24