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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · p. Seite 22

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 22 (sequence 7)
Language
German
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Diese Behauptung ließe sich aus zahlreichen Beispielen beweisen. Es genügt indes, wenn wir die Verhältnisse an Hand der Zahlen unserer Tabelle nachprüfen. In Berlin, wo die Industrie viel konzentrierter ist als in der preußischen Provinz, sehen wir in der Tat, daß die Bekleidungsgruppe bei den Unternehmern mit vollen 55,8% an der Spitze, in weitem Abstand von den anderen Gruppen steht und daß fast der gleiche Prozentsatz bef den jüdischen Unternehmern nachweisbar ist, der im Durchschnitt der Gesamtheit der jüdischen Unternehmer in Berlin 60,5%, aber nur 57,6% bei den inländischen jüdischen Unternehmern Berlins beträgt. Das Verhältnis zwischen der Bekleidungsquote und der Quote der Nahrungs- und Genußmittelbranche erfährt eine krasse Wandlung bei dem Ubergang von Preußen zu Berlin: während dieses Verhältnis für ganz Preußen 2,5 :1 (37,7% : 15,0%) beträgt, nimmt es in Berlin, wo die Nahrungs- und Genußmittelbranche viel konzentrierter ist, den Wert von 6 :1 (55,8% : 8,9%) an (s. Tabelle auf S. 21). Als Gegenbeispiel mag das Handwerk angeführt werden, in welchem von den 1 524 900 Betrieben, die vom Statistischen Reichsamt dem Handwerk im Deutschen Reich zugezählt werden, 492 200, gleich 32,3%, auf das Bekleidungshandwerk entfallen; von den 3 576 200 im Handwerk beschäftigten Personen sind 817 900 24,2% in dem Bekleidungshandwerk untergebracht. Auf diese Weise ist im Handwerk der Abstand des Bekleidungsfaches von den übrigen verhältnismäßig kleiner: das Nahrungs- und Genußmittelfach zählt 14,6% der Betriebe und 19,9% der beschäftigten Personen, das Metallhandwerk entsprechend 12,5 und 15,7%, das Holz verarbeitende Handwerk 12,4 und 12,4, das Bauhandwerk 12,4 und 14,2 Prozent* Die starke Besetzung der Bekleidungsbranche im Bereich der jüdischen lndustrie-und Handwerksbevölkerung ist mithin nicht etwa der Ausdruck einer angeblichen spezifischen Vorliebe der Juden für diesen Beruf, sondern lediglich eine Folge davon, daß in der jüdischen Bevölkerung die Unternehmer überwiegen und die wenig konzentrierte Bekleidungsbranche einen größeren Bedarf an Betrieben und unternehmenden Kräften aufweist. Die vorstehenden Ausführungen genügen, um die abweichenden Verhältnisse bei der jüdischen gegenüber der nicht jüdischen Arbeiterschaft zu erklären. Von je 100 jüdischen Arbeitern in Industrie und Handwerk sind in der Bekleidungsbranche 42,2 (unter den inländischen 35,5) in ganz Preußen und 56,7 (unter den inländischen 49,7) in Berlin beschäftigt, während bei der Gesamtbevölkerung auf die gleiche Branche 8,7 v. H. in Preußen und 17,0 v. H. in Berlin entfallen. In der Nahrungs- und Genußmittelbranche sind untergebracht: bei den Juden 14,0 und bei der Gesamtbevölkerung 7,9% in ganz Preußen und 7,9 resp. 8,2% in Berlin. Die jüdische Arbeiterschaft ist überwiegend im Handwerk beschäftigt, in welchem die Bekleidungsarbeiter überhaupt den relativ größten Raum beanspruchen; die nicht jüdischen Arbeiter dagegen entsenden ihre zahlenmäßig stärksten Kontingente in die Industrie und sind deshalb stärker vertreten in den kapitalisierten und konzentrierten Produktionszweigen als in der Bekleidungsbranche. Eine andere Frage ist es, warum eben die jüdischen Arbeiter mehr im Handwerk als in der Industrie Beschäftigung haben. Zur Erklärung dieser Frage müssen von vornherein rein wirtschaftliche Momente herangezogen werden, anstatt daß man zu oft unbeweisbaren und in Wirklichkeit gar nicht existierenden moralischen Faktoren, wie der vermeintlichen Scheu vor der * s. Deutsche Wirtschaflskunde. Ein Abrijj der deutschen Reichsstatistik. Bearbeitet im Statistischen Reichsamt, öerlin 1930. 22

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