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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-12-01 · Heft 6 (Dezember 1930) · p. Seite 99

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 6 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 99 (sequence 20)
Language
German
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nach einem Jahrhundert sich etwa vervierfachte. Stellenweise scheint die Volkszunahme noch größer gewesen zu sein. Die Jugendlichkeit der Väter und der Mütter, die mit dem 20. Lebensjahr bereits zwei Entbindungen hinter sich hatten, bewirkte eine rasche Volksvermehrung, die durch den Kinderreichtum zu einem unwahrscheinlich großen Bevölkerungsüberschuß führte. Die.Einwanderung in Polen, die nach dem Jahre 1400 noch besteht, ist nicht mehr bedeutend. Insbesondere haben die spanischen Juden keinen großen Zuzug gestellt. In etlichen großen Gemeinden stoßen wir zwar im 16. Jahrhundert auf sefardische Juden und auf deren Synagogen. Ziffernmäßig sind die Spanier wie die Italiener gegenüber den deutschen Juden weit zurückgeblieben. Zwischen der Annahme der jüdischen Volkszahl vom Jahre 1550 und der Ziffer, die uns Meisl füf 1650 bietet, liegt eine recht beträchtliche Spanne, die bei der starken jüdischen Volksvermehrung nicht unmöglich ist. Sie ist aber gleichwohl auffallend groß, so daß vielleicht hier irgend eine irrige Rechnung vorliegen kann. Für 1765 bietet Meisl gleichfalls eine Zahl. Für die Neuzeit haben wir verlässige Unterlagen. Wir kämen also nach dem Gesagten zu folgendem Schema. Die Zahl der Juden in Groß-Polen war: im Jahre 1350 — ca. 6 000, 1450 .....ca. 15 000 1750 .....ca. 500000 1550 .....„ 40—50 000 1825 .....„ 2 000 000 1650 .....„ 250 000 1900 .....„ 6000 000 Diese Ziffern erfassen die jüdische Bevölkerung in Groß-Polen (incl. der Ukraine) und Litauen. Dazu kommen noch die Massen der . Juden, die im 18., 19. und 20. Jahrhundert aus dem polnischen Gebieten nach Rumänien, Tschechoslowakei, Ungarn, Deutschland, Frankreich, England, Nord- und Südamerika, Afrika, Asien ausgewandert sind. Ihre Zahl inbegriffen war die Nachkommenschaft der polnischen Juden im Jahre 1930 auf; ca. 12—13 Millionen angewachsen. Diese phantastische Vermehrung ist im allgemeinen noch nicht genügend berücksichtigt worden. Die oben gegebene Tabelle ist nur mit Vorsicht zu gebrauchen. Es ist gewissermaßen ein Schema, wie sich die Volksentwicklung in Groß-Polen abspielte. Selbst die Ziffern des Jahres 1765 sind noch nicht sicher gestellt. In ganz Polen (Groß- und Kleinpolen) war nach dem Steuerergebnis vom Jahre 1778 (nach der Arbeit von Dr. N. M. Gelber in den «Schriften für Wirtschaft und Statistik», Berlin 1928, S. 186) die jüdische Bevölkerung, für die die Kopfsteuer bezahlt wurde, 249 519 Seelen. Vergleiche von Ergebnissen der jüdischen Kopfzählung, die Gelber aus alten Handschriften angibt, zeigen Unterschiede, die die Statistiken fast wertlos machen. In 11 ausgezählten Wojewodschaften wurden 1765: 129710 und 1775 nur 72 822 Seelen gezählt. Derartige mangelhafte Unterlagen müssen leider mit in den Kauf genommen werden. Sie hindern nicht, daß durch die Erforschung der Volkszahl uns wesentliche Erkenntnisse erschlossen werden. Die statistische Erforschung der jüdischen Siedlungen lassen die Geschichte des jüdischen Volkes vielfach in anderem Lichte erscheinen. Gewiß sind die in diesem Artikel angeführten Ziffern z. T. schon verstreut von anderen Autoren angedeutet. Aber erst ihre Zusammenstellung liefert uns das plastische, überraschende Bild von dem Werdegang der deutschen und der polnischen Juden. 99

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