Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 87 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Gründen^ die wir bereits früher auseinandergesetzt haben. Die Vermengung großer und geringfügiger Betriebe gibt auch hier ein verzerrtes Bild, und keine Gesetzmäßigkeit der Struktur läßt sich in diesem Durcheinander erkennen. Nur in der Schwerindustrie (W. 6, 7, 8, 9, 21, 29, 30) ist eine sichere Beurteilung möglich, denn es zeigt sich klipp und klar, daß dieser Wirtschaftsgebiet judenrein ist. Großen Schwierigkeiten eigenartiger Natur begegnen wir schließlich bei der Betrachtung der Gruppe der Freien Berufe. Hier sind es nicht so sehr die Nachteile der statistischen Vermengung, die das Bild trüben, zumal viele Einzelkategorien getrennt angeführt sind. Dafür aber wirkt störend der Umstand, daß viele Juden der Erfassung entweichen, weil sie sich in der Rubrik der Konfessionslosen oder in der Rubrik «Unbekannt» verborgen halten. Denn gerade in den freien Berufen äußert sich die Flucht vor dem Odium der Konfession am stärksten. Es genügt für unsere Zwecke, wenn wir nur die folgenden Berufsarten berücksichtigen: Ga nz P reu§ en B e r lin Beruf In selbst In beamt. In selbst. In beamt. Stellung Stellung Stellung Stellung Ges.- Zahl Juden Ges.- Zahl Juden Ges.- Zahl Juden* Ges.- Zahl Juden 26,6 8,3 48,7 10,9 8.301 2.208 372 31 2.423 1.179 202 22 15,5 9,9 42,4 23,0 23 663 3.670 8.425 835 4.833 2.049 2.269 523 14,8 7.0 37,5 17,4 4.805 713 931 65 1.049 393 235 41 5,9 3,3 206 26,6 11,5 3.928 231 6.219 481 128 1.098 126 2,5 468 1,1 14,2 2.8 18.933 78.375 885 2.218 314 21.899 610 5,5 4,6 12,9 8,5 740 41 4.215 192 271 35 1.865 159 12,9 8.3 16,3 12,0 Schriftsteller....... 2 906 374 882 73 1.954 319 551 66 4,8 3,3 7,5 5,1 5 912 282 1.068 35 2.843 214 533 27 3,5 1,6 9.3 4,6 12.074 419 30.696 480 2.746 255 6.617 304 7,5 6,8 12,3 9.9 412 31 5.398 368 236 29 2.714 269 8,7 7,9 13.4 83 13.3 1.298 113 4.177 330 618 1.567 208 *Die darüberstehenden Zahlen stellen die Anteilssätze der jüdischen Bevölkerung dar. Wie aus der Aufstellung zu ersehen ist, zeigt die Kurve der Quoten eine scharfe Knickung beim Ubergang von der ersten Hälfte zur zweiten. Der niedrige Prozentsatz in der Kunst und Presse ist gewiß befremdend und mag dadurch bedingt sein, daß auf diesem Gebiete die Häufigkeit der Konfessionsfreien besonders hoch ist. Nicht ohne [nteresse ist die Tatsache, daß der Anteil von Juden unter den Personen, die eine beamtete Stellung bekleiden, in der Regel niedriger ist als unter den Selbständigen. In welchem Maße der Anteil der Juden in der Zeitspanne zwischen der Vor- und Nachkriegszeit sich gewandelt hat, und wie die festgestellten Zahlen zu bewerten sind, daß sind zwei schwerwiegende Fragen, deren Erörterung wir absichtlich vermieden haben. Es erscheint uns fraglich, ob man berechtigt ist, die Werte der erhobenen Quoten nach Maßgabe des Anteils der jüdischen Einwohnerschaft an der Gesamtbevölkerung des Landes 8?