Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 69 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2650397-2650417-2650422--5710-2651116- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Durchschnitt. An der nächstfolgenden Gruppe nehmen die Ausländischen einen etwas geringeren Anteil, der sich auch in der jugendlichen Gruppe auf wenig veränderter Höhe von 22,3% hält. Der Gebärtrupp der jüdischen Bevölkerung Deutschlands wird zu vollen 20,0% von Ausländern geliefert. Abweichend zugunsten der Ausländer liegen die Verhältnisse in Berlin. Die Kleinkindergruppe ist zu einem Drittel von Ausländern besetzt, die der Schulpflichtigen zu 32,6%, die Wahlberechtigten zu knapp 25% (bei den Männern 25,6%), — gegen 25,4% (resp. 27,3% für Männer) im Durchschnitt. Die gebärfähige Bevölkerung rekrutiert sich zu 27,2% aus Ausländern. Eine detailierte Gliederung nach den Altersgruppen erbringt die Tatsache, daß der Anteil der ausländischen Frauen unter der gebärfähigen Bevölkerung das Maximum bei 24,4% innerhalb der leistungskräftigsten Gruppe derselben (25—30 Jahren) in Preußen und bei 38,6% in Berlin erreicht. Damit wollen wir für heute unsere kurze Auswahl aus dem wahrhaft riesigen Material des Silbergleit'schen Werkes schließen. Die Juden in den Deutschen Volksschulen Von Dr. Alexander G u t f e 1 d, wissensch. Hilfsarbeiter im Preußischeu Statistischen Landesamt Seit 1921/22, dem Jahre der letzten großen Schulstatistik, hat sich das statistische Material zur Darstellung des Anteils, den die Juden in den Volks- und Mittelschulen haben, wesentlich vergrößert. Im Deutschen Reich ist für das Schuljahr 1926/27 eine umfaßende Erhebung vorgenommen worden. Preußen nimmt seit 1928 jährlich kleinere Erhebungen vor, die etwa den Umfang der 5jährigen Zählungen vor dem Kriege haben. Das Material für Berlin hat sich vermehrt und verbessert. Eine neue Bearbeitung des Themas «Juden und Volksschulen» — jüdische Schulen, jüdische Lehrer, jüdische Kinder — ist jedoch mit der Vermehrung des Materials allein nicht gerechtfertigt. Sie ist vor allem deswegen nötig und von Interesse, weil dieses neue Material die Auswirkung neuer Tatsachen des Schullebens erkennen läßt. Vor allem handelt es sich darum, daß inzwischen die in der Weimarer Verfassung fürs Reich festgelegte Schulpolitik sich weiter durchgesetzt hat. Das Reichsgesetz vom 28. 4. 1920 (Reichsgesetzblatt 1920, S. 851 ff.) bestimmt den stufenweisen Abbau der Vorschulen der höheren Schulen bis spätestens zum Schuljahre 1924/25 und ihren Ersatz durch die unteren Klassen der Volksschule als Grundschule. Privater Unterricht anstelle dieser Grundschule ist nur ausnahmsweise gestattet. Statt der üblichen dreijährigen Vorschulzeit wird 1925 eine vierjährige Grundschulzeit festgesetzt (Reichsgesetzblatt 1925, Teil I, S. 49). Zur Zeit der Zählung von 1921/22 konnten diese Bestimmungen erst in den Anfängen der Durchführung stehen.* Die neue Schulpolitik wirkt sich also erst jetzt als Vergrößerung des Anteils der jüdischen Kinder an der Gesamtzahl der Volksschulkinder aus. * In Preussen wurden 1921/22 noch 851 jüdische Schüler in den Vorschulen allein der Gymnasien und Realgymnasien gezählt, was rund 2 v. II. aller jüdischen Kinder im Alter von 6 bis unter 14 Jahren beträgt. 69