Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 63 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach den neuesten sowjetrussischen (übrigens widerspruchsvollen Angaben) soll die Zahl der vorstädtischen jüdischen Landwirte in der Ukraina zum 1. Januar 1929 rund 10000 Familien mit einem Bodenbesitz von 54000> Hektar betragen haben. Im Laufe des Jahres 1929 wurden in der Umgebung der Städte weitere 18000 ha der jüdischen Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Die Zahl der Familien nahm um 2500 zu. Mitte 1930 soll die vorstädtische jüdische Landwirtschaft in der Ukraina — wiederum nach sowjetischen Angaben — 16 500 Familien mit einem Besitz von rund 95 000 ha betragen haben. Ob und in welchem Maße diese Familien der landwirtschaftlichen Bevölkerung zugeordnet werden können, läßt sich nicht ohne weiteres entscheiden. Es wäre zunächst festzustellen, ob die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle dieses immerhin städtischen Bevölkerungsteiles darstellt. Nach den vorliegenden Angaben betrug der Bodenbesitz je eines Wirtschaftsbetriebes der vorstädtischen Landwirte durchschnittlich 4,0 ha in Polessie, 2,6 Hektar in den am rechten Dnieprufer gelegenen Teilen der Ukraina, 3,3 ha am linken Dnieprufer und 7,5 ha in dem Steppengebiet. Die meisten dieser Betriebe sind offenkundig zu geringfügig, um die Familien ganz ernähren zu können, und die Annahme erscheint als begründet, daß für die größere Hälfte der Betriebsinhaber die Landwirtschaft (Gemüsebau) nur eine Nebenerwerbsquelle darstellt. Fassen wir die vorstehenden Ausführungen zusammen, so ergibt sich,, daß am 1. Januar 1930 die Gesamtfläche des in jüdischem Besitz befindlichen und für die jüdische Kolonisierung bereitgestellten Bodens 631 589» Hektar betrug (Birobidjan nicht einberechnet). Die Zahl der Familien betrug zum selben Zeitpunkt: in der Ukraina — 28 951,* in Bialorus — 8 190, in der Krim — 3 186, in Birobidjan — 300, in anderen Gebieten — 2 628, — zusammen 43 255. Bei der durch die Volkszählung 1926 festgestellten Stärke einer jüdischen landwirtschaftlichen Familie von 4,08 Köpfen ergibt sich somit eine jüdische Bevölkerung von 176 480 Personen, die sich von der Landwirtschaft ernährt. Das beträgt 6,3% der gesamten 2 795 000 starken jüdischen Bevölkerung der Sowjet-Union (2 672 398 nach der Zählung 1926 zuzüglich des angenäherten Zuwachses in der Höhe von 1,5% jährlich). Die Vergleichung dieser Zahl mit den Ergebnissen der Volkszählungen 1897 und 1926 läßt folgende Veränderungen im Anteil der Bauernschaft an der jüdischen Gesamtbevölkerung Rußlands in dessen gegenwärtigen Grenzen hervortreten. Es gehörten zur Landwirtschaft: 1897 1926 1930 von je 100 Erwerbstätigen ... 2,4 8,5 — von je 100 der Bevölkerung . . 3,5 5,6 6,3 Dabei ist zu beachten, daß die auf die Erwerbstätigen bezogenen Prozentsätze der Jahre 1926 und 1897 unvergleichbare Größen sind, da in der Zählung 1897 nur die Familienhäupter der landwirtschaftlichen Bevölkerung als erwerbstätig eingetragen wurden, während 1926 alle Familienmitglieder, die sich effektiv mit landwirtschaftlicher Arbeit befaßten, in die Rubrik der Erwerbstätigen aufgenommen wurden. Dementsprechend gestatten nur die auf die Gesamtbevölkerung bezogenen Prozent- * Für die vorstädiische Landwirtschaft haben wir 12000 Familien angesetzt, aber nur die Hälfte von ihnen betreibt Landwirtschaft im Hauptberufe. 65