Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-10-01 · Heft 4 (Oktober 1930) · p. Seite 61

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 4 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 61 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2650397-2650417-2650421--5699-2651104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

unteren Reihen hinab, um die oberen Reihen für die Krim und Bialorus freizumachen. 1929 erobert sich die Ukraina die oberste Reihe zurück, während die Krim mit einem Minuswert sich zurückzieht und ihren Platz dem bialorussischen Bodenfonds räumt, der nach den (nach unserer Ansicht übertriebenen) amtlichen Angaben sich eines Zuwachses von 1000 Familie n rühmt. An der Gesamtleistung der Jahre 1924—30 sind die einzelnen Gebiete der Kolonisation mit folgenden Prozentquoten beteiligt: die Hauptfonds mit 67,7% (Steppenrayon der Ukraina mit 47,7% und die Krim mit 20,0%) aller kolonisierten Familien, Bialorus mit 21,3%, RSFSR mit 6,5%, Usbekistan mit 3,6%, Aserbeidjan mit 0,9%. Durch Beschluß vom 28. März 1928 stellte die Sowjetregierung für die jüdische Kolonisierung das Gebiet von Birobidjan zur Verfügung, in der Absicht, in absehbarer Zeit ein autonomes jüdisches Gebiet in diesem Lande zu gründen. Die für die Kolonisation vorgesehene Bodenfläche beträgt 3 895 748 ha und besteht nach amtlicher Aussage aus 1 542 176 ha urbaren Bodens, 508 423 ha sumpfigen Bodens und 1845 149 ha waldigen Hochlands. Das ganze Gebiet liegt in der Taiga und ist noch wenig erschlossen. Die ungünstigen klimatischen Verhältnisse, die kurze Vegetationsperiode, der kalte und schneearme Winter, die schlechte Verteilung der Regentage, die beschwerliche Bodenbeschaffenheit und die Insektenplage (Gnus) sind äußerst hinderlich für die Besiedlung des Landes. Die Hoffnung des «KOMSETj-, dieses Gebiet in großem Ausmaße kolonisieren zu können, hat sich nicht erfüllt. Die größte Zahl der Zugewanderten ergriff bald die Flucht, und letzten Endes verblieben um die Wende des Jahres 1929 nur noch etwa 400 jüdische Familien. Die Gesamtzahl der jüdischen landwirtschaftlichen Familien macht hier höchstens 300 aus, während der Kolonisierungsplan die Ansiedlung von 1500 Familien allein im Jahre 1929 vorsieht. Der Geldaufwand für die Gesamtleistung der Plankolonisierung hat 29 771 467 Rubel erreicht. Davon beansprucht Birobidjan während der zwei Jahre (1928—1929) 2 566 059 und alle übrigen Gebiete zusammen 27 205 428 Rubel. Die letzte Summe setzt sich wie folgt zusammen: Zuschüsse aus dem Staatsetat . . . 4852 569 Rubel 17,8% Vorschüsse der landwirt. Banken . 2 266000 „ 8,3% Zuwendungen ausl. jüd. Organisationen (Agrojoint, JCA, ORT) . . 20090859 „ 73,9% An den Aufwendungen für die Kolonisation in Birobidjan waren beteiligt: Der Staatsetat......... 2046039 Rubel 79,7% Landwirtschaftliche Banken .... 270000 „ 10,5% Jüd. Organisationen (OSET u. IKOR). 250 000 „ 9,8% Bemerkt sei noch, daß die in Devisen remittierten Zuschüsse des ausländischen Judentums, die fast drei Viertel der Gesamtaufwendungen ausmachen, in den amtlichen Angaben in Rubelwert ausgewiesen sind. Zur Bemessung des Gesamtumfanges der jüdischen landwirtschaftlichen Bevölkerung in der Sowjet-Union müssen zu der auf dem Wege des Regierungsplanes erfolgten Kolonisierung hinzugeschlägen wer- 61

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.