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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-08-01 · Heft 2 (August 1930) · p. Seite 24

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 2 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 24 (sequence 9)
Language
German
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Juden dem Einfluß der christlichen Umgebung stärker ausgesetzt. Auch Mischehen (und damit ein Anreiz zur Taufe) kommen umso häufiger vor, je weniger jüdische Partner vorhanden sind. Schließlich spielt auch mit, daß die Juden in Sachsen nicht seit Generationen bodenständig, sondern größtenteils Zuwanderer in der ersten oder zweiten Generation aus anderen Teilen Deutschlands oder des alten Oesterreichs sind und wie alle Zuwanderer eine gelockerte Tradition haben. In den Vereinigten Staaten sind formelle Uebertritte von Juden zum Christentum ziemlich selten, wohl im Zusammenhang damit, daß die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft von Seiten des Staates überhaupt nicht gesetzlich geregelt ist und als eine Privatsache zwischen dem einzelnen und der religiösen Gemeinschaft betrachtet wird. Nur im Falle einer Mischehe tritt — unter dem Einfluß des christlichen Partners — der Jude oder die Jüdin mitunter formell zum Christentum über, wie umgekehrt aus dem gleichen Anlaß auch Uebertritte zum Judentum vorkommen. Viel zahlreicher sind aber die Fälle, in welchen Juden, ohne direkt aus dem Judentum auszutreten, sich in einer festen oder lockeren Form einer der vielen christlichen Sekten anschließen oder sich an ihren Gottesdiensten beteiligen. Besonders groß ist neuerdings die Zahl der Juden unter den Anhängern der „Christian Science"-Gemeinde geworden, die in den Vereinigten Staaten eine rührige Propaganda betreibt. Wir haben es hier nicht eigentlich mit einer Taufe zu tun, aber doch mit einem Akte, der die Juden von ihrer Religion entfernt und sie allmählich ihr Judentum gänzlich vergessen läßt. Die Taufe ist hier nicht ein einmaliger Akt, sondern ein chronischer Prozeß. Aber das Resultat — Lostrennung von der jüdischen Gemeinschaft — bleibt dasselbe. Der Verlust des Judentums durch Ueberschuß der Austritte über die Eintritte beträgt in der Gegenwart jährlich: Die Ziffern bestätigen die auch aus sonstigen Quellen bekannte Tatsache, daß in Osteuropa (Polen) die Zahl der Taufen am geringsten ist und daß sie nach Mitteleuropa hin zunimmt. Eine besondere Stellung nimmt Wien ein, in dem die Taufe eine Massenerscheinung geworden ist. Das ist um so befremdlicher, als in Wien sich Zehntausende von galizischen Juden befinden, die erst in den letzten beiden Jahrzehnten nach Wien gekommen und bei denen Austritte aus dem Judentum sehr selten sind. Umso häufiger sind sie bei den alteingesessenen Wiener Juden, was darauf hinweist, daß bei diesen das Judentum seine Anziehungskraft verloren hat und das jüdische Leben in völliger Auflösung begriffen ist. Nur nberiritie zu den Protestanlen. In Ungarn 1,1 auf 1000 Juden „ Preußen . ., Sachsen* „ Berlin 1,0 „ 1,0 „ 2,0 „ 4,5 „ 0,2 «, 0,4 „ 1,7 „ ,, Hamburg „ Wien . . „ Warschau „ Lemberg „ Budapest 24

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