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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-07-01 · Heft 1 (Juli 1930) · p. Seite 9

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 1 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 9 (sequence 10)
Language
German
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1927 finden wir somit auf dem gleichen Territorium mehr als doppelt soviel jüdische Studierende als vor dem Weltkriege, obwohl die jüdische Bevölkerung des fraglichen Gebietes sich währenddessen um rund 5% verringert hat, und zwar von 8 787 114 auf 8 395 000. Wählt man als Vergleichseinheit die Anzahl von Studierenden auf je 100 000 der Einwohnerschaft, so ergibt sich, daß der Hochschulbesuchsquotient (kurz Hochschulquotient) für das Jahr 1927 einen fast dreimal so hohen Wert als für das Jahr 1914 (612,2 gegen 232,2) hat. Gegenüber diesem gewaltigen Anstieg hat die Studiumshäufigkeit bei der nicht jüdischen Bevölkerung nur relativ geringe Veränderungen erfahren. Bei dieser hat der Hochschulquotient von 85,8 auf 126,9 zugenommen, wobei nun zu berücksichtigen wäre, daß die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Umwälzungen und Umschichtungen in der Kriegs- und Nachkriegszeit den Hochschulbesuch zum Teil nicht unwesentlich erleichtert haben mochten. Tabelle HI Hochschulquotient der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Ost- und Mitteleuropas vor und nach dem Kriege Zeitpunkt Bevölkerung Studenten Zahl der Studenten p. 100000 Ein wohn. Juden Andere Juden Andere bei Juden bei Anderen Um das Iahr 1914 . . Um das Jahr 1927 . . 8.787.114 8.395.000 218.097.300 276.402.024 20.403 51.391 187.188 350.817 232,2 612,2 85,8 126,9 Gewiß, die Tatsache, daß die Hochschulen Sowjet-Rußlands, die früher den lernbegierigen Schichten des russischen Judentums nur in beschränktem Maße zugänglich waren, auf einmal ihre Türen breit öffneten vor ihnen, hat sich unausbleiblich dahin auswirken müssen, daß die Juden mit besonderem Eifer den Universitäten zuströmten, als wollten sie die alten Entbehrungen wett machen. Aber selbst wenn man Sowjet-Rußland eliminiert, bleibt immer noch ein Hochschulquotient von 467,3 auf je 100000 Juden, der somit doppelt so hoch ist, wie der vom Jahre 1914. Nun bleibt aber der Vergleich der Verhältnisse in der Gegenwart und in der Vorkriegszeit leider auf diese allgemeinen Feststellungen beschränkt. Die Grenzen der einzelnen Staaten haben sich nach dem Friedensschluß in einer Weise verschoben, daß es schlechthin unmöglich ist, die vorkriegszeitliche Zahl der jüdischen Studierenden in den Gebietsgrenzen von 1925/27 zu ermitteln. Denn, um ein Beispiel zu wählen, die jüdische Jugend der Gebiete des heutigen Polens studierte nicht nur an den galizischen und Warschauer Hochschulen, sondern besuchte auch in großer Zahl die oesterreichischen, russischen usw. Hochschulen; die Jugend der Gebiete der heutigen Tschechoslowakei suchte die Hochschulen in Wien, in Deutschland und andere auf. Die statistischen Zahlen der Vorkriegszeit auf einzelne Landesteile zu verteilen, ist daher entschieden unmöglich. Und selbst wenn es möglich wäre, so würde eine Vergleichung der Vorkriegsverhältnisse mit denjenigen der Jetztzeit nimmermehr eine richtige 9

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