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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 9-12 · p. Seite 166

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 9-12
Date
1927-01-01
Page
Seite 166 (sequence 35)
Language
German
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— 166 — sen, um frische Luft und frische Ideen zu schöpfen, denn sonst drohen sie in Spitzfindelei und Scholastik auszuarten. Uebrigens ist dies das Los nicht nur der jüdischen Demographie. Die alten Wege sind überall ausgetreten, es müssen neue begangen werden. Der Mensch ist hauptsächlich Genotypus und nur teilweise Phänotypus. Es lassen sich an ihm Körper, Geist und Seele unterscheiden. Was ist an diesen geno- und was phänotypisch? Es ist hier nicht der Ort, die Streitpunkte zwischen Darvinismus und Lamarckismus zu behandeln, es sei nur gesagt, daß die jetzt führenden Geister die Vererbung erworbener Eigenschaften nicht anerkennen. Da ich jedoch kein führender Geist bin, so darf ich wohl meine Zweifel an diesem Dogma nicht verhehlen und frei mich der Lächerlichkeit aussetzen mit dem Bekenntnis, daß ohne die Anerkennung des Lamarckismus in der einen oder anderen Weise man nicht vorwärts gelangen wird. Und wirklich gibt es schon einige Ausflüchte, die breschenartig aussehen, zu denen auch die Mutationslehre zu zählen ist. Daß der K ö r p e r variiert, ist ja eine Tatsache, die niemand leugnet. Weshalb er es aber tut, ob nur auf dem Vererbungswege und durch Hinzutritt neuer Gene oder unter dem Einfluß der Umgebung, das harrt noch der Lösung. Es sind hier selbstverständlich nicht jene geringen Variationen gemeint, die mit der Ernährung und Beschäftigung verbunden sind und die sich leicht ausgleichen, sondern jene, die zu einer neuen typischen Gestaltung führen. Diese Variationen spielen im Judentum eine große Rolle. Die meisten, die vom Judentum als Rasse sprechen und die gewagtesten Schlüsse daraus ziehen, kennen leider nur das europäische oder noch enger das osteuropäische Judentum. Nun bildet dieses jedoch nur einen und wenn auch den stärksten Zweig des Gesamtjudentums, wobei die übrigen an Zahl nicht geringen Zweige körperlich von jenen ganz verschieden sind. Es sei nur in dieser Beziehung auf die Jemeniten hingewiesen, die nach fast allen körperlichen Merkmalen als die wahren Antipoden der russischen Juden zu gelten haben. Es genüge anzuführen, daß die Jemeniten ausgesprochene Langköpfe und durchgängig brünett sind, während die russischen Juden ausgesprochene Kurzköpfe und etwa nur zur Hälfte brünett sind. Was ist die Ursache dieser Erscheinung? Mischung oder Umgebung? Und welcher Typus hat als der wahre jüdische zu gelten? Obgleich die bis jetzt an Juden verschiedener Wohnstriche in meiner Meinung nach genügender Anzahl ausgeführten Messungen wohl eher dafür sprechen, daß das europäische Judentum kaum als rassenechtes zu betrachten ist, wird es immer und immer als solches traitiert und maltraitiert. Weitere Messungen in dieser Richtung hin werden jedoch wohl kaum neue Gesichtspunkte liefern, und werden solche auch nicht imstande sein, die Voreingenommenheit auf diesem Gebiete abzuschaffen. Weiteres Messen ist deshalb nur unnützer Zeitverlust. Ich sehe z. B. nicht ein, was die erneuten Messungen von Szpidbaum an den Samaritanern wirklich Neues gebracht haben, und indem die Messungen Wagenseils an Spaniolen jene von mir vollauf bestätigt haben, sind weitere wohl überflüssig. Wer die gesamte anthropologische Literatur über die Juden überblickt, weiß, daß in der Kette der bis jetzt erreichten Ergebnisse manches Glied noch nicht ganz fest steht, und hier wäre auch Abhilfe wirklich nötig. Ich möchte in dieser Beziehung auf das noch ungenügend erforschte Irakgebiet hinweisen, sowie

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