Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 9-12
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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— 163 - häuser errichtet sein. Etwa 40% der Kolonistenfamilien werden erst im kommenden Jahr ein eigenes Dach über sich haben. In der Zwischenzeit wohnen sie in Baracken, Erdhöhlen, bei Ansiedlern ihrer eigenen Kolonie, die ihre Häuser bereits besitzen, bei Bauern der benachbarten nichtjüdischen Dörfer. Manche überwintern in der Stadt und werden im Frühjahr 1928 zur Feldarbeit und zur Bausaison des kommenden Jahres voraussichtlich mit allen ihren Familienmitgliedern zurückkehren. Die Bauart der Häuser ist verschieden. Es gibt Steinhäuser, Lehmhäuser und Lehmhäuser mit Holzgerippe. Die Größe der Häuser ist nicht einheitlich. Die Häuser sind mit Eisenblech, Schindeln, Ziegeln, Lehm und Stroh gedeckt. Die Häuser, die vom Agro- Joint gebaut werden, enthalten außer den Wohnräumen einen Stall, während die Häuser in den Ica- und Osetkolonien bloß für Wohnzwecke der Siedler eingerichtet sind; die Stallungen sollen später von den Kolonisten, nachdem sie sich niedergelassen haben, aus eigenen Mitteln gebaut werden. Das von der Regierung in den Jahren 1925 und 1926 zugewiesene Land (in der Krim rund 122000 ha, im Kreise Cherson 52000 ha, im Kreise Kriwoj Rog 58000 ha und in den Kreisen Saporoschje und Mariupol 14000 ha) ist nicht durchweg besiedelt. So kann z. B. der Bezirk Scholochow-Nikopol (im Kreise Kriwoj Rog) 1900 Familien aufnehmen, während sich bis Juli 1927 etwas über 1100 Familien dort niedergelassen haben. Weitere Landzuweisungen dürften in den Kreisen Cherson, Kriwoj Rog, Saporoschje und Mariupol nicht oder in nur unerheblichem Maße zu erwarten sein. Dagegen ist in der Krim noch verhältnismäßig viel freies Land vorhanden. Man rechnet sehr mit einer Erweiterung der jüdischen Siedlung in der Krim. In jüngster Zeit sind größere Landflächan zur Verfügung gestellt worden. Weitere Landzuweisungen stehen bevor. Man nimmt an, daß im nördlichen Teil der Halbinsel — die von Tartaren bevölkerte Süd-Krim kommt für die Juden wenig in Frage — im ganzen 8000 Familien (40000 Personen) untergebracht werden können, d. h. noch 5000 Familien. Es wird sich da im ganzen um ein Areal von rund 200000 ha handeln. Die Kolonien in der Krim sind teilweise dicht beieinander gelegen. Die schon bestehenden kompakten Siedlungen werden noch vergrößert und abgerundet werden können. Die Errichtung zweier jüdischer Selbstverwaltungsdistrikte soll bereits in Aussicht genommen sein. Auch im Kreise Kriwoj Rog sollen jüdische Selbstverwaltungsdistrikte errichtet werden. Im Kreise Cherson ist der erste jüdische Distrikt im Frühjahr 1927 gebildet worden. Die Krim ist heute das größte jüdische Kolonisationsgebiet in Rußland; seine Bedeutung wird sicherlich noch wachsen. Das Korns et ist dabei, anderweitig neue größere Gebiete für die Ansiedlung von Juden ausfindig zu machen. Es sind bereits größere Territorien in Zentral-Asien und im östlichen Sibirien ins Auge gefaßt und teilweise auf ihre Eignung für jüdische Siedlungszwecke geprüft worden. Gegenwärtig weilt eine Kommission von Agronomen und sonstigen Fachleuten im Gebiete der Asow- Sümpfe, im Norden des Kaukasus, um die Aussichten dieses Gebietes, das erst drainiert werden muß, zu prüfen. Die Wirtschaft in den jüdischen Kolonien ist in erster Linie auf Getreidebau — vorwiegend auf Sommer- und Winterweizen —, ferner auf Roggen, Gerste und Hafer eingestellt. Außer den verschiedenen Getreidearten werden Futterkräuter und -gräser, wie Luzerne, Queckengras, die sogenannte „Su-