Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 9-12
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 135 — nen vergiftet hätten. Mehrere Jahre später j aber wurden wieder einige Juden zugelassen. | Sozial aber blieben sie ausgeschlossen, hatte j doch der Bischof von Brandenburg im Jahre j 1406 den Umgang mit Juden sogar bei Strafe des Kirchenbannes verboten. Später hat sich allmählich eine tolerantere Behand-! lung der Juden angebahnt, die sogar zur Bürgerschaft zugelassen wurden. Aus dem mit dem Jahre 1453 beginnenden alten Berlinischen Bürgerbuch ist jedenfalls ersichtlich, daß im Jahre 1454 die Juden Gumprecht, Jonas, Salomon, Joseph, Abraham, Dyna und die Jüdin Systrika das Bürgerrecht erlangt haben. Bis dann das Jahr 1510 kam mit seiner grauenhaften Verbrennung von 38 unschuldigen Juden auf dem Neuen Markt, mindestens geduldet von dem wegen seines scharfen Vorgehens gegen das adlige Raubgesindel als „gerecht" durch die Geschichte Brandenburg-Preußens schreitenden damals 26 jährigen Joachim I. An den furchtbaren Mord schloß sich die Vertreibung der Juden aus dem Lande. Wurden sie später von Joachims Sohne, dem 2. Joachim, gegen ein sehr! beträchtliches Schutzgeld (42 000 Taler jährlich) auch wieder aufgenommen, so führte 1 die Affaire des Münzjuden Lippold, der der Zauberei beschuldigt ward und sie auf der Folter eingestand, von neuem 1571 zu ihrer Vertreibung aus der Mark. j Hundert Jahre sollten vergehen, bis Juden; in Berlin wieder aufgenommen wurden. Es i waren 50 Familien, die der Große Kurfürst zugelassen hatte. Wieder hundert Jahre späj ter, um 1770, betrug die Zahl der jüdischen : Familien Berlins 400 mit einer Seelenzahl; von etwa 2000. Damals belief sich die j Seelenzahl Berlins überhaupt auf 134 000, \ so daß der Anteil der Juden sich auf \ etwa \% % stellte, also selbst die heuj tige Ziffer mancher Großstädte übertraf.! Und nun wieder 100 Jahre später, I oei der ersten Volkszählung nach Begründung des Reiches (vom 1. Dezember 1871) zählt Berlin unter einer Gesamtbevölkerung von 822 569 bereits 36 015 Juden, d. i. 4,36%, während in den einzelnen Stadtteilen — man unterschied deren damals 20 in Alt-Berlin — weitgehende Unterschiede auftraten: Im eigentlichen Kernbezirk, im Stadtteil Berlin, steigt der Anteil auf nicht weniger als 18,5 %, beträgt im Spandauer-Viertel noch 12,3 %, sinkt aber in Moabit und Wedding auf x/4 und lk % herab. Bei der folgenden Volkszählung vom 1. Dezember 1875 ist die Bevölkerung Alt-Berlins auf beinahe eine Million, 966 858, angewachsen und die Zahl der Juden auf 45 464, so daß in den 4 Jahren sich ihr Anteil von 4,36 % auf 4,71 % erhöhte. Und wieder stand — wie ja nur natürlich war — der Stadtteil Berlin mit 18 % an der Spitze, Moabit und Wedding mit nur 0,3 % am Ende der nach abnehmenden Anteilsziffern der Juden geordneten Reihe. Bei den folgenden Volkszählungen steigt ihr Anteil zunächst, wenn auch nur langsam, weiter und erreicht im Jahre 1890 mit 5,02 % seinen Höhepunkt, um von da an bis vor Beginn des Krieges unter Schwankungen abzunehmen. Im Jahre 1910 beläuft er sich — immer noch für das frühere Berlin — auf 4,35, für das gleiche Gebiet bei der letzten Volkszählung vom 16. Juni 1925 aber auf 4,44 %, also um ein Geringes höher. Daraus aber dürfen keine Schlüsse gezogen werden über die wirkliche Entwicklung der jüdischen Bevölkerung Alt-Berlins. Sie betrug 1910 90 013, seitdem ist sie bis Mitte 1925 nicht allein nicht gestiegen, sondern vielmehr um 2771 Seelen zurückgegangen. Wenn aber, wie wir eben festgestellt haben, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung gestiegen ist, so liegt das nur daran, daß diese in den 14^2 Jahren gleichfalls und zwar in noch stärkerem Verhältnis abgenommen hat, näm-