Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 7-8
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- 106 - Zur rremdeneinwanderung in England. Von Dr. S. W e i s s e n b e r g in Linowjewsk (Elisabethgrad). Seit Ende des Jahres 1925 hat in England eine neue Zeitschrift1) zu erscheinen begonnen, die sich ausschließlich der Bearbeitung rassekundlicher Themen widmen will, und zwar will sie nur Beiträge von erstklassigen Gelehrten bringen, nicht aber solche von Propagandisten und Dilettanten. Obgleich national in ihrer Gesinnung, will sie jedoch internationale Mitarbeitschaft nicht ausschließen, weshalb auch Beiträge in deutscher, französischer und italienischer Sprache darin Platz finden können. Das Wort „national" darf nicht befremden, da jedes Volk seine eigenen eugenischen Probleme hat als Ausfluß seiner besonderen rassischen Geschichte, Umgebung und Ueberlieferung. Was ein guter Deutscher ist, ist nicht immer auch ein guter Engländer. Die Eugenik ist somit nur angewandte Anthropologie, zu deren Ausbildung entsprechende Professoren und Laboratorien an jeder Hochschule nötig sind. Das sind im kurzen die Ziele, die sich die neue Zeitschrift gesetzt hat und die nur zu begrüßen wären. Leider mahnt aber der Anfang des Unternehmens an eine gewisse Vorsicht, indem schon die erste Arbeit, die dem Herausgeber selbst gehört, trotz dessen guten Namens in der Wissenschaft nicht nur von unbegreiflichem Dilettantismus, sondern auch von unzulässiger Voreingenommenheit spricht. Der größte Teil des Heftes (123 S.) ist nämlich eine Arbeit von Karl Pearson J) Annais of Eugenies. Ajournal for the scientific Study of social problems. Edited by Karl Pearson, assisted by Sthel M. Eldeztan. I s s u e d by the Francis Galion Laboratory for National Eugenies, University of London, and printed at the University Press, Cambridge Vol I, Parts I and II. October 1925, 256 S. 4°. und Margaret Mo ul über „Das Problem der Fremdeneinwanderung in England auf Grund einer Untersuchung an russisch- und polnischjüdischen Kindern" gewidmet. Nun stehen die Behandlung des Themas sowie der herrschende Ton im krassen Widerspruch mit den eben angeführten Prinzipien, indem nicht nur, wie gesagt, ein gewisser Dilettantismus, sondern auch ein deutlicher feindlicher Propagandageist sich überall durchfühlen läßt. Abstoßend wirkt erstens das Bestreben der Autoren, die Befürchtungen zu zerstreuen, daß die Schrift antisemitisch sein könnte, indem sie mehrmals behaupten, daß die Arbeit nicht nur in den besten und reinsten Absichten unternommen, sondern auch von Juden unterstützt worden ist — Versicherungen, die in einem wissenschaftlichen Werk mindestens verdächtig, jedenfalls aber überflüssig sind. Zur Lösung der gestellten Frage wurden etwa 1 200 Kinder (619 Knaben und 585 Mädchen) im Alter von 7 bis 15 Jahren auf ihren physischen und psychischen Zustand untersucht. Ist die Zahl der Untersuchten an und für sich als genügend zu betrachten, so muß leider daran Anstoß genommen werden, da nur 88 Proz. von ihnen dem ehemaligen Rußland entstammten und 28 Proz. von ihnen intelligenten Schichten angehörten. Das Material ist somit meiner Meinung nach nicht ganz einheitlich, weshalb die Schlüsse nicht bindend sein können. Aber dessen auch gänzlich ungeachtet, muß es jedem unvoreingenommenen Leser auffallen, daß den erschlossenen Tatsachen Gewalt angetan wird, indem sie in den Hauptergebnissen falsch gedeutet werden. Wird der Stammbau und die dort herrschende Erziehung in Betracht gezogen, so