Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 7-8
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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104 - etwa 4,8 % der gesamten Bevölkerung beträgt, so kommen wir zu dem Resultat, daß die Sterblichkeit der Juden an Diabetes das vierfache der übrigen Bevölkerung betrug. Hervorzuheben ist der geringe Anteil lediger Leute, der kleine Anteil geborener Berliner und der sehr große Anteil der aus dem Osten zugezogenen Juden, ferner die Beteiligung aller Berufe. Die Schlußfolgerung behalten wir uns für eine spätere Publikation vor. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der Diabetes 13 mal mit Lungentuberkulose und 11 mal mit Nierenkrankheiten kompliziert war. In denjahren 1924 und 1925 war bei 4746 Todesfällen in der jüdischen Gemeinde 4) der Diabetes 119 mal als Todesursache angegeben, das sind 2,52 %, also fast 1 % mehr als in 1881—1900. Nun ist es interessant zu erfahren, daß auch bei der nichtjüdischen Bevölkerung der Diabetes zugenommen hat. Während nämlich auf 100 00 in Berlin lebende Juden 34,3 Todesfälle an Diabetes kamen, sind auf 100 000 lebende Berliner 15,9 Todesfälle berechnet worden. Es ist wohl kein Trugschluß, wenn man als Ursache dieser Zunahme die Tatsache annimmt, daß sich nach den Jahren des Hungers und der Rationierung viele Menschen auf Süßigkeiten und Fette gestürzt haben, die sie Jahre lang entbehren mußten, in einem Maße, daß der Inselapparat der Bauchspeicheldrüse diesem Ansturm nicht gewachsen war. Die Verteilung der 119 Fälle auf Geschlecht und Alter ist ungefähr dieselbe wie früher. •) In diese Zahlen sind nicht einbegriffen diejenigen, welche auf interkonfessionellen Friedhöfen begraben und diejenigen, welche durch Feuer bestattet wurden, ohne daß vorher die Tahara geleistet wurde. Es starben im kindlichen und jugendlichen Alter von 2% 10, 17 und 19 Jahren 4 (3m, lw) im Alter von 23 u. 26 Jahren 2 (Im, lw) im Alter von 31—40 Jahren 1 (m) im Alter von 41—50 Jahren 11 (7m, 4w) im Alter von 51—60 Jahren 22 (10m, 12w) im Alter von 61—70 Jahren 50 (19m, 31w) ein höheres Alter erreichten 29 (18m, 11 w) Von den 113, welche älter als 30 Jahre waren, waren verheiratet, verwitwet oder geschieden 99 sicher ledig waren nur 9 (4 m, 5w) unbekannt war der Familien-, stand bei 5 es stammten aus Berlin 11 9,24 % aus der Prov. Brandenburg, Pommern, West- und Süddeutschland 18 15,12 % aus den östl. preuß. Provinzen, Polen und Rußland 79 66,38 % unbekannter Herkunft waren 11 Als Beruf war angegeben: Kaufmann 35 mal, Handelsmann 3 mal, Rechtsanwalt 2mal, Rentier lmal, und ferner je einmal Arzt, Prokurist, Reisender, Kassierer, Zahntechniker, Architekt, Friedhofsbeamter, Schneider, Hutmacher, Hospitalit und schließlich eine Wirtschafterin und eine Kontoristin. Die meisten Diabetes-Forscher bis zu dem bekannten von Noorden nehmen an, daß die j ü d i s c h e R a s s e für die Zuckerkrankheit besonders disponiert wäre; diese Annahme wird durch unsere Darlegungen zur Legende. Nur die Art der Ernährung (die zu süße und zu fette) ist für die Entstehung der Krankheit verantwortlich zu machen; dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, daß die Disposition dazu, wenn Generationen in dieser Beziehung gesündigt haben, vererbt werden kann. Die spätere Betrachtung der Kriegsjahre — in denen ja in allen Schichten der Bevölkerung der