Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 3-4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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- 55 — zu widmen. Auch der Jüdische Frauenbund, der früher auf dem Gebiete des jüdischen Arbeitsnachweiswesens eine selbständige Tätigkeit durch das Kartell der jüdischen Arbeitsnachweise ausübte, hat nunmehr auch sein Arbeitsgebiet der Vereinigten Zentrale angegliedert, so daß diese Zentrale heute die einzige Stelle ist, von der das jüdische Arbeitsnachweiswesen einheitlich bearbeitet wird. Der Vereinigten Zentrale wird es obliegen, eine Reorganisation und Belebung der jüdischen Arbeitsnachweisbewegung in Deutschland durchzuführen. Neben der Idee der Jüdischen Arbeitsnachweise, als Faktor der Produktivierung jüdischer Menschen, hat die Hauptstelle dem Problem der Arbeitsstätte und Arbeiterkolonie ihre besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Daß vorerst nur theoretische Erwägungen innerhalb des Direktoriums der Hauptstelle möglich waren, resultiert aus den ungewöhnlichen Schwierigkeiten dieses Problems, da die bisherigen Erfahrungstatsachen, die konfessionelle und interkonfessionelle Stellen gesammelt haben, nicht ohne weiteres auf die jüdische Wanderfürsorge übertragen werden können. Die bedeutendsten Fachleute Deutschlands sind von der Hauptstelle zur Beratung herangezogen worden. Die Ergebnisse dieser Beratungen werden die Generalversammlung der Hauptstelle beschäftigen. — Die Notwendigkeit der Errichtung von Arbeitsstätten und der Neuorganisation des Arbeitsnachweiswesens wurde auf allen Versammlungen, auf denen die Hauptstelle vertreten war, immer von neuem betont. Gewisse Vorarbeiten zur Errichtung eigener Beschäftigungsmöglichkeiten sind in verschiedenen Orten Deutschlands getroffen worden, so z. B. in Berlin und in Breslau. Verschiedene Provinzialkassen haben den Anschluß an die interkonfessionellen Arbeitsstätten durchgeführt. Dort, wo sich dieser Weg reibungslos beschreiten läßt, wird er nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen sein. Eine weitere wichtige Frage für die Neuorganisation der Wanderfürsorge in Deutschland war das Problem der Heranziehung öffentlicher Mittel, die durch die gesetzliche Neuordnung der gesamten Wohlfahrtspflege in weitestem Maße möglich ist. Zur Kontrolle der gesamten Wanderung in Deutschland wurde von der Hauptstelle folgendes Meldesystem eingeführt: Jeder Durchwanderer erhält von der Provinzialkasse, die er zuerst aufsucht, eine Wanderkarte, auf der das Ziel und der Grund seiner Reise vermerkt werden. Diese Karte muß er bei allen Provinzialkassen vorweisen, die er auf seinem Reiseweg berühren muß. Jede Provinzialkasse vermerkt ihre Leistungen auf dieser Wanderkarte. Jede Kasse meldet täglich durch einheitliche Karte ihre Beförderung und Leistung an die Kasse, der sie den Petenten überwiesen hat und an die Hauptstelle in Berlin. Aus den der Hauptstelle zugehenden Meldungen der einzelnen Kassen werden dreimal wöchentlich Gesamtmeldelisten über alle Petenten, die bei irgendeiner Kasse vorsprachen, herausgegeben. Diese Meldelisten haben einen Umfang von durchschnittlich zehn Seiten. Durch diese Meldelisten wird jede Kasse in die Lage versetzt, von sich aus den Reiseweg jedes einzelnen Petenden zu überprüfen, um festzustellen, ob der Betreffende wirklich an seinem Zielort angekommen ist. Sämtliche Vordrucke und Karten wurden allen bestehenden Kassen von der Hauptstelle kostenlos zur Verfügung gestellt. Es erschienen bis 31. Dezember 1926 232 Meldelisten. Je nach Bedarf wurden Warnungslisten herausgegeben, während der abgelaufenen Geschäftszeit 250 mit 1734 Namen. Wo sich die