Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1927) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 26 — so fällt vor allem auf, daß eine amtliche Zentralstelle, die die vorhandenen Bestrebungen leitet, fehlt. Ein Gegenstück z. B. zur preußischen Ansiedlungskommission gibt es für die deutschen Juden nicht. Die Berufsumschichtungsbestrebungen sind getragen nur von ideal gesonnenen Kreisen im deutschen Judentum — die große Masse der deutschen Juden steht diesen Bestrebungen gleichgültig gegenüber. Daher sind auch die Mittel, die den Gesellschaften und Vereinen, zur Erreichung ihrer Ziele gewährt werden, gering25), während die Opferwilligkeit im deutschen Judentum sonst überaus groß zu sein pflegt. Die Kosten, auch die der Propagandatätigkeit, lasten ausschließlich auf den Schultern der wenigen interessierten jüdischen Kreise. Verhältnismäßig am erfolgreichsten scheint es uns dem „Hechaluz" geglückt zu sein, auf straffe Organisation gestützt, jüdische Menschen in nicht zu langer Zeit umzuschichten. Allerdings sind die Chaluzim von ganz besonderer Begeisterung erfüllt, die Stätte der 28) Siehe Adler, a. a. O. S. 9 ff. „Die der Gesellschaft zur Verfügung gestellten Mittel sind auffallend gering", 17. Bericht des „Bodenkultur-Vereins" 1917, S. 8: „Von den vielen Millionen, die jüdischerseits für alle nur denkbaren Wohlfahrtszwecke gespendet worden sind, ist dem Bodenkultur-Verein auch nicht der allerkleinste Betrag zugewendet worden." Vorfahren mitaufbauen zu helfen, was wesentlich zum Erfolge beitragen dürfte. Ueber die ganz junge Tätigkeit der Berufsberatungsstellen heute schon ein Urteil zu fällen, erscheint uns verfrüht. Ohne Zweifel wären sie, wenn die Beratung Erfolg hat, ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Umschichtung. Daß schon Beratungsstellen eingegangen sind, nach so kurzem Bestehen, ermutigt allerdings nicht zu hoch gespannten Erwartungen. Was die Erfolge der Handwerks- und Bodenkultur-Vereine in der Frage der Um» Schichtung anlagt, so ist es unstreitbar gelungen, in kleinem Ausmaße deutsche Juden zur Landwirtschaft, in etwas größerem zum Handwerk umzuschichten. Es ist auch gelungen, deutsche Juden in den Berufen, zu denen sie umgeschichtet wurden, zu erhalten. Der Weg der Ausbildung in Lehrlingsheimen und Gartenbauschulen scheint der richtige zu sein, doch ist es fraglich, ob es gelingen wird, solche Ausbildungsstätten in so großer Zahl zu errichten, daß wirklich durch sie eine größere Anzahl deutscher Juden umgeschichtet werden könnte. Vorläufig scheint es uns nicht gelungen, die deutschen Juden in wirklich nennenswertem Umfange zur Landwirtschaft und zum Handwerk umzuschichten. Statistisches ArdiiY. DrpnAPn I Jüdische Philologen an yiCUUGII.j den hSheren Lehranstalten in Preußen. Nach dem Philologenjahrbuch (Breslau 1926) amtiert unter 420 Oberschuldirektoren einer (1) jüdischen Glaubens an einer Groß-Berliner Anstalt, unter den Studiendirektoren an Vollanstalten gibt es überhaupt keinen I»*4en. an Nichtvollanstalten sind zwei jüdische Studiendirektoren tätig und zwar an den 2 jüdischen Anstalten in Frankfurt a.M. Unter den 397 Oberstudienräten finden wir einen einzigen jüdischen Glaubens in Berlin. Bei den Studienräten sind die Juden mit 87 bei einer Gesamtzahl von 10032 vertreten (0,86%). Im Vorbereitungsdienst befinden sich 17 jüdische Studienassessoren. Sie befinden sich im sogenannten numerus clausus d h. sie können mit Bestimmtheit