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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 1-3 · p. Seite 88

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-3
Date
1926-01-01
Page
Seite 88 (sequence 19)
Language
German
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als Rassemerkmale. In manchen Gegenden sind die gradnasigen Individuen bei der jüdischen Bevölkerung in der Minderzahl, bei der nichtjüdischen in der Mehrzahl. Großen Wert pflegten die Anthropologen der alten Schule darauf zu legen, ob eine Rasse langköpfig oder kurzköpfig sei. D i e J u d e n sind weder eine langköpfige noch eine kurzköpfige Rasse, sondern von recht extremer Langköpfigkeit bis zu sehr ausgesprochener Kurzköpfigkeit finden sich alle Uebergänge unter den heutigen europäischen Juden und es gelingt nicht einmal zu sagen, welcher Kopfindex durchschnittlich einer jüdischen Bevölkerung eigentümlich sei, wenn man sich nicht auf ganz kleine Populationskreise beschränkt. Manchen anthropologischen Beobachtern ist aufgefallen, daß die Juden kurzköpfig sind, wo sie unter langköpfiger Bevölkerung leben, und langköpfig, wo sie unter kurzköpfiger Bevölkerung leben. Das ist zwar statistisch in einzelnen Fällen richtig, aber in keiner Weise zu verwerten, da die Fälle, wo die Juden kurzköpfig unter kurzköpfigerBevölkerungundlangköpfig unter langköpfiger Bevölkerung sind, ebensohäufig sind, nur daß die Fälle, wo Juden eine andere Kopfbeschaffenheit haben, auffällig sind, während diejenigen, wo sie übereinstimmen, der Beobachtung entgangen sind. Es ist nicht einmal richtig, daß die Juden kleiner sind in Deutschland als der Durchschnitt der Bevölkerung, unter der sie leben. Nehmen wir die Kinder der wohlhabenden jüdischen Familien, so sind diese sehr häufig im Durchschnitt größer und schwerer als die Kinder der minderbemittelten sonstigen Bevölkerung; nur ist es richtig, daß Europa in früheren Zeiten, wo die Bevölkerung noch nicht derartig gemischt war, wie es heute der Fall ist, von einer Bevölkerung besiedelt war, die im Durchschnitt an Gewicht und Körperlänge schlecht genährte heutige Juden bedeutend übertraf. Man muß nun freilich nicht denken, als ob durch gutes Essen allein die Erbanlage in bezug auf die Erreichung einer definitiven Körperlänge umgeändert werden könnte. Wir müssen hier wieder unterscheiden zwischen der K ör p e rl i ch k e i t u n d der Erbanlage. Durch Um weltseinflüsse, wie z. B. durch das Studieren, wird die Körperlänge größer als bei Landarbeit, während es sicher ist, daß selbst durch Generationen hindurch fortgesetzte Berufe nicht ohne weiteres die Erbanlage selber sich verändert. Die Erbanlage denkt sich die Wissenschaft in der gleichen Weise unveränderlich durch die Umweltseinflüsse wie in früherer Zeit die Chemiker sich die chemischen Elemente unveränderlich dachten, bis gezeigt werden konnte, daß auch die chemischen Elemente sich teilweise zerlegen lassen und ineinander umgewandelt werden können. So wird auch in der Erblehre die Zeit kommen, wo der Glaube an die absolute Unveränderlichkeit des Keimplasmas durch äußere Umstände fallen gelassen wird. Es wird aber die Ansicht als richtig bestehen bleiben, daß wir in vielen Fällen richtige Resultate erzielen, wenn wir annehmen, die Erbanlage wäre unveränderlich. Wenn wir also beobachten, daß bei den in der Stadt lebenden Juden unter günstigen Verhältnissen einzelne Individuen außerordentliche Körperlängen und Körpergewichte erreichen, so haben wir diese Tatsache nicht als etwas Neuerstandenes, durch die städtische Lebensweise erst Hervorgerufenes, zu betrachten, sondern es hat schon immer im jüdischen Volke Riesen gegeben, wie überhaupt in der Menschheit die Mög-

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