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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 4-6 · p. Seite 122

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 4-6
Date
1926-01-01
Page
Seite 122 (sequence 21)
Language
German
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- 122 — Aus der Statistik ergibt sich, daß die lettischen Juden in nur ganz geringer Zahl (0,04 %) die lettische Staatssprache beherrschen. Die 8.692 deutschsprachigen Juden (10,85 % der deutschsprachigen Bevölkerung) entstajnmen wohl aus Kurland und Riga und sind fast ganz im deutschen Wesen aufgegangen, während die 4 550 russisch sprechenden Juden völlig russisch orientiert sind. Die Statistik lehrt ferner, daß die überwiegende Mehrheit der lettischen Juden (=78 143) jüdisch (=Jargon) als Umgangssprache spricht, was nicht ausschließt, daß sie fast alle neben dem Russischen das Deutsche beherrschen, wenn auch mangelhaft. II. ESTLAND. Vor dem Kriege hatte das russische Gouvernement Estland eine Bevölkerung von 467 000 Seelen; die Zahl der Juden betrug etwa 3000 oder 0,63 % und war deshalb so gering, weil Estland außerhalb des Ansiedlungsrayons lag und daher nur wenige Juden Wohnrecht in diesem Gouvernement besaßen. Sie lebten hauptsächlich in der Hauptstadt Reval und in der Universitätsstadt Dorpat. Reval hatte (1897) 86 886 Einwohner, davon 1428 Juden oder 1,64 %; Dorpat zählte 42308 Seelen, davon 1450 Juden oder 3,43 %. Nach der letzten Volkszählung vom Jahre 1922 zählt die im Jahre 1918 begründete Republik Eest 1 111000 Einwohner, nämlich: Esten 1000 000 90,1 % Russen 65 000 5,8 % Deutsche 20 000 1,8 7o Schweden 7 000 0,6 % Letten 7 000 0,6 % Jaden 4 700 0,5 % Andere Nationen 7300 0,6 % 1 111000 100 % Reval hat eine jüdische Bevölkerung von 2200 Seelen, Dorpat zählt 1200 Juden; die übrigen leben in den estnischen Städten Narwa, Walk, Pernau (je 300) und Fellin, Wesenbergm Werro (je 150). Estland ist das erste und bisher einzige Land der Erde, das seinen Minderheiten kulturelle Autonomie gewährt hat. Nach den esthischen Minderheitsgesetzen steht bereits einer Minderheit von nur 3000 Köpfen das Recht auf kulturelle Selbstverwaltung zu. Auf der Konferenz des 1. jüdischen Kulturrats vom Juni 1926 wurde beschlossen, die autonomen Rechte zu einer Entwicklung jüdischer Erziehung und Kultur auszubauen. Auch in Estland steht die Frage der Muttersprache bezw. der Umgangssprache der Juden nicht eindeutig fest. Sie sprechen russisch und jiddisch, daher besitzt Reval (seit 1921) ein jüdisches Gymnasium mit russischer Unterrichtssprache, Dorpat eine sechsklassige private jüdische Volksschule (seit 1925), in der im Jargon gelehrt wird. Trotzdem beschloß der jüdische Kulturrat in Rej val, daß die Unterrichtssprache in den jüdij sehen Schulen Estlands von nun an h e b r ä -! isch sein solle; als Hilfssprache sei im Unterricht die jüdische Sprache (Jargon) zu benutzen. III. FINNLAND. Aus dem russischen Großfürstentum Finnland entstand im Jahre 1918 die unabhängige Republik Suomi (schwedisch Finnland). In Finnland hatten die Juden zur Zarenzeit kein Wohnrecht; nur die sogenannten „Nikolajewer", d. h. die zwangsweise zum Heeresdienst in der russischen Armee „gepreßten" Juden durften, wenn sie ihre 25- bis 30 jährige Soldatenzeit beendet hatten, sich in Finnland niederlassen und hatten dort Aufenthaltsrecht. Diejenigen, die von diesem Rechte zur Zarenzeit Gebrauch mach-

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