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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 4-6 · p. Seite 120

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 4-6
Date
1926-01-01
Page
Seite 120 (sequence 19)
Language
German
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— 120 - B. Nachkriegszeit. Lettland. Die Kaiserlich-russische Regierung wies im Jahre 1915 die gesamte Judenschaft Kurlands aus dem Lande. Innerhalb 24 Stunden mußten alle Juden Kurland verlassen und sich „nach Osten" begeben. ***) Die Zahl der Juden hat sich also während des Krieges um die Hälfte vermindert. Die am 18. November 1918 gegründete demokratische Republik Latvija (Lettland) setzt sich zusammen aus den eben besprochenen Provinzen Livland, Kurland und Semgallen, zu denen noch die reinrussische Provinz Lettgallen hinzukam, die zur Zarenzeit, weil im Ansiedlungsrayon gelegen, eine überaus zahlreiche jüdische Bevölkerung hatte. Auch die in Lettgallen ansässigen Juden hatten unter dem Krieg schwer gelitten: die Zahl der dort zerstörten jüdischen Wohnhäuser beläuft sich nach einwandfreien Berichten auf 11 568, was 27 Prozent der Gesamtzahl ausmacht. Es ist aber nicht zu verwundern, daß die Zahl der Juden auf dem Territorium des neu gegründeten Lettland (Lettgallen eingeschlossen) im Jahre 1925 nur etwa die Hälfte derjenigen von 1914 ausmacht: Gesamtbevölkerung davon Juden 1914: 2 552 000 190 000 oder 7,5 % 1920: 1515 600 79 300 „ 5,2 % 1925: 1854 805 95 675 „ 5,19% Die Zahl der Juden Lettlands hat mithin um nahezu 100 000 abgenommen. Immerhin bilden die Juden gegenwärtig die zweitstärkste Minderheit Lettlands, wie folgende Tabelle zeigt: Zahl in Prozenten Letten 1366126 73,4 Russen 193 648 10,5 •••) Vergl. Silviox Broedrich: „Die Juden im Kurland" im Sonderheft „Ostjuden" der Süddeutschen Monatshefte, Februar 1916, S. 740 f. Zahl in Prozenten Juden 95 675 5,19 Deutsche 70964 3,84 Polen 51 143 2,77 Weißrussen 38 010 2,06 Litauer 23 192 1,26 Esten 7 893 0,43 Andere Nationen 10 154 0,55 1854 805 100,00 Auffällig ist die starke Abnahme, welche die deutsch-baltische Bevölkerung infolge des sarken Rückganges der Geburtenzahl erfahren hat, während Juden und Russen ständig wachsende Geburtenziffern aufzuweisen haben. — Auf die 4 Provinzen und die einzelnen Städte verteilt, ergeben sich folgende Zahlen: 1. Provinz Livland mit der Hauptstadt: Einwohnerzahl davon Juden Riga 337 699 39 443 oder 11,68 % Smilten 3 251 253 „ 7,81% Lemsal 3 085 100 „ 3,18% 2. Provinz K u r 1 a n d mit der zweitgrößten Stadt Lettlands: Einwohnerzahl davon Juden Libau 60 762 9 850 oder 16,21 % Windau 16384 1276 u 7,79 % Goldingen 6912 769 77 11,13 % Talsen 4077 637 11 15,62 % Fiauenburg 3 693 401 11 10,86 % Kandau 1497 75 „ 5,68% Zabeln 1551 373 17 24,07 % Grobin 1288 126 71 9,78% Hasenpoth 3 348 629 11 18,79 % Saßmacken 1064 126 11 14,66 % Pilten 919 59 11 6,42% 3. Provinz S e m g a 11 e n mit der Hauptstadt: Einwohnerzahl davon Juden Mitau 28 321 1 997 oder 7,05 % Tuckum 7 167 1 024 „ 14,3 %

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