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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 4-6 · p. Seite 118

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 4-6
Date
1926-01-01
Page
Seite 118 (sequence 17)
Language
German
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— 118 - Die jüdische Bevölherang in den Baltischen Randstaaten, unter Berüdfsiditigung ihrer Umgangssprache. Von Studienrat Dr. P a u 1 Michaelis, Riga (Lettland). Eine historisch-statistische Darstellung der Geschichte .der Juden in den Ostseeprovinzen seit ihrer frühesten Niederlassung bis auf die gegenwärtige Zeit gibt einen klaren Ueberblick von dem zahlenmäßigen Aufschwung und der kulturgeschichtlichen Entwicklung, die Juden und Judentum in jenen Ländern durchgemacht haben. Unter den „russischen Ostseeprovinzen" verstand man die Kaiserlich-russischen Gouvernements Livland, Kurland, Estland. Aus Livland und Kurland, zu denen seit den ältesten Zeiten auch Semgallen gehörte, sowie aus der russischen Provinz Lettgallen wurde im November 1918 die demokratische Republik La t vi ja (Lettland) gegründet. Estland machte sich, ebenfalls 1918, unter dem Namen E e s t i selbständig. Schließlich muß das ehemalige russische Großfürstentum Finnland (finnisch: Suomi) als eigene Republik an der Ostsee erwähnt werden. Da Latvija 95 000 Juden zählt, Eesti dagegen 4700 und Finnland nur 1700, so verdient eine Darstellung der historisch-statistischen und kulturellen Verhältnisse der Juden Lettlands einen größeren Raum. I. LETTLAND. A. Vorkriegszeit. 1. Livland. Die Geschichte der Juden in Livland, insbesondere in der livländischen Gouvernementshauptstadt Riga, hat nicht vor der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen. Es ist urkundlich nachgewiesen, daß zur Zeit der polnischen Herrschaft über Livland (1560—1621) Juden in diesem Lande sich aufgehalten haben und dort ansässig gewesen sind, wenn auch nicht in Form von constituierten Gemeinden. Sie besaßen Aufenthaltsrecht ohne Berechtigung zum Handel. •) Zur Zeit der schwedischen Herrschaft über Livland (1621—1710), d. h. bis nach dem Anfang des 18. Jahrhunderts, wurden Juden in Livland ebensowenig geduldet wie im protestantischen Schweden. Erst nach 1710, als die siegreichen Heere des russischen Kaisers PeterI. Livland erobert hatten, erhielten die Juden wieder zeitweiliges Aufenthaltsrecht und andere Vergünstigungen. Unter der Kaiserin Katharina II traf man in Riga bereits einige angesehene Juden an („Schutzjuden"), und seit dem Jahre 1780. gab es in der Moskauer Vorstadt (Ghetto von Riga) eine privilegierte Synagoge. Doch die Erlaubnis zu einer definitiven Niederlassung der Juden als constituierte Gemeinde in einer Stadt Livlands, und zwar mit der gesetzlichen Erlangung der Bürgerrechte daselbst, beginnt mit dem Jahre 1785, als Katharina II den Juden gestattete, im Marktflecken S c h 1 o c k, vierzig Kilometer von Riga entfernt, sich niederzulassen. Diese in Schlock registrierten Juden erhielten später das Recht, in der Gouvernements-Hauptstadt Riga zu leben, wo sie mit den dort als „Schutzjuden" lebenden 15 Familien sich zu einer Gemeinde vereinigten unter der Bezeichnung: „Schlocksche Ebräergemeinde zu Riga domicilierend". Im Jahre *) „Judaeis vero nulla per totam Livoniam commercia, vectigalia, teloviare ullo unquam tempore concedamus." (Bestimmung aus dem zwischen dem livländischen Ordensmeister Gotthard Kettler und dem König Sigismund August von Polen im Jahre 1561 geschlossenen Unterwerfungsvertrag.)

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