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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 1-3 · p. Seite 24

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-3
Date
1926-01-01
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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ein Ueberblick über einzelne Berufe vorausgeschickt, insoweit etwas darüber nachzuweisen ist. Einige der freien Berufe waren ständig in jedeT jüdischen Gemeinde vertreten. Es sind darunter die zu verstehen, die nach Ansicht des Babylonischen Talmuds unbedingte Voraussetzung sind für den Aufenthaltsort eines Gelehrten*). Zu diesen zehn Vorbedingungen gehört das Vorhandensein eines Arztes, eines Aderlassers2), eines Lehrers, eines Schreibers, einer Armenverwaltung und eines Gerichts von 3 Männern3) regelmäßig unter dem Vorsitz des Oberrabbiners. — Daher waren von Beginn der Entwicklung der jüdischen Gemeinde an Rabbiner und Lehrer ansässig, die auch immer eine Anzahl Schüler hatten. Hieraus erklärt es sich, daß bei den Bevölkerungsgliederungen „Studenten" aufgezählt werden. Von 1520 an gab es ein Lehrhaus zur Ausbildung von Rabbinern. Dietz4) gibt schon für die Zeit bis zum Jahre 1241 die Namen von 6 Rabbinern an, von 1278—1500 weitere 26, im 16. Jahrhundert, bis 1711, weitere 406). Von hier an zählt er nur noch 10 auf, die den Titel Oberrabbiner führten. Es scheint daher auch ungerechtfertigt, wenn Bücher6) meint, daß man bei dem Vorkommen jüdischer Studenten „an eigentliche Hohe Schulen nicht zu denken habe". In der Tat waren immer in Frankfurt eine große Anzahl von Studenten, die auf Kosten der Gemeinde unterhalten wurx) Traktat Sanhedrin 13b, s. a. Maimonides, Mischneh Thora: Hilchoth Deoth. 4.23. 3) Häufig war der Arzt zugleich Aderlasser. 5) Nach § 98 der Stätügkeit von 1616 stand diesen das Recht zu, kleinere Streitigkeiten der Juden untereinander selbst zu schlichten. *) Stammbuch, VII. Teil, S. 385 ff. 6) Ein Teil von ihnen bekleidete wahrscheinlich das Amt eines Lehrers, und sie werden den Rabbinertitel nur auf Grund ihrer Ordination geführt haben. «) S. 567. den. Die Rabbiner waren verpflichtet, sie zu unterrichten. — Es kann uns nach dem Vorhergesagten auch nicht wundern, wenn wir in den frühesten Zeiten die Namen jüdischer Aerzte lesen. Wir erfahren von ihnen bei Stricker1), Carmoly2), Kriegk8), Horovitz4) und Dietz6). Einiges über ihre Lebensverhältnisse ist auch bei Hanauer6) erwähnt. Die gemeinschaftliche Quelle für alle sind die Medizinal- Akten des Stadtarchivs. Aus einer Verbindung der dort genannten Judenärzte zeigt sich folgendes Bild: Aus der Zeit vor der ersten Judenschlacht ist uns nichts von der Anwesenheit eines Arztes überliefert; aus der Zeit zwischen der ersten und der zweiten Judenschlacht hören wir nur von einem7). — Nach der Rückkehr, d. h. zwischen 1360 und 1400, sind nur 3 Aerzte erwähnt. Aus dem 15. Jahrhundert kennen wir 4 Aerzte und 2 Augenärztinnen, d. h. im ganzen 6; im 16. Jahrhundert 9 Aerzte, im 17. Jahrhundert 25, im 18. Jahrhundert 268) und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts9) 25. — Wir haben nach ihrer Tätigkeit 4 Arten von Aerzten zu unterscheiden und zwar allgemeine Aerzte und Aerztinnen, Stadtärzte, die von der Stadt gegen ein bestimmtes Gehalt und gegen besondere Vergünstigun- 1) Geschichte der Heilkunde. S. 68 ff. 2) Der Aufsatz: Die jüdischen Aerzte aus Frankfurts Vergangenheit. In der Zeitschrift „Israelitischer Volkslehrer ■ 1856. Band 6. 110 ff. 3) Frankfurter Bürgerzwiste. Anm. 253. *) Jüdische Aerzte in Frankfurt a. M. 5) Stammbuch: VIII. Teil, S. 593 ff. 6) Festschrift, S. 9 ff. 7) Hanauer (a. a. O ) erwähnt aus dem Jahre 1345 einen jüdischen Arzt: Isaac. 8) Es scheint nämlich aus den näheren Angaben hervorzugehen, daß Nr. 47 und 48 bei Dietz identisch ist mit Nr. 34 bei Carmoly a) Horovitz und Carmoly brechen um 1800 mit ihren Darstellungen ab, während Dietz, dem es zunächst auf die Geschichte der einzelnen Familien ankommt, seine Liste bis 1866 fortführt.

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