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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 1-3 · p. Seite 20

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-3
Date
1926-01-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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- -20 — sehr fern, stehen die .tertiären Mittelstadien', wohin die bekannten jüdischen Industrien gehören, wie die Holzbearbeitung, die chemische, Leder- und Papierindustrie. Die ,letzten Produktionszweige' schließlich dienen direkt dem Verbraucher. Sie sind solche traditionell jüdischen Berufe, in denen das Boden-Element verschwindend klein ist und die ganze Produktion im Arbeits-Element besteht." Wenn wir die Ziffern für jede der neun Teilgebiete besonders analysieren, so springt vor allem die überall gleiche Bedeutungslosigkeit der Urproduktion ,in dieAugen. Mit der einzigen Ausnahme Galiziens, wo in der Erdölindustrie des Dohobyczer Reviers eine gewisse Anzahl von Juden beschäftigt ist,*) erreicht der Prozentsatz der in diesem 4) Wir wollen kein Hehl daraus machen, daß die Ziffern betreffs des Drohobyczcr Naptha-Rayons bei uns kein besonderes Vertrauen hervorrufen. Und zwar aus folgendem Grunde: Wir haben vor uns die offiziellen Ziffern der österreichischen Berufsstatistik von 1900 und 1910. Danach waren die Juden in der Berg- und Hüttenindustrie Galiziens mit folgenden Zahlen vertreten: 1900: Selbständige 84, Angestellte 68, Arbeiter 698, Tagelöhner 190, mithelfende Familienmitglieder 13, zusammen 1053; 1910: Selbständige 114, Angestellte 213, Arbeiter 596, Tagelöhner 40, mithelfende Familienmitglieder 1, zusammen 964. In diesem Jahrzehnt zeigte sich somit bloß bei den Selbständrgen und Angestellten die Tendenz zum zahlenmäßigen Wachsen, während alle sonstigen Kategorien an Zahl abnahmen. Gleichzeitig ist die allgemeine Zahl der in dieser Industrie beschäftigten Personen (mit Einschluß der Selbständigen^ von 12723 auf 18377 gestiegen. Wir haben die Detailziffern leider nicht zur Hand, aber beim großkapitalistischen Charakter dieser Industrie unterliegt es keinem Zweifel, daß vor allem nicht die Zahl der Eigentümer, sondern die der Arbeiter und Tagelöhner, bis zu einem gewissen Grade auch die des technischen, kaufmännischen und Büropersonals (Angestellte) gewachsen ist. Bei den Juden sehen wir die umgekehrte Erscheinung. 1910 ist die Zahl der Selbständigen (und Angestellten) gegenüber 1900 größer, die Zahl der Arbeiter und Tagelöhner ist gefallen. Man kann somit bei der Berg- und Hüttenindustrie für dieses Jahrzehnt zwar von einem wachsenden Eindringen des jüdischen Kapitals und allen , Produktionszweig beschäftigten Juden nur in der Kielcer und Lubliner Wojewodschaft XJZ v. H., in allen übrigen Gebieten und im gesamtpolnischen Durchschnitt bleibt er unter "Ufo. „In der Berg- und Hüttenindustrie" — so heißt es im Vorwort zum vierten Band — „sind die Juden fast überhaupt nicht beschäftigt. Dieser Zv/eig ist deswegen nicht in unsere Enquete einbezogen worden." Diese Tatsache ist charakteristisch für das jüdische Wirtschaftsleben aller Länder. Als zweite allen Teil-Gebieten gemeinsame Grundtatsache ist die große Rolle, welche die letzten Stadien der Produktion spielen, zu verzeichnen. Doch sind hier schon bedeutende Verschiedenheiten vorhanden, die am schärfsten in falls noch von führendem Personal (Ingenieure, Direktoren, Buchhalter usw.,) aber von einer gleichzeitigen Verdrängung der jüdischen Arbeit sprechen. In Wirklichkeit handelt es sich vor allem um die Erdölindustrie des Drohobyczer Rayons. Dieser Verdrängungsprozeß hat übrigens viel früher begonnen, mit dem Moment nämlich, als an Stelle der primitiven Erdwachsproduktion die großkapitalistisch organisierte Naphtaproduktion trat. Auf diese Erscheinung haben mehrere jüdische Oekonomisten hingewiesen. So z. B. Borochow a. a. O, ferner Dr. Max Rosenfelds „Die polnische Judenfrage" (Wien 1918). Die Ziffern der vorliegenden Enquete zeigen aber eine gerade entgegengesetzte Tendenz. Die dort für 1914 angegebene Zahl der jüdischen Arbeiter (795) deckt sich ungefähr mit derjenigen für 1910 (850 mit Einschluß der Angestellten), wenn man berücksichtigt, daß ein Teil der Angestellten nicht direkt in der Produktion beschäftigt ist (kommerzielles und Büropersonal) und daß die Vorkriegsziffern nicht alle Betriebe umfassen. Für 1921 dagegen ist die Zahl der Arbeiter mit 1611 angegeben, also ein Wachstum von über 100%, während die allgemeine Arbeiterzahl nur um etwa 60% gewachsen ist (von 6555 auf 10479). Der Kommission, welche die Enquete durchgeführt hat, konnte doch unmöglich entgehen, daß das eine außergewöhnliche und auffallende Erscheinung ist. Es ist deshalb sehr bedauerlich, daß keine Andeutung über die Ursachen dieser Erscheinung sowie darüber, ob sie eine vorübergehende oder dauernde sein dürfte, zu finden ist. Dieses ganze Material müßte einer genauen Prüfung unterzogen werden.

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