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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 1-3 · p. Seite 18

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-3
Date
1926-01-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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leiten." Während jedoch die Angaben über den Moment der Zählung noch irgendwie zu kontrollieren waren, war ja dies inbezug auf die Vorkriegszilfern durchaus unmöglich. Und doch nehmen gerade diese Ziffern einen sehr wichtigen Platz im ganzen Werke ein. Sie werden allen Ernstes behandelt und beleuchtet und auf solch unsicheren Grundlagen werden wichtige Schlüsse gebaut. Diesen ganzen Teil der Arbeit halten wir, milde ausgedrückt, für überflüssig. Die Frauen- und Kinderarbeit wird in einer einzigen Tabelle behandelt, in der die Zahl der Arbeiter in den verschiedenen Produktionszweigen angegeben wird. Es fehlt aber die Differenzierung nach Alter und Geschlecht bei den arbeitenden Eigentümern und mithelfenden Familienmitglieder und ebenso bei der Verteilung der Arbeiterschaft auf die verschiedenen Betriebsgrößen und Produktionsmittel. Bei der Kinderarbeit ist in der erwähnten Tabelle nur die obere Grenze (15 Jahre) angegeben, während es doch wichtiger wäre, die untere Grenze festzustellen, d. h. das Alter, in dem die Kinder zum ersten Mal zur Arbeit herangezogen werden. Trotz alledem ist das hier besprochene Werk von überaus großem Wert. Denn trotz all dieser und anderer Mängel gibt uns das gewaltige Material die Möglichkeit, uns ein mehr oder weniger klares Bild von der Struktur der jüdischen Arbeit in Polen, von ihrer inneren Gliederung und relativen Stärke ihrer einzelnen Zweige zu machen. All diese Mängel können gewiß da und dort das Bild verschieben, aber das Wesen der Sache ändern können sie nicht. Das Werk ist daher bei all seinen Mängeln ein überaus wichtiger Beitrag zur Naturgeschichte der jüdischen Arbeit im Lande der größten jüdischen Massensiedlung in Osteuropa. II. Wir wollen auf Grund dieser Materialien — z. T. im Vergleich mit älteren Daten — eine Reihe von Problemen des jüdischen Wirtschaftslebens zu beleuchten versuchen. Die erste Frage, die Grundfrage bei der Betrachtung der jüdischen Produktion, ist: In welchen Zweigen der Produktion sind die jüdischen Massen in erster Linie beschäftigt? Diese Frage beantwortet Tabelle I (Seite 19)3) Diese Tabelle ist auf Grund der Enquete-Ziffern zusammengestellt, jedoch in anderer Gruppierung der Produktionsklassen (auch die Prozentziffern sind von uns errechnet). Die Gruppierung der Produktionszweige ist übernommen aus B. Borochows kleiner, aber origineller Schrift „Die ökonomische Entwicklung des jüdischen Volkes" (deutsch im Verlage Poale-Zion Berlin erschienen). Auf Grund der Theorie von Otto Efertz teilt Borochow die Produktionszweige je nach ihrer Naturnähe, d. h. nach der Rolle, die der Boden (die Natur) oder die menschliche Arbeit in ihnen spielt, folgendermaßen ein: „Die ersten Produktionsstadien. Das sind also der Ackerbau, die Gärtnerei und die Viehzucht Hier ist das ,Boden'-Element das größere und das ,Arbeits'-Element vergleichsweise sehr klein. Etwas entfernter von der Natur steht schon die industrielle Urproduktion', wie der Bergbau, die Steinbrüche, die Forstwirtschaft mit ihren Verzweigungen. Hier ist das Arbeitselement schon größer als in der vorigen Kategorie. Noch weiter sind die sekundären Mittelstadien der Produktion' der Natur entrückt. Dazu gehören die Metallindustrie, die Weberei, das Baugewerbe. Dem Verbraucher ganz nah und der Natur schon *) In der Enquete ist die Zahl der Beschäftigten in drei Zeitpunkten angegeben: Saison, Nichtsaison und Moment der Zählung. Wir verwenden die Ziffern der Saison, d. h. des Moments voller Beschäftigung der Betriebe.

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