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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1926-01-01 · Heft 1-3 · p. Seite 10

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1926) (Neue Folge)
Issue
Heft 1-3
Date
1926-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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nungen eine ziemlich große Anzahl als 'überbevölkert anzusehen ist (mit mehr als 4 Personen je Zimmer), darunter 21 Einzimmerwohnungen. Man ist der Ansicht gewesen, daß es von Interesse sein würde, in der Tabelle f die Wohnungen nach dem Einwandererjahr der Besitzer zu teilen. Es zeigt sich nun, daß die vor 1906 nach Kopen. hagen gekommenen russischen Juden wesentlich günstigere Wohnverhältnisse als die in den Jahren 1906—13 Eingewanderten haben, während die kriegseingewanderten Juden diesen beiden Gruppen voranstehen. Dies stimmt mit den früher mitgeteilten Angaben über die Erwerbsverhältnisse der russischen Juden, nach Einwandererjahren geteilt, überein. Oft hat man die einzig dastehende Fähigkeit der Juden, sich im Erwerbsleben Geltung zu verschaffen, hervorgehoben. Einer meiner Bekannten sagte treffend: „Falls die Juden eines schönen Tages mit leeren Händen dastehen werden, wären sie in ganz kurzer Zeit wiederaufeinem grünen Zweig". Wird nun diese Annahme durch die über die russischen Juden gemachten Erfahrungen bestärkt, die beinahe alle (die kriegseingewanderten ausgenommen) als Proletarier nach Dänemark kamen? Falls die Frage im allgemeinen von der Fähigkeit der jüdischen Nation handelt, sich emporzuarbeiten, muß die Antwort bejaht werden, indem, wie wir gesehen haben, schon eine fühlbare Verbesserung der Stellung der russischen Juden eingetreten ist. Wird die Aufmerksamkeit dagegen darauf gerichtet, ob das Aufrücken schnell vor sich geht, weisen die Untersuchungen eher die entgegengesetzte Richtung. Selbst die am frühesten (vor dem Jahre 1907) eingewanderten Juden gehören noch zu einem sehr wesentlichen Teile der Unterklasse an, und nur verhältnismäßig wenige von ihnen treiben z. B. selbständigen Handel, wofür die jüdische Nation nach der allgemeinen Auffassung besondere Veranlagungenoffenbart. IndieserBeziehungmüssen aber viele Umstände in Betracht gezogen werden. Einerseits waren die russischen Juden bei ihrer Ankunft nicht nur ohne Vermögen, es fehlten ihnen auch solche Kenntnisse, die ihnen im wirtschaftlichen Leben von Nutzen sein könnten, ja, sie kannten nicht einmal die Sprache des Landes und standen deshalb in doppeltem Sinne ohne Mittel da. Andererseits fanden sie aber hier in der Stadt eine alte jüdische Gemeinschaft vor, die ihnen Hilfe bot, nicht nur mit Geld, sondern auch mit Einsatz ihres großen Einflusses. Und nicht am wenigsten zogen sie aus den beiden jüdischen Schulen Nutzen, die sich bereitwillig ihrer Kinder annahmen. Zwar wird der Vorteil des guten Schulunterrichts erst am Nachwuchs in vollem Umfange in Erscheinung treten, der weit besser gerüstet ist, ins Leben hinauszugehen als die Eltern, aber mittelbar sind auch die Schulen für letztere nützlich gewesen und haben ihnen die Aufnahme in die dänische Gesellschaft erleichtert. Wahrscheinlich wird die soziale Kluft, die jetzt die dänischen von den russischen Juden trennt, einmal überbrückt werden. Unsere Untersuchung rechtfertigt aber die Annahme, daß diese Zeit weit in der Zukunft liegt, denn man muß in Betracht ziehen, daß es nicht nur die Erlangung einer wirtschaftlichen, sondern auch einer kulturellen Gleichstellung gilt, und letztere von den beiden wird gewiß die größte Arbeit verlangen.

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