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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1925-01-01 · Heft 2 · p. Seite 32

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1925) (Neue Folge)
Issue
Heft 2
Date
1925-01-01
Page
Seite 32 (sequence 34)
Language
German
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- 32 - Zusammenfassend sagt der Verfasser, daß die Juden vor dem Kriege relativ günstige Tüberkuloseziffern aufwiesen. Durch die Entbehrungen und Umwälzungen, die der Krieg (besonders für die Juden Osteuropas) mit sich brachte, hat sich hierin ein fataler Umschwung vollzogen, und noch Jahr» zehnte lang wird diese furchtbare Seuche unter den Juden ihre ungezählten Opfer fordern. Am Schluß seiner Ausführungen gibt Haltrecht Maßregeln zur Bekämpfung der Tuberkulose an. Dieses Schlußwort dürfte allseitige Zustimmung finden. Es sei im Zusammenhang, wörtlich gebracht: I „Vergleicht man die Tuberkuloseausbreitung bei Juden und Nichtjuden vor dem Kriege In Hen einzelnen Ländern., so läßt sich, mit Ausnahme des Orients, fast überall das kleinere Ergriffenwerden der Juden feststellen. Sehr ungünstig gestalteten, sich die * r_____i-!• i j „ i___ : ______t_____i„ __ir^:___ w/:- veruciiuiisst: in üiiu uäuu ucni i\iicgc. wn konnten auf Grund zahlreicher Materialien die erschreckend hohe Zunahme der Tuberkulose bei den Juden während des Krieges und in der Nachkriegszeit beweisen. In einem noch nie dagewesenen Umfange wütet jetzt die „weiße Pest** unte rder jüdischen Bevölkerung Osteuropas, Erschütternd sind die enormen Zahlen der schwindsüchtigen jüdischen Kinder. In solch einer Zeit ist die Bekämpfung der Tuberkulose von allergrößter Bedeutung. Mit Recht gehört jetzt das Tuberkuloseproblem zu den aktuellsten und all erwichtigsten Fragen der jüdischen sanitären und Wohlfahrtsgesellschaften. Trotz alledem ist aber bis heute auf dem Gebiete der Bekämpfung der Tuberkulose bei den Juden noch sehr wenig geschehen. Wahrscheinlich aus Mangel an Geldmitteln, vielleicht aber auch aus Mangel an Organisation und Verständnis. Denn das Wenige, was geleistet wurde, entspricht nicht im geringsten den Prinzipien der modernen sozialen Tuberküloseprophylaxe. Die Tuberkulosebekämpfung bei den Juden trägt meist philantropischen Charakter; man beschränkt sich auf die Unterstützung von armen Schwindsüchtigen. Eine rationelle Bekämpfung der Tuberkulose darf sich nicht nur auf die Hilfeleistung für das erkrankte Individuum erstrecken* sondern muß sich vor allem gegen die Ausbreitung der Tuberkulose wenden. Die Verhinderung des Uebergreifens der Krankheit auf Gesunde ist viel wichtiger, als die Unterstützung bedürftiger Schwerkranker. Die Bekämpfung der Tuberkulose bei den Juden muß ihren philantropischen Charakter auf» geben und die Form einer großzügigen sozialen Tuberkuloseprophylaxe: annehmen, Wir können hier nicht auf ihre Einzelheiten eingehen und werden nur stichwortartig ihre Hauptpunkte erwähnen. Eine konsequente und zielbewußte Tuberkulosebekämpfung muß einen komplizierten und weitverzweigten Apparat von Anstalten, wie Tub er kulosefürsorg est eilen, ' Lungenheil- und Heimstätten, Walderholungsheime (Tagessanatorien), Belehrungsvorträge und Ausstellungen, Polikküniken usw. umfassen. Für den Schutz des Kindes, auch des noch nicht erkrankten, muß gleichfalls Sorge getragen, werden. Für Kinder schwindsüchtiger Eltern, sowie für Leichtinfizierte, müssen entsprechende Heime gegründet werden. Audi von den Freiluftschulen, Externaten und Kinderspeisungen, die keine sehr großen Mittel erfordern, muß reichlich Gebrauch gemacht werden. Nur wenn all diese Mittel angewandt werden, kann man einen Erfolg erwarten. Eine derartige großzügige Arbeit kann auf keinem Fall den lokalen Wohltätigkeitsvereinen überlassen werden. Die in den letzten jähren seitens der Gesellschaften für den Gesundheitsschutz der Juden, wie „Ose", „Toz*-, entwick elte Antitub erkulosetätigkeit hat, wenn auch in kleinem5 Umfange, doch vieles Gute geleistet Aber auch sie sind nicht imstande, einer so weitverzweigten und kostspieligen Arbeit ganz gerecht ..zu werden, ihre Antitub erkulosetätigkeit bildet nur einen Teil ihrer vielen sanitären Aufgaben? und schon aus diesem Grunde ist nicht zu erwarten, daß sie der Tuberkulosebekämpfung die erforderlichen großen Geldmittel widmen können. Den Kampf gegen die Schwindsucht kann nur eine spezieil für den Zweck gegründete Organisation führen. Wie noch nie, ist die Gründung einer Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den

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