Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1925) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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17 - teilt sind. Auch hier bilden die jüdischen Arbeiter den größten Prozentsatz in den traditionell jüdischen Branchen, den kleinsten in der Metallbranche usw. Je qualifizierter die Arbeit ist, je größer die Unternehmungen, desto geringer ist der Prozentsatz der Juden unter den Arbeitern. In den Unternehmungen der Bekleidungsbranche z. B. bilden die Juden 59,6 Prozent, in den Metallfabriken aber sind 1,6 Prozent, in den kommunalen Unternehmungen (Elektrizitäts- und Wasserwerke usw.) bloß 5,9 Prozent. Meikwürdig und interessant ist die Tatsache, daß während der ganzen Revolution in Rußland die jüdischen Arbeiter weder bei der Eisenbahn, noch bei der Post, Telegraph und Telephon, geschweige denn in den großen Elektrizitätswerken, Metallwerken, der Bergindustrie usw. usw., irgendwelche bedeutende Position erobert haben. Die Statistiken von Weißrußland und dem Gouvernement Hornel, einer Gegend mit einer dichten jüdischen Arbeitermasse, zeigen uns, daß es in den Eisenbahngewerkschaften dieser Gegend bloß 0,9 jüdische Mitglieder gibt. Diese jüdischen Mitglieder sind aber bekanntlich keine Arbeiter, sondern Angestellte der Eisenbahn - Konsumgenossenschaften, Agenten usw. Die Statistik der Ukraine zeigt, daß in den ukrainischen Eisenbahngewerkschaften es i— „1___„i. __t___i__„:uj. uuemaupi iabi kcuic juucii giuu Also auch in diesem Lande schmachtet der jüdische Arbeiter noch heutzutage in den Handwerks-Werkstätten, die jetzt fast ausschließlich im Privatbesitz sind. Nunmehr ist auch das alte „Sweating- System" wieder auferstanden. Und wieder, wie in den „guten alten Zeiten" arbeitet der jüdische Arbeiter ungeheuer schwer und bitter -- „12-18 Stunden pro Tag." Wieder, wie in den „guten alten Zeiten" „blüht" der Stand der jüdischen „Heimarbeiter", die unter den denkbar schwersten Bedingungen arbeiten, im selben Zimmer, wo Frau und Kind schlafen, 18 Stunden ununterbrochen für einen miserablen Lohn. In seinem unlängst erschienenen Büchlein „Die Wahrheit über die Juden in Rußland" bringt Jakob Lestschinsky unvergeßlich traurige Bilder aus dem jüdischen Arbeiterleben und den Arbeitsbedingungen in Rußland, Bilder leider nicht erdachte, sondern wirkliche, von Kommunisten selbst in ihren Zeitungen geschildert. Diese Bilder dienen als beste Illustration der „Eroberungen" der jüdischen Arbeiterklasse Osteuropas. Die überaus ungünstig materielle Lage des jüdischen Proletariats Osteuropas birgt eine große Gefahr für seine weitere Entwicklung und kann zu keinen „Eroberungen" und „Errungenschaften" führen. Sief ührt dazu, daß der jüdische Arbeiter bei der kleinsten Möglichkeit die Arbeit wegwirft und anderswo sei „Glück" sucht. Wer die Entwicklung und die Gestaltung der jüdischen Emigration aus den osteuropäischen Ländern in den letzten paar Jahren verfolgt, wird leicht bemerken, daß gerade der jüdische Arbeiter der erste ist, der auswandern will. Er geht nach den entlegensten Orten Süd- und Mittelamerikas, nach Australien usw. und es ist möglich daß viele dieser Arbeiter der jüdischen Arbeiterklasse verloren gehen, weil in den neuen Orten die jüdischen Arbeiter nicht | zur Werkstatt und Fabrikarbeit gehen, son- | dem zum Handel, Hausieren usw. In Sowjet-Rußland, wo die Auswanderungsmöglichkeiten für einen jüdischen Arbeiter fast ausgeschlossen sind, sieht der jüdische Arbeiter seine Rettung in der Landwirtschaft. — Charakteristisch genug ist die