Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 5-6 (August 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 124 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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— 124 50 346). Es erklärt sich dies daraus, daß die gemischten Schulen fast sämtlich Privatschulen sind. Wie groß ist nun der Anteil der Juden in den Mittelschulen aller Kategorien im Vergleich zu ihrem Anteil an der Bevölkerung? Es läßt sich heute auf diese Frage noch keine Antwort für ganz Polen geben. Es fehlen nämlich Angaben über die nationale Zusammensetzung der städtischen Bevölkerung, welche bekanntlich die größte Schülerzahl zu den Mittelschulen stellt. Ein Vergleich zwischen Warschau und Lodz ergibt folgendes: in Warschau, wo die jüdische Bevölkerung 33,7% aller Einwohner ausmacht, betragen die jüdischen Kinder in den Mittelschulen nic.:t mehr als 29,4%, andererseits in Lodz ist der Anteil der jüdischen Schüler 50,9%, während sie 34,5% der Bevölkerung bilden. Aus den eben angegebenen Gründen ist es auch unmöglich, festzustellen, wie stark der Schulbesuch der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung ist, obgleich die polnische Statistik diese Ziffern bringt. Wir benutzen sie nicht, weil die dabei angewandte Methode sicher falsch ist. Die polnische Statistik berechnet einfach die Zahl der Schüler auf die Zahl der Bevölkerung in den entsprechenden Bezirken, während die Schüler zumeist, wie wir weiter sehen werden, ein städtisches Element sind. Es ist klar, daß bei einer derartigen Methode der Schulbesuch bei den Juden viel höher sein muß, als bei den Nichtiuden. Die Mit- •/ teilungen, die wir für Warschau bekommen, zeigen, daß es sich in Wirklichkeit nicht immer so verhält. Es treffen auf 326 881 nichtjüdische Einwohner aus Warschau 23375 «-I1 +1 i\ i o /"» V» r\ C j". Vn" 1 *■ /4 a« l\ A 4 4-+ r\ 1 r» r* V» . * 1 r\ *-% niLnijUUlSCuc jvuuici m ueu ivliuciswiiuicii, auf 309165 jüdische Einwohner 9577 jüdische Schüler. Mit anderen Worten, auf je 10000 Einwohner sind bei den Juden 309,7, bei den Nichtjuden 372,9 Schüler vorhanden. Berücksichtigt man sogar, daß nur 89,7% (29563) der Warschauer Schüler ortsansässig sind und daß die übrigen 10,3% aus der Umgebung Warschaus zumeist Christen sind, so zeigt sich ebenfalls, daß die nichtjüdische Bevölkerung die jüdische übertroffen hat. Interessant ist es, den Anteil in der Mittelschule bei der jüdischen Bevölkerung mit jener der übrigen nationalen Minderheiten in Polen zu vergleichen — Deutschen, Russen, Ukrainer und anderen. Ein Blick auf die Tabelle 1 zeigt, daß die jüdische Minderheit sich in keiner ärgeren Lage befindet. Wir sehen sogar, daß von den Orthodoxen die Reichsschulen in einem geringeren Prozentsatz besucht werden, — 10,9% — als von den Juden, während die Lage beider Gruppen der nationalen Minderheiten ganz verschieden ist. Wenn die jüdische Jugend zumeist Privatschulen besucht, so geschieht dies deswegen, weil für sie bei den Reichsschulen keine Aufnahmemöglichkeit existiert. Die übrigen Minderheiten dagegen meiden mit Absicht die polonisierenden Reichsschulen und schicken ihre Jugend in private Gymnasien, wo in der Muttersprache unterrichtet wird. Wir finden eine indirekte Bestätigung dieser Ausführungen in folgenden Ziffern, welche die Verteilung der Schüler nach der Unterrichtssprache darstellen: Es besuchten die Mittelschule: mit polnischer Unterrichtssprache . 199 654 Schüler mit deutscher Unterrichtssprache . . 7 749 Schüler mit ruthenischer Unterrichtssprache . 4 129 Schüler mit russischer Unterrichtssprache . 3 452 Schüler mit jüdischer Unterrichtssprache . . 2 066 Schüler mit hebräischer Unterrichtssprache . 2 048 Schüler mit weißrussisch. Unterrichtssprache 894 Schüler mit litauischer Unterrichtssprache . 627 Schüler mit französischer Unterrichtssprache 237 Schüler Vergleicht man die Zahl der evangelischen Schüler mit der Zahl der Schüler in den Schulen mit deutscher Unterrichtssprache,