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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-08-01 · Heft 5-6 (August 1924) · p. Seite 116

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 5-6 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 116 (sequence 26)
Language
German
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- 118 in jenen schicksalsschweren Tagen von der Gunst und der mehr oder weniger judenfeindlichen Gesinnung der einzelnen Militärführer ab. Am schwersten wurden Kurland und das Gouvernement Kowno betroffen, in denen die Ausweisungen den Charakter mittelalterlicher Judenvertreibungen annahmen. Aber auch in anderen Teilen des russisch-jüdischen Niederlassungsgebietes wurden in den Jahren 1915 und 1916 jüdische Städte und Städtchen binnen weniger Tage, zuweilen in 24 Stunden „gesäubert". Ein Massenexodus, wie ihn die moderne jüdische Wandergeschiclre auch während der Pogrornjabre 1905 6 nicht gesehen hatte, setzte gleich nach Beginn des russischen Rückzuges, im Sommer 1915, ein, riß hunderttausende Juden aus ihrer Umgebung heraus, zerstörte in wenigen Monaten uralte jüdische Gemeinden und TfiS sie nach kurzer Zeit im Innern Rußlands, häufig im entferntesten europäischen Osten, an Orten entstehen, die seit ihrer Gründung keine zehn Juden beisammen sahen. Es hatte zuweilen den Anschein, daß ganze jüdische Städte samt all ihrem geistigen und sozialen Zubehör wie Nomadenlager über Nacht umkampierten und in neuer und völlig fremder Umgebung ihre alten Zelte wieder aufschlugen. Es wird wohl kaum jemals möglich sein, die Zahl dieser jüdischen Kriegswanderer auch nur annähernd festzustellen. Eine j Zählung der Flüchtlinge und Ausgewiesenen war unter den herrschenden Umständen naturgemäß nicht denkbar und ist auch fast nie — weder am Herkunfts-, noch am Ankunftsorte — vorgenommen worden. Lediglich an indirekten Momenten, wie an der Höhe der gewährten Unterstützungen, der Zahl der verteilten Kleider usw., namentlich aber am Entstehen und Wachsen der jüdischen Gemeinden an den Orten, wo die jüdischen Wanderer verschlagen wurden, kann man schätzungsweise den Umfang der jüdischen Wanderbewegung während des Krieges ermessen. Aber auch diese Berechnungen sind keineswegs zuverlässig und können keinen Anspruch auf Genauigkeit erheben. Man greift wohl eher zu niedrig als zu hoch, wenn man die Gesamtzahl der von Mai 1915 bis Ende 19 i 6 zwangsweise umgesiedelten Juden mit 400000 bis 500000 anschlägt. Bei einer approximativen jüdischen Bevölkerung von zirka 3 Millionen Seelen (wir ziehen selbstredend nur die jüdische Bevölkerung derjenigen Gebiete Rußlands in Betracht, aus denen der geschilderte Exodus vor sich ging), beträgt somit die Zahl der Ausgewiesenen und Geflüchteten annähernd 15^. II. Im Vergleich mit dieser Binnenwanderung war die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika während des Krieges minimal. Die Frontlinie bildete eine künstliche Barriere, die den Hunderttausenden Amerikawanderer den Weg nach den westeuropäischen Häfen mit einem Schlage versperrte. Von 138051 im Jahre 1914 ging daher die jüdische Einwanderung nach den Ver. St. auf 26497 im Jahre 1915 zurück und betrug im Jahre 1919 nur noch 3055 Seelen. T * U Ä 1 1 a T idUCiiC 1. Jüdische Einwanderung nach den Vereinigten Staaten 1915—1923. Jahre Jüd. Einwanderer Jahre Jüd. Einwanderer 1915 26 49? 1920 14 292 1916 15108 -d JLö£i 119036 1917 17 342 1922 53524 1918 3672 1923 49 719 1919 3055 1915—1923 302 245 Bei einer Gesamteinwanderung von 1172679 Seelen zählte man in den Vereinigten Staaten vom 1. Juli 1914 bis 30 Juni 1919 65674 Juden, Von 10,85^ während

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