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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-05-01 · Heft 3-4 (Mai 1924) · p. Seite 86

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 3-4 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 86 (sequence 30)
Language
German
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- 86 — her nur wenig Unterstützung erhalten haben. Formale Rechtsanerkennung, eine Verwaltung, unvergleichlich besser als sie je unter türkischem Regime war, und die daher ganz andere Betätigungsmöglichkeiten bietet, ist wohl vorhanden, allein die wirtschaftliche Erschließung des Landes, die Durchführung unseres großen Kulturwerkes, die Erfüllung der mannigfachen wissenschaftlichen Aufgaben — dies alles gilt für uns mit eigenen Kräften zu vollbringen, ohne wesentlich auf fremden Beistand rechnen zu können. So liegen die Dinge, und mit dieser Sachlage werden wir uns noch lange hinaus abfinden müssen. Uns interessiert an dieser Stelle vor allem die wissenschaftliche Seite der Palästinawirtschaft, deren systematische Erforschung wir geradezu als Vorbedingungen für eine gedeihliche wirtschaftliche Erschließnng des Landes ansehen möchten. Daß „Studieren jeglichem Probieren" im ökonomischen Prozeß vorausgehen muß, gilt dem modernen Menschen als unerschütterliches Credo. Erst recht aber sollte dies inbezug auf die Wirtschaft Palästinas der Fall sein, deren komplizierte Struktur nicht nur sehr wenig bekannt, sondern — aus äußeien wie inneren Gründen — augenblicklich auch noch starken Wandlungen unterworfen ist. Schon die politische Umgestaltung bedingt notwendig eine wirtschaftliche Umwälzung. Palästina hat aufgehört, ein integrierender Bestandteil des türkischen Wirtschaftsverbandes zu sein, ist ein selbständiger Staatsorganismus geworden und dabei in engste kommerzielle Beziehungen zu Aegypten getreten. Es kommt hinzu, daß die Kapitulationen, auf denen sich zu einem bedeutenden Teil das Wirtschaftsleben Palästinas aufbaute, inzwischen außer Kraft gesetzt worden sind. Nun die ständig zunehmende Einwanderung, die wachsende Entwicklung des Gewerbelebens, die Schaffung neuer Industrien, die Urbarmachung weiter bisher öder Landstrecken — dies alles macht, in der Einzelwirtschaft wie in der Gemeinwirtschaft, tiefeinschneidende Reformen auf dem Gebiete des Zoll- und Steuerwesens, des Geld- und Finanzwesens, des Handels- und Agrarwesens zur unerläßlichen Notwendigkeit. Die dazu erforderliche Aufklärungsarbeit, die zugleich vorbereitend und anregend sein soll, hat nun die „P a 1 e s t i n e Economic Society" auf sich genommen, welche von einer Gruppe prominenter Persönlichkeiten aus kaufmännischen und industriellen Kreisen Jaffas im Jahre 1921 ins Leben gerufen worden ist. „Aufgabe der Gesellschaft soll es sein", so heißt es im Prosrammentwurf „alle Fachleute und Ken- »—3> ner Palästinas nach den verschiedenen ökonomischen und technischen Seiten hin zu vereinigen, um auf diese Weise von der gegenwärtigen Lage und den künftigen Bedürfnissen des Landes ein klares Bild zu bekommen und dementsprechend die Gesetzgebung zum Wohle der Bevölkerung beeinflussen zu können. Eine gleich wichtige Aufgabe der Gesellschaft soll es ferner sein, Unternehmer, sei es Korporationen, sei es Einzelpersonen, im In- und Auslande mit allen wichtigen Informationen zu versehen, und damit die Begründung von Unterneh- <3 ~ ~ O - - — mungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft, der Industrie und des Handels zu ermöglichen. Durch dieses Vorgehen hofft die Geseilschafft in erheblichem Maße zur wirtschaftlichen Erschließung und Entwicklung des Landes beizutragen." Die Vorbedingung für eine erfolgreiche Betätigung war freilich die voraussetzungslose und unvoreingeomm e n e Arbeitsweise. In diesem Sinne vorzugehen, hat sich in der Tat auch die

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