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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 8

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1924) (Neue Folge)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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— 8 — keit im jüdischen Handel, im Handwerk und der Industrie. Besonders empfindlich war die Arbeitslosigkeit in Warschau und auch in Bialystok wurde die Arbeit in den Fabriken eingestellt. Nicht besser war es in Wilna, Minsk und Bobruisk. Die Einstellung der Holzindustrie übte einen starken Einfluß auf die jüdische Bevölkerung der nordwestlichen Gegend aus. Dessen ungeachtet begannen die Wunden, welche der Kriegsbeginn der jüdischen Bevölkerung auf wirtschaftlichem Gebiete geschlagen hatte, schnell zu heilen. Nach einigen Schwankungen stand die Front in einer bestimmten Linie fest, doch blieb West-Polen von Rußland abgeschnitten. Die , Zahl der Flüchtlinge und der Vertriebenen betrug etliche 10 000, und der größte Teil von ihnen konnte in die alten Orte zurückkehren. Im ersten Kriegsjahre waren die Wirtschaftsquellen des großen Rußland so gut wie garnicht erschöpft. Unbekümmert um die Mobilisierung blieben im russischen Dorfe noch genügend Arbeitskräfte zurück. Mit Ausnahme der Grenzgegenden ist die Aussaat der Felder nirgendwo in Rußland verringert worden. Von Mangel an Nahrungsmitteln konnte überhaupt keine Rede sein. Die Verluste des Lodzer Industriebezirkes konnten durch intensive Arbeit der Moskauer Fabriken gedeckt werden. Infolge ihrer Fähigkeit, neuen Bedingungen sich anzupassen, hatte die jüdische Bevölkerung zwar einige Nahrunesauellen verloren, aber andere V_J <-_> i / neue gefunden. An Stelle der gelösten Beziehungen zum Auslande und teilweise auch zu Zentralrußland, bekam die jüdische Bevölkerung einen neuen gewaltigen Konsumenten, die Riesenarmee, für welche die Militärmacht alle Hilfsquellen des Landes ausnützen mußte. Da die Armee nahe der Westgrenze konzentriert war, wurde dem jüdischen Handel und Handwerk eine Quelle verschiedener Einkünfte erschlossen. Wenngleich der Krieg im ersten Moment sehr viele Menschen ruiniert hat, begann er sehr schnell neue Reiche zu schaffen. Er verschaffte auch viel Arbeit der Arbeiterklasse. Die Juden sind besonders in den Produktionszweigen beschäftigt, welche für jede Armee ein besonderes Bedürfnis darstellt: Schneiderei, Schuhmacherei, Produktion von Nahrungsmitteln. Auf diese Weise ging die Arbeitslosigkeit schnell vorüber und es entstand im Gegenteil eine große Nachfrage nach Arbeitskräften. Die jüdischen Handwerker wurden mit Arbeit überschüttet. Glänzend verdienten beispielsweise die Transporteure, die im gewissen Ausmaß die ungenügende Tätigkeit der Bahnen ergänzten. Nur in Warschau bestand eine große Zahl jüdischer Arbeitslosen, da wenig Rohstoffe vorhanden waren und die Galanterie-Waren nicht verkauft werden konnten. Die Arbeitslosen zogen zum Teil nach Osten und fanden dort Arbeit. Der Heilungsprozeß war auch in der Tätigkeit der Kreditinstitutionen zu beobachten. Die russischen Banken funktionierten mehr oder weniger ungenügend. Alle jüdischen Leih- und Sparkassen wurden zwar zu Anfang des Krieges gezwungen ihre Tätigkeit gänzlich einzustellen, oder die Herausgabe der Depositen einzuschränken. Bald aber ergoß sich aus dem Ansiedlungs-Rayon allenthalben ein Strom ökonomischen Lebens und die Arbeit der Leih- und Sparkassen hob sich wieder, sogar noch im stärkeren Maße als zuvor. Sie nahmen gewöhnlich militärische Aufträge entgegen, verteilten sie unter die Mitglieder und sicherten ihnen besondere Arbeitsbedingungen. Im großen und ganzen ist also, wenn man von den direkten Opfern der Kriegs-Operationen absieht, die Wirtschaftslage der jüdischen Be-

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