Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1924) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Baku 1× ep/1000527
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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Verbreitung der Elektrizitätskräfte in der Manufakturindustrie des Lodzer und Bialostocker Bezirks wurde es möglich, Fabriken mit einer gemischten Arbeiterbevölkerung einzurichten, die an verschiedenen Tagen der Woche ruhte, und dadurch wurde das Eindringen der jüdischen Arbeit in den Betrieben erleichtert. Es entstanden Manufakturzentren, in denen die jüdische Arbeit die Hauptrolle spielte. Indessen blieb die Hauptmasse der jüdischen Arbeiter in der Kleinindustrie, die hauptsächlich die jüdische Jugend beschäftigte, die von der ungesunden Atmosphäre der Kleinstadt sich losriß. Die Kleinindustrie des Ansiedlungs-Raysons blühte ebenfalls auf. Unbekümmert um alle einschränkenden Bestimmungen wuchsen die Beziehungen zwischen Ost- und Westrußland, und die Kleinindustrie war nicht mehr angewiesen auf den örtlichen Markt, sondern konnte ihre Produkte in das weitere Rußland verbreiten. Der ökonomische Wohlstand der großen jüdischen Gemeinde Warschau war aufgebaut auf den Massenexport nach Ostrußland von den Waren, die die Kleinindustrie herstellte, von Schuhzeug, Konfektions- und allerlei Galanterieartikel. Aus der Kleinstadt Bsschesin im Gouvernement Piotrokow wurden billige Kleider in die Gegenden von Neu-Rußland und Baku im Werte von vielen Millionen Rubel ausgeführt. Aehnliche Zentren der Kleiderfabrikation wurden in Wilna, Witebsk, Plonsk und anderswo geschaffen. Während in Warschau sich die Herstellung von Schuhen im Fabrikbetrieb entwickelte, durch den sehr wenig jüdische Arbeiter beschäftigt wurden, entstanden in einer Reihe von Städten im Nordwesten in Witebsk, Minsk, Mohilew und anderen durch die jüdische Arbeit die Fabrikation der sogen. Stiftschuhe, die auf den großen Märkten verkauft wurden. WHna, Warschau, Bobruisk exportierten nach Neu-Rußland viel Möbel, die von jüdischen Arbeitern hergestellt wurden. Mit einem Wort, die Beschränkungen konnten wohl das Vordringen jüdischer Arbeiter nach Osten stören, sie konnten aber nicht den Export ihrer Produkte verhindern. Die ökonomische Lage der Juden hat sich aber nicht bloß dank ihrer individuellen Anstrengungen verbessert, sondern ebenso sehr infolge der Fortschritte ihrer genossenschaftlichen Bestrebungen. Die jüdische Organisation der Selbsthilfe entwickelte mit Erfolg ihre Tätigkeit auf allen Gebieten des jüdischsozialen Lebens. Im Wirtschaftsleben der jüdischen Massen haben die Leih- und Sparkassen, die in großer Anzahl über den Ansiedlungs-Rayon verbreitet wurden und billigen Kredit den jüdischen Kleinhändlern und Handwerkern verschafften, die größte Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig hat der Mittelstand im Ansiedlungs-Rayon eine große Zahl von Gesellschaften für gegenseitigen Kredit ins Leben gerufen, die ihre Bedürfnisse befriedigten. Die jüdische Emigration, die ursprünglich unter dem Einfluß der Pogrome und der Austreibungen stand, nahm immer mehr einen organisierten Charakter an. Die neuen Emigranten trafen bereits auf gewisse Vorbereitungen. Sie hatten einen Anhalt an den früher ausgewanderten Verwandten. Die Emigration wurde zu einer normalen Erscheinung, welche die überflüssigen Arbeiter aus dem Ansiedlungs-Rayon aufsaugte. Das trug dazu bei, die jüdische Arbeiterorganisation im Kampfe um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Die Stärkung der ökonomischen Position der jüdischen Massen schwächte die Angriffe, welche die jüdische Bevölkerung durch den gesellschaftlichen Antisemitismus erfuhr. Auch der Boykott der breiten pol-