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Volk und Land · 1919-12-17 · Heft 51-52 (17.12.1919) · p. Seite 1621-1622

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 51-52 (17.12.1919)
Date
1919-12-17
Page
Seite 1621-1622 (sequence 16)
Language
German
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1621 VOLK UND LAND ■:=r=y.:= =r_^- 1622 Umstände zwangen die Leitung, sich nach einem neuen Ort ohne jüdische Atmosphäre und ohne reiche zionistische Ueberlieferring zu verlegen, und es ergab sich die Notwendigkeit, alles neu zu beginnen und beinahe aus nichts ein Etwas zu schaffen. Mit großer Schwierigkeit gelang es der Leitung, die notwendigen Kräfte, soweit die polititischen Bedingungen das gestatteten, heranzuziehen, und die verschiedenen Arbeitszweige unter Fachmänner aufzuteilen. - Die Leitung wird ihr Arbeitsprogramm mit den Ergebnissen fachmännischer Beurteilung der Konferenz vorlegen und die Konferenz wird der Leitung helfen müssen, die Arbeit zu organisieren und die Kräfte für ihre Durchführung zu finden. Die Konferenz wird auch die politische Lage beurteilen, und es ist kein Zweifel daran, daß, wenn die Delegierten ein detailliertes Referat über die politische Arbeit aus dem Munde derer hören werden, die sich mit dieser Arbeit beschäftigt und ihr alle Kräfte von Kriegsbeginn bis heute gewidmet haben — daß die Delegierten von einer ganzen Anzahl von Fragen befreit sein werden, die unbegründet sind und nur Verwirrung in unser Lager tragen. Auch daran ist kein Zweifel, daß die Konferenz zu dem einzig richtigen Resultat kommen wird, daß die Erreichung unseres Zieles im wesentlichen von unseren nationalen Kräften abhängt, daß unsere nationale Renaissance von Innen und nicht von außen kommen wird, Und dementsprechend wird die Konferenz auch ihre eigene Arbeit mehr nach innen als nach außen richten. Die britische Deklaration und die Erklärung der übrigen Mächte betrachten wir als den wichtigsten und folgenreichsten Ausgangspunkt für die Realisierung unserer nationalen Ideale, aber wir sehen in ihr nicht einen Endpunkt. Sie bedeutet einerseits «.len Beschluß der (Periode des Höffens und Strebens, andererseits den Anfang der tatsächlichen Wiederaufrichtung Und darauf legen wir das Schwergewicht. Wir Zionisten haben uns so sehr gewöhnt, uns mit Fragen, m[it Gedanken, mit Phantasien zu beschäftigen, daß wir manchmal an die Schwierigkeit vergessen, die im Uebergang von der Theorie zur Praxis liegt. Djie künftige Konferenz «uß sich auf den Boden der Tatsachen stellen una die Möglichkeit einer reichen und vielseitigen Verwirklichungsarbeit schaffen. In jener Stadt Basel, die einen so wichtigen Platz in der zionistischen Geschichte einnimmt, werden sich zum ersten Male seit dem Kriege die Vertreter der zionistischen Welt-Organisation versammeln. In jener Stadt, wo der gewaltige Gründer der zionistischen Organisation ihren Grundstein gelegt hat, werden sich die Baumeister unseres Werkes zusammenfinden, um über die Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen zu beraten. So reicht eine Epoche der anderen die Hand: die Epoche des Strebens und die Epoche der Verwirklichung. Schmarja Levin. (Haolam.) Oberst Lawrence über den Zionismus Oberst T. E. Lawrence, dessen hervorragender Anteil an dem Feldzug in Palästina bekannt ist, hat Aeußerungen über den Zionismus gemacht, die um so bemerkenswerter sind, da sie an ein antizionistisches Blatt gerichtet sind. Oberst Lawrence sagt unter anderem: Ich bin entschieden für den Zionismus. Religiöse Streitigkeiten, die übrigens niemals das jüdisch-arabische Verhältnis getrübt haben, werden kaum entstehen, da der stärkste Faktor in der Politik des Ostens heute Nationalität und nicht Religion ist. Ueberall, in Persien, Mesopotamien, Arabien und Aegypten ertönt heute der Ruf „Nationalität“. Jene drei Gemeinschaften der semitischen Rasse — ich meine die syrischen Christen, Mohammedaner und Juden, die heute in Palästina leben — die vom religiösen Standpunkt sich sehr voneinander unterscheiden, werden imstande sein, in voller Eintracht miteinander zu arbeiten, soweit es sich um politische Fragen handelt. Aber eine Bedingung muß erfüllt werden, bevor die Araber oder irgendeiner von den Staaten des nahen Ostens oder Mittelasiens die Juden als einen wesentlichen Bestandteil Palästinas akzeptieren werden. Der Jude muß ein Palästinenser werden. Die erste jüdische Generation, die nach Palästina kommt, bewahrt oder wird den nationalen Charakter ihres Herkunftslandes bewahren. Die Kinder dieser Generation beginnen zu fühlen, daß sie Palästinenser sind und die zionistische Welle, die heute durch die zivilisierte Welt geht, wird diesen Gefühlsprozeß beschleunigen und sie zu Oestlem machen. Sie werden aufhören, Westler zu sein und das ist es, was die nichtjüdischen Staaten von ihnen verlangen. Die Opposition gegen den Zionismus und die großen Schwächen, die ihm heute anhaften, werden nicht verschwinden, solange die zionistischen Hauptquartiere sich in London, New York, Berlin oder Paris befinden und nicht in Jerusalem. Die Errichtung einer jüdischen Universität ist ein vortrefflicher Schritt, — aber er genügt nicht. Die Schwierigkeit liegt darin, daß der reiche Jude, der in einem fremden Lande seinen Beruf ausübt, Familie und Freunde besitzt, nicht gern in ein Land übersiedeln wird, wo er zumindest für Jahre nicht viel mehr als ein Fremder sein wird. Der Zionismus wird nichtsdestoweniger, wenn er eine Zukunft haben soll, dieses Opfer bringen müssen. Der ägyptische Sultan machte einmal die Bemerkung, daß ein Zionist ein Jude ist, der einen andern Juden zahlt, damit er in Palästina lebt. Solange diese Idee nicht aus den Köpfen der Juden und Nichtjuden in gleicher Weise getrieben wird, gibt es keine wirkliche Hoffnung für den Zionismus. Ich betrachte den Zionismus als das einzige praktische Mittel, den neusemiitischen nahen Osten noch in unseren Tagen der Ordnung zu erschließen. Die Verwirklichung des Zionismus hängt davon ajb, daß die intellektuellen und finanziellen Leiter dieser Bewegung sich von dem1 Gefühle werden duchdringen lassen, daß sie ihre westlichen Interessen werden opfern müssen und sich selbst persönlich und mit aßen finanziellen Mitteln dem Wiederaufbau Palästinas so schnell als es nur menschlich denkbar ist, weihen. SOZIALES Ostjüdischer Emigrations - Ausschuß Berlin. Beim Verband der Ostjuden in Deutschland ist ein besonderer Emigrations-Ausschuß gebildet worden, dem folgende Herren angehören: Moritz Brenner, Redakteur Dr. /Hellmann, Dr. N. Katzenelsohn, Max Lewit, Josef Lin, Pjaul Sachs, E. Scalit, T. Scallt, Davis Trietsch und Ing. Warechawsky. Der Ausschuß soll durch Hinzuziehung anderer auf dem Gebiete der jüdischen Emigrationsfragen kompetenter Persönlichkeiten erweitert werden und mit den in Betracht kommenden Organisationen an den großen und schweren Aufgaben der Regulierung der jüdischen Emigration gemeinsam arbeiten. Die Geschäftsstelle des Emigrations-Ausschusses ist: E. Scalit, Berlin W., Knesebeckstr. 96.

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