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Volk und Land · 1919-12-10 · Heft 50 (10.12.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 50 (10.12.1919)
Date
1919-12-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VO LK umd LA M D >JUEDISCÜ^^PpnNSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCHJfjpUND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGEGEBEN VON DAVIS TRIETSCH tO. DEZEMBER 1919 HEFT 50 L JAHRGANG DIE JUEDISCHE EMIGRATIONSFRAGE Von Davis Kein Volk der Erde kann mit solchem Recht ein Wandervolk genannt werden wie das jüdische. Keines ist sio weit verbreitet, und keines besteht in einem ähnlichen Prozentsatz — der bei uns nicht viel weniger als 100 aus macht — aus „Wanderern“. Und wäre nicht eine Hoffnung der Wiedervereinigung des Volkes mit seinem Lande durch alle Goluszeiten hindurch bei uns lebendig geblieben, so könnten wir selber den „Juif errant“ als unseren Typus' akzeptieren und den Wanderstab als unser Symbol. Kürzlich ging ein Bericht einer amerikanischjüdischen Kolonisationsgesellschaft durch die Blätter, nach welchem es dm Bemühungen des Vereins gelungen sei, 45 jüdische Familien mit zusammen 171 Seelen landwirtschaftlich ainzusiedelrt und zwar in 25 Staaten der Union. Es gibt Juden, denen es sehr gleichgültig ist, daß durch eine solche „feinste Verteilung“ der Judenheit der nationale Zusammenhalt immer mehr verloren geht, und die Zerstreuung eine immer vollständigere wird. — Wenn diese Juden Juden sind, lohne die nationale Zusammengehörigkeit anzuerkennen, 90 müssen wir wohl annehmen, daß sie ihr Judentum auf die Religion beschränken. Aber nichts kann klarer sein, als daß die „feinste Verteilung“ auch der Untergang des religiösen Judentums wäre. Unser religiöses Gesetz ist auf ein Volk, das in einem Lande lebt, zugeschnitten, und verlangt Zusammenkünfte von Juden, nicht nur für die Feste, sondern auch für das tägliche Gebet. Ich kenne eine Judengemeindie, irgendwo im Orient, die 10 erwachsene männliche Mitglieder zählt, und die in alter Treue am Gesetze hängt. Es ist klar, daß es für diese Leute eine Katastrophe wäre, wenn einer von ihnen auf irgendeine Weise der Gemeinde verloren ginge. ln weitem Umkreise von dieser Zwerggemeinde leben — wieder voneinander getrennt — zwei einzelne Judenifamilien, und ich kann als Augenzeuge berichten, wie diese beiden zu Pessachi nach dieser „Hauptgemeinde“ von 10 Juden reisten, und habe einen ungefähren Begriff davon bekommen, was es für arme Leute, die ohnehin um ihre Existenz kämpfen, bedeutet, für mehrere Wochen ihren ganzen Haushalt nach einem anderen Orte zu verlegen, von dem sie eine Tagesreise entfernt wohnen. Trotzdem also das Prinzip der Zerstreuung, welches wir bis in die neueste Zeit, aus einem gesunden Instinkt heraus als den Zerfall des Judentums und als eine Fortsetzung der Jahrtausende «alten Vernichtungskriege gegen die Juden betrachtet haben, ebenso von den Religiösen* wie von den Nationalen unter uns aufs ällerentschiedenste be- Tr i ets ch*). kämpft werden sollte, sehen wir es von Tag til Tag unter Anerkennung der offiziellen Judenheit wohl aller Länder immer konsequenter durchgeführt. Gegen diesen folgenschweren Irrtum, der, soweit er um sich greift, mit Naturnotwendigkeit zum Verschwinden der Juden und des Judentums führen muß, soll endlich ein energischer Feldzug eröffnet werden. Es muß in Wort und Schrift auf die Gefährlichkeit dieser kürzlich zur Herrschaft gelangten Tendenz hingewiesen werden, und religiöse wie nationale Juden sollten alle ihre Kräfte daran wenden, das Uebel zu bekämpfen. Die Sache wird noch größer, wenn man bedenkt, daß hier ein - .Boden ist, auf dem alle positiven Elemente im Judentum ein gemeinsames Arbeitsfeld finden. Umd gerade von diesem Punkte aus wird ein Zusammenarbeiten in allen anderen jüdischen Fragen sich1 von selbst ergeben, denn wemn wir das Problem weit genug fassen, so liegen alle anderen Teile der jüdischen Frage innerhalb derjenigen der Judenwanderung. Die Judenwanderungsfrage ist die Judenfrage! Um ein schlechtes Extrem energisch bekämpfen zu können, muß man das Entgegengesetzte als Forderung oder doch wenigstens als Losungswort aufstellen. Es ist ja klar, daß jedes Extrem schlecht ist, aber wenn man über ein Ziel hinausgegangen ist, ist es notwendig, Halt zu machen, und in der entgegengesetzten Richtung zu gehen. Und es ist auCh nicht anzunehmen, daß man nach' der Verirrung in einer Richtung sich nun schnell ebensoweit nach der entgegengesetzten Richtung verirren werde. Ein verirrter Wanderer wird beim Rückwege vorsichtiger sein. Wir wollen also zunächst das der Zerstreuung entgegengesetzte Prinzip als Losungswort aursteilen, und es ist klar, daß, wenn wir der feinsten Verteilung der Juden über alle Länder der Welt die kompakteste Sammlung in einem Lande gegenüberstellen, dieses Land schon deshalb kein anderes sein kann, als jinser altes Land Palästina, weil die Einigung aller Juden auf ein anderes Land undenkbar wäre. Wir hätten also das andere Extrem: die Forderung der Rückkehr der J.uden nach Palästina. Nun ist die Forderung der Rückkehr aller Juden nach Palästina nur die extremeFassung des gesunden Gedankens und der einzig vemünf- *) Zuerst veröffentlicht in ,JDde Welt“- 1903, Heft S. 10/12. — Wörtlicher Abdruck.

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