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Volk und Land · 1919-11-27 · Heft 48-49 (27.11.1919) · p. Seite 1533-1534

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 48-49 (27.11.1919)
Date
1919-11-27
Page
Seite 1533-1534 (sequence 20)
Language
German
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1533 VOLK UND LAND aus geeigneterem Material. Es ist vielmehr eine Erfahrungstatsache, daß eine einigermaßen solide Lehm- oder Ziegelmauer z. B. Witterungseinfiüsscn besser standhält und vor allem besser isoliert als eine noch so dicke Bruchsteinmauer, die stets schwitzen oder durchregnen wird. Man verwendet daher auch außerordentlich selten Bruchstein zu Mauern für Wohnzwecke, nicht sowohl wegen seiner Teuerkeit, als wegen seiner Zweckwidrigkeit. Die in Palästina übliche Wohnhausbauweise ist (nur durch die große Primitivität der ganzen dortigen Bau- und Lebensverhältnisse zu erklären. Als in technischer, künstlerischer und hygienischer Beziehung ideal ließe sich, vielleicht ein Häuschen aus einem ganz dfc&heitlich durchgeführtem Material, am besten wohl aus Lehm oder porösen Lochziegeln (etwa im Format von 10Xl5><25 cm) bezeichnen. Ein solcher Stein kostet in Berlin frei Bau zirka vier Pfennige, der Quadratmeter zu 25 Steinen also eine Mark (was überhaupt dem zu erwartenden Grundpreise für einen Quadratmeter Wandmaterial irgendwelcher Art entspricht). Als Arbeitslohn seien fünfzig Pfennige für den Quadratmeter, das sind 25 Steine, angesetzt, ein Preis, der den teuersten palästinensischen Löhnen entsprechen dürfte und der sich durch Anlernung von Spezialarbeitern sicher auf weniger als die Hälfte reduzieren ließe. Zusammen ergibt das einen Preis von 1,50 M. pro Quadratmeter; hierzu kommt innen und außen Kalkmörtelputz mit zusammen 0,5() M. der Quadratmeter (Berliner Preis), so daß sich ein Wandpreis für die fix und fertige Wand .von 2 M. ergibt, während der Quadratmeter rohe Wand in Palästina gewöhnlich mit dem vierfachen, nämlich 8 M., veranschlagt wird, wozu noch der schwierige Beputz tritt. Unser Typenhäuschen besitzt inklusive massivem Dach eine Fläche von 35 Quadratmetern Mauerwerk, würde also ohne Fenster und Tür 'auf 70 M. kommen. Größere Häuserkomplexe würden durch verhältnismäßig weniger Wände noch billiger pro Quadratmeter bebauter Fläche werden. Das Dach eines solchen Hauses wäre aus Ziegelsteinen als flaches Dach hergestellt, begehbar, regensieher, mit Dachpappe beklebt (90 Pfennige pro Quadratmeter) und im Sommer sehr wohl nach Landessitte zum Schlafen zu benutzen. Augenblicklich lassen wir uns in Berlin von einer großen Massivbaugesellschaft ein derartiges Häuschen als AufT enthaltsraum im Winter auf einem Neubau errichten, und zwar für obigen Preis von 70 M. Die genaue Abrechnung der Baugesellschaft über die tatsächlichen Kosten werden wir Ihnen sofort nach Feststellung derselben von ihr einreichen lassen. Tür und Fenster sind für weniger als 30 M. herzustellen, so daß das komplette, sehr schmucke und massive, für zwei Leute völlig ausreichende Häuschen auf 100 M. zu stehen kommen würde*). Der Fußboden müßte hierbei von den Arbeitern selbst aus Lehmschlagestrich, einem sehr billigen, warmen, riß- und daher auch ungezieferfreien Material her: gestellt werden und rund herum zirka 50 cm Üeberstand vor dem Häuschen haben. Ein besonderes Fundament würde sich in diesem Falle erübrigen. fn vorliegendem Entwurf besitzt das kleinste Haus auch einen offenen Kochraum von 2% X 2% m der fast kostenlos zwischen zwei Nachbarhäusern entsteht, und für den nur 14 Quadratmeter Rückwand und Dach mit 28 M. anzusetzen wären. Für größere Familien sind die Typenhäuser je nach Bedarf zu zwei, drei, vier oder mehreren *) Kam auf 130 M. (s. S. 1527/28). 1534 der Länge oder Breite nach zu Gruppen zu vereinigen, wobei sieh der Grundpreis von 10 M. p r o Q u a d r a t m cter bebauter Fläche wahrscheinlich durch den Fortfall von Zwischenwänden erheblich reduzieren würde. Nachwort. Dieser im Jahre 1912 geschriebene Bericht ist inzwischen nicht nur in Bezug auf die Preise etwas veraltet. Die ganz andere Lage unserer heutigen Verhältnisse und Aussichten gestattet uns nicht mehr, mit derartigen Unterkünften für eine auch nur einige Jahre dauernde Unterbringung unserer Ansiedler zu rechnen dagegen scheint uns die Idee dieses Entwurfes ihren wert zu behalten j für die provisorische Unterbringung von vorgeschobenen Arbeitergruppen (Pionieren, Chaluzini), welche an den Landerschließungs-, Meliorations- und öffentlichen Arbeiten der ersten Zeit beteiligt sind. Es erscheint uns sogar als höchst erstrebenswert, zu versuchen, diese Gruppen bereits in derartigen offenen Barackenlagern unterzubringen, anstatt in geschlossenen großen Hallen, d. h. Massenquartieren. Bei geschickter Ausnutzung der gebotenen Möglichkeiten müssen wir imstande sein, diese Kamps, welche gegenüber den provisorischen Hallenbauten einen ganz erheblichen Fortschritt in sozialer und hygienischer Beziehung darstellen, mit nicht größeren Mitteln als diese zu errichten. Die Vorzüge solcher provisorischen Unterbringung gegenüber der in Massenquartieren scheint uns vor allem darin zu liegen, daß der Arbeiter bzw. die Arbeiterfamilie hier von Anfang an doch wenigstens eine gewisse örtliche Abgegrenztheit, eine Vorstufe der Eigenbehausung zur Verfügung hat. Daß der licht- und luftumspülte Aufenthalt in solch einer „aufgelösten Baracke“ demjenigen in einer großen sonnendurchglühten Halle, die man noch obendrein wahrscheinlich aus Holz würde errichten müssen, auch in hygienischer Beziehung durchaus vorzuziehen ist, erscheint einleuchtend. Die Anlage dieser Lager kann ungefähr so gedacht werden, daß bei großen Landerschließungsarbeiten ganze Landstriche mit einer großen Anzahl derartiger Lager besetzt werden, welche so weit voneinander entfernt aufzustellen sind, wie dies der Arbeitsleistung jeder einzelnen Gruppe entspricht, was von Fall zu Fall zu ermitteln ist. Die Belegung kann eine wechselnde sein. Nachdem die ersten Arbeitergruppen diese Unterkünfte verlassen und noch weiter vorgeschoben sind, können nachfolgende Pioniergruppen, welche die darauf folgenden Arbeiten zu verrichten haben, in diese Lager gelegt, für die ersten Belegungen weiter vorn neue errichtet werden. Die letzten Belegungen werden diejenigen sein, welche die definitiven Hausbauten für die entstehenden Siedelungem auszuführen haben, in welchen danh vielleicht diejenigen Pioniere als Ansiedler sich niederlassen, welche ihrerzeit als erste jene Kamps bewohnten und die ersten schwierigsten Entsteinungs- und Wegevorbereitungsarbeiten ausführten. Nach den Jahren der Pioniertätigkeit werden die Lager dann zu untergeordneten Zwecken als Stallungen, zur Erntelagerung, für Unterbringung landwirtschaftlichen Geräts, sonstige Lagerzwecke oder als Schuppen verwendet werden können. Auch bleiben sie bestehen für Zeiten einer Wohnungsknappheit in. den Kolonien und bieten bei einiger Instandhaltung nach vielen Jahren noch eine Möglichkeit, einem gelegentlich größeren Einwandererstrom vorübergehende Unterkunftsmöglichkeit zu bieten. („Ventilhäuser“.)

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